Neuer Schockmoment für die 8000 VW-Mitarbeiter in Zwickau: Die Schließung des Vorzeigewerks für Elektromobilität sei beschlossene Sache, verkündet die Wirtschaftswoche und beruft sich dabei auf ein Strategiepapier, das ihr exklusiv vorliege. Das umfasst 147 Seiten und ist deutlich detaillierter als der Entwurf, der am 9. Juli diesen Jahres im Aufsichtsrat diskutiert und abgelehnt wurde.
Der VW-Vorstand hat seine Hausaufgaben gemacht und präsentiert an diesem Freitag eine aktualisierte Version seiner Sparpläne. Sie sind drastisch, denn neben dem bereits Ende 2024 beschlossenen Abbau von 50.000 Stellen, der ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen soll, gehe es darum, die Beschäftigtenzahl um weitere 50.000 zu senken. Verbunden sind die Einsparungen mit Werksschließungen, auch in Zwickau, wo laut dem Strategiepapier 2031 die Lichter ausgehen sollen. VW spricht von einem „Leerlaufen“ des Werkes. Der Nachfolger des Q4e-tron wandert nach Osteuropa und wird den Plänen zufolge künftig im Volkswagen-Werk im slowakischen Bratislava gebaut.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD), der gerade mit einer Wirtschaftsdelegation in Taiwan unterwegs ist, reagierte sofort. „Die neuesten Berichte haben uns überrascht. Sachsen steht fest an der Seite der Beschäftigten. Wir kämpfen um jeden einzelnen Arbeitsplatz“, so der Minister.
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Entscheidend sei für ihn, was die Landesregierung mit Volkswagen in Zwickau besprochen und vereinbart habe. „Wenn das Zwickauer Werk wettbewerbsfähig ist und mit Standorten in Osteuropa mithalten kann, gibt es keinen Grund, das Werk zu schließen“, so Dirk Panter. Er erinnerte daran, dass es nicht nur um die 8000 Beschäftigten von VW und deren Familien gehe, sondern dass ein Aus auch zahlreiche Zulieferer in der Region beträfe.
Bei den Beschäftigten in Zwickau sorgt die neuerliche Debatte für eine weitere Verunsicherung, es bleibt aber die Hoffnung auf die Aufsichtsratssitzung. Dort weiß man die Vertreter des Betriebsrats, der IG Metall und auch des Landes Niedersachsen, das eine 20-prozentige Beteiligung hält, auf seiner Seite.
Zurückhaltung dominiert auch im Zwickauer Rathaus. Der Sprecher von Oberbürgermeisterin Constance Arndt verweist auf eine Erklärung, in der sie von Volkswagen ein Bekenntnis zu dem Standort einfordert. „Die Menschen in unserer Region brauchen Klarheit über die Zukunft“, so Arndt. Sie möchte aber der Aufsichtsratssitzung am Freitag nicht vorgreifen und erklärt „dauerhafte Spekulationen und immer neue Szenarien helfen niemandem – weder den Beschäftigten noch den Unternehmen, die täglich Verantwortung übernehmen und investieren“. Kommende Woche wird Oberbürgermeisterin Arndt zudem nach Wolfsburg reisen und dort das direkte Gespräch mit dem Vorstand suchen.
Zwickau ist nicht der einzige Standort, der um seinen Fortbestand bangen muss. In der Streichliste des Vorstands steht auch das Werk in Emden. Die Produktion des ID.4-Nachfolgers soll ebenfalls 2031 auslaufen und ins tschechische Škoda-Werk nach Mladá Boleslav verlagert werden. In Hannover ist das Aus für die dortige Produktion 2032 geplant. Die neue Elektro-Transporterfamilie B-Space / T8 geht ins polnische Poznań und der Nachfolger des Audi A8 soll ab 2034 nicht mehr in Neckarsulm gebaut werden, sondern dort, wo viele Jahre die Porsche-Modelle Macan und Panamera sowie Karosserien für Bentley vom Band rollten – in Leipzig.
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Soweit die vom VW-Vorstand einstimmig beschlossenen Pläne zur Neuordnung des Konzerns, der damit mittelfristig einen zweistelligen Milliardenbetrag einsparen will. Dass sie im Aufsichtsrat auf ungeteilte Gegenliebe stoßen, gilt als unwahrscheinlich. Entsprechend reagieren die Anleger. Sie honorieren die angekündigten Kostensenkungen nicht, weil sie erhebliche Zweifel an der Umsetzung der Pläne hegen. Der Aktienkurs büßt daher ein.
Seit Jahresbeginn hat das Papier mehr als ein Viertel seines Wertes verloren. Im Januar notierte es noch bei rund 106 Euro, während der Kurs derzeit bei um die 74 Euro liegt. Als direkte Folge des Kursabsturzes fliegt Volkswagen aus dem europäischen Leitindex EuroStoxx 50. Der Indexanbieter ISS Stoxx gab den Ausschluss zum 21. September bekannt. Dies zwingt ETFs und indexnahe Fonds nun dazu, VW-Aktien im großen Stil abzustoßen, was zusätzlichen Druck auf die VW-Aktie ausübt.
Es sind massive Umsatzrückgänge, die VW zu den Sparplänen zwingen. Auf dem ehemals wichtigsten und profitabelsten Markt in China hat VW deutlich an Boden verloren, weil Chinesen auf einheimische Marken wie BYD setzen. Und auch auf dem Heimatmarkt in Europa ist die Nachfrage rückläufig.
Der VW-Vorstand, allen voran Oliver Blume, hatte zuletzt das Gespräch mit den Belegschaften an den Standorten gesucht. Er bezeichnete die Lage der Volkswagen-Gruppe als „mehr als kritisch“. Unter anderem belasten enorme Verwaltungskosten die Bilanz. Sie liegen rund 30 Prozent über denen der Wettbewerber. VW sei ein Sanierungsfall, soll Blume intern mehrfach geäußert haben.
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