Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat für die Zukunft des VW-Werks Zwickau längere Arbeitszeiten ins Gespräch gebracht. „Wir sind zu teuer“, sagte der CDU-Politiker im ZDF-Morgenmagazin. Dieser Realität müsse sich Deutschland stellen.
Sinkende Löhne lehnt er dabei ab. Stattdessen wirbt Kretschmer für einen „Mix an Maßnahmen“ – „auch ein Stück weit eine längere Arbeitszeit“.
„Wir sind zu teuer“: Kretschmers Vorschlag zur Arbeitszeit
Kretschmer verteidigte im ZDF-Morgenmagazin seinen Vorschlag, bei VW wieder die 40-Stunden-Woche einzuführen – nach Angaben des ZDF offenbar bei gleichbleibendem Lohn. Die IG Metall Sachsen hatte diese Idee zuvor abgelehnt.
Er stellte zwei Wege gegenüber. Entweder werde ins günstigere Ausland verlagert und die 35-Stunden-Woche gehalten, wie es bei Mercedes im Gespräch sei.
Oder man arbeite 40 statt 35 Stunden und werde „ein Stück weit effizienter bei Krankheitstagen und ähnlichem“. Darüber müsse man in Ruhe reden, so Kretschmer.
Warum Kretschmer Bund und EU in der Pflicht sieht
Finanzielle Hilfen lehnt der Ministerpräsident ab. „Wir reden nicht über Subventionen“, sagte er. Auch seine eigene Landesregierung sieht er nicht in der Pflicht – Subventionen verschöben das Problem nur in die Zukunft.
Stattdessen fordert Kretschmer weniger Regulierung und niedrigere Kosten, vor allem bei der Energie. Die Energiekosten in Deutschland seien die höchsten in Europa.
Den EU-Regulierungsrahmen etwa für E-Autos und Verbrenner nannte er „völlig aus der Zeit gefallen“. Er verwies auf seinen „Pakt für Deutschland“.
8000 Jobs in Zwickau bedroht
Um die Zukunft des Werks bangen rund 8000 Beschäftigte. Konzernchef Oliver Blume besuchte den Standort am Mittwoch. Blume bekräftigte, dass es keine Entscheidung zu Werksschließungen gebe. Zugleich fehle für die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm noch eine „wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre“.
Die Arbeitskosten lägen heute bei mehr als dem Doppelten vergleichbarer europäischer Standorte, sagte Blume dem ZDF. Kretschmer gibt sich dennoch optimistisch: Zwickau sei „das effizienteste Werk in Deutschland“ und werde es wieder nach vorn schaffen.
Wie das VW-Werk Zwickau in die Krise geriet
Zwickau galt lange als Vorzeigeprojekt für Elektromobilität im VW-Konzern. Rund 1,2 Milliarden Euro waren zuvor in die Umrüstung geflossen.
Doch die Rechnung ging nicht auf: Statt geplanter 330.000 liefen laut Informationen, die dieser Redaktion vorliegen, nur 212.000 Autos vom Band. Dazu kamen Softwareprobleme und wachsender Druck chinesischer Hersteller.
Zusätzlich brach ein Teil des China-Geschäfts weg, das rund 40 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht. Auch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump erschwerte den Verkauf.
Blumes Sparkurs: weniger Modelle, weniger Stellen
Konzernchef Blume treibt den Umbau voran. Sein Zukunftsprogramm sieht dem Bericht zufolge vor, die Produktpalette um 50 Prozent zu verkleinern und die Fertigungskosten zu senken.
Zudem ist von einem Abbau von 50.000 Stellen die Rede, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Ein erster Anlauf im Aufsichtsrat scheiterte demnach am 9. Juli, für den 4. September war eine weitere Sitzung geplant.
Werksschließung 2030? Dementi nach Medienbericht
Über ein mögliches Aus kursieren widersprüchliche Angaben. Die für Regionalentwicklung zuständige Ministerin Regina Kraushaar (CDU) soll bei einem nichtöffentlichen Termin gesagt haben, Zwickau schließe 2030. Drei Teilnehmer hätten dem Portal den Wortlaut bestätigt.
Deutsche zu „faul“? Merz und Konzernbosse reden am wahren Problem vorbei
Krimi um VW in Zwickau: Ist die Werksschließung längst beschlossene Sache?
Das Ministerium wies die Äußerung später entschieden zurück und betonte, die Staatsregierung versuche alles, um eine Schließung abzuwenden. Auch VW dementierte: Eine Werksschließung sei die letzte und teuerste Option, so Blume.
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