VW will die spanische Traditionsmarke Seat spätestens Ende 2029 einstellen. Das geht aus einer vertraulichen Unterlage für den Aufsichtsrat hervor, die der Wirtschaftswoche vorliegt. Der Konzern könnte damit eine Marke beenden, die derzeit kein einziges reines Elektroauto anbietet.
Ein neuer Elektro-Seat war laut Marketingchef Sven Schuwirth frühestens für 2029 im Gespräch. Bis dahin werde es „keinen elektrischen Seat geben“, sagte er dem britischen Automagazin Auto Express. Ein solches Modell sei derzeit technisch nicht zu einem Preis machbar, den Seat-Kunden zu zahlen bereit seien. Nun könnte die Marke zu dem Zeitpunkt verschwinden, zu dem erstmals ein Elektro-Seat geplant war. Bei der Elektromobilität setzt VW in Spanien längst auf Cupra statt auf Seat.
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VW streicht Seat aus dem Zukunftsplan
Laut dem internen Papier soll Seat „geordnet und kostenoptimal“ bis Ende 2029 auslaufen. Im strategischen „Zielbild 2030“ von VW werde die Marke bereits nicht mehr geführt. Bestehende Kunden sollen aber weiterhin betreut und eingegangene Verpflichtungen erfüllt werden.
VW wollte die Pläne bislang nicht kommentieren. Interne Unterlagen würden in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet, heißt es aus dem Konzern. Diesem Prozess wolle man nicht vorgreifen. Seat erklärte gegenüber spanischen Medien ebenfalls, dass noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei.
Aktuell verkauft Seat den Ibiza, den Arona sowie den León und den León Sportstourer. Ein batterieelektrisches Modell befindet sich nicht darunter. Der León ist zwar als Plug-in-Hybrid erhältlich, kombiniert den Elektromotor aber weiterhin mit einem Verbrenner. Das bislang einzige reine Elektroauto der Marke, der Kleinwagen Mii electric, wurde bereits vor mehreren Jahren eingestellt.
Auch die weitere Modellplanung setzt zunächst auf Verbrenner und Hybride. Die 2026 überarbeiteten Modelle Ibiza und Arona sind weiterhin ausschließlich mit Benzinmotoren erhältlich. Ab 2027 sollen Mildhybrid-Versionen folgen, für den León ist ein Vollhybrid vorgesehen. Ein rein elektrischer Seat galt frühestens für das Ende des Jahrzehnts als möglich.
Ein vollelektrischer Seat Ibiza war laut Marketingchef Sven Schuwirth frühestens für 2029 geplant. Bis dahin werde es „keinen elektrischen Seat geben“, sagte er.
© Seat
Cupra übernimmt Seats elektrische Zukunft
VW hat seine neuen Elektro-Kleinwagen stattdessen anderen Marken zugeordnet. Im spanischen Seat-Stammwerk Martorell laufen seit diesem Jahr der Cupra Raval und der VW ID. Polo vom Band. Mehr als drei Milliarden Euro investierte der Konzern nach eigenen Angaben in den Umbau des Standorts.
Nach dem Vorstandspapier sollen bestehende Produkte sowie Vertriebs- und Produktionsstrukturen von Seat „wirtschaftlich optimiert“ zu Cupra verlagert werden. Die Marke soll künftig jährlich zwischen 500.000 und 600.000 Autos verkaufen. Welche Seat-Modelle unter anderem Namen weiterleben könnten, bleibt offen.
Cupra hat die Stammmarke beim Absatz längst überholt. 2025 legten die Verkäufe um knapp 33 Prozent auf 328.800 Fahrzeuge zu. Seat verlor dagegen 17 Prozent und setzte noch 257.400 Autos ab. Im ersten Halbjahr 2026 vergrößerte sich der Abstand weiter.
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Auch auf dem deutschen Automarkt ist die Markenfamilie stark. Seat und Cupra kamen 2025 gemeinsam auf 162.566 Neuzulassungen und 5,7 Prozent Marktanteil. Das entsprach einem Plus von 6,7 Prozent. Hinter Škoda war Seat/Cupra damit der zweitstärkste Importeur. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) weist die beiden Marken allerdings nicht getrennt aus.
Für Spanien wäre das Marken-Aus ein schwerer symbolischer Verlust. Seat beschäftigt an seinen spanischen Standorten rund 14.000 Menschen und gehört zu den wichtigsten Industrieunternehmen Kataloniens. Das Werk Martorell soll allerdings erhalten bleiben.
Die 1950 gegründete Marke steht wie kaum eine andere für den wirtschaftlichen Aufstieg Spaniens. Seat prägte mit Modellen wie dem 600, dem Ibiza und dem León die spanische Autoindustrie. 1986 stieg VW bei Seat ein und übernahm das Unternehmen 1990 vollständig.
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