Diplomatie

Wadephul-Lawrow-Treffen: Wie das Putin-Porträt an der Wand zum Thema wurde

Maria Sacharowa berichtet von einer ungewöhnlichen Szene vor dem Gespräch der Außenminister bei den UN. Einige russische Medien spitzen ihre Darstellung inzwischen deutlich zu.

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Sergej Lawrow und Johann Wadephul nach ihrem Treffen bei den Vereinten Nationen in New York. Im Hintergrund hängt ein Porträt an der Wand.

Sergej Lawrow und Johann Wadephul nach ihrem Treffen bei den Vereinten Nationen in New York. Im Hintergrund hängt ein Porträt an der Wand.

© Michael Kappeler/dpa

Ein Porträt des russischen Präsidenten Wladimir Putin soll vor dem Treffen von Bundesaußenminister Johann Wadephul mit Sergej Lawrow für eine ungewöhnliche Nachfrage der deutschen Delegation gesorgt haben. Das behauptet die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Von deutscher Seite ist ihre Darstellung bislang nicht bestätigt.

Nach Sacharowas Schilderung waren deutsche Protokollmitarbeiter vor dem Gespräch in den Besprechungsraum der russischen Delegation bei den Vereinten Nationen gekommen. Dort sei ihnen das an der Wand hängende Porträt Putins aufgefallen.

„Und sie begannen, auf die Wand zu schauen“, sagte Sacharowa nach Angaben von News.ru im russischen Radiosender Sputnik. Anschließend hätten die Deutschen gefragt: „Und dieses Porträt bleibt, wenn Wadephul kommt?“.

Russische Seite: Porträt bleibt an der Wand

Darauf habe die russische Seite erklärt, Fahne und Porträt des Präsidenten gehörten traditionell zur Ausstattung des Raums. „Sie kommen zu uns und müssen unsere Traditionen respektieren“, zitieren russische Medien Sacharowa. Das Bild bleibe sowohl während Wadephuls Besuch als auch danach hängen.

Ob dieser Wortwechsel tatsächlich so stattgefunden hat, lässt sich bislang nicht unabhängig überprüfen. Eine entsprechende öffentliche Darstellung des Auswärtigen Amts gibt es bisher nicht.

Fest steht dagegen, dass das Putin-Porträt während des Treffens tatsächlich an prominenter Stelle im Raum hing. Die Süddeutsche Zeitung beschrieb unmittelbar nach der Begegnung, wie Lawrow vor Wadephuls Eintreffen unter dem Porträt des russischen Präsidenten saß. Auch Fotos der Begegnung zeigen das Bild an der Wand.

Russische Medien verschärfen Sacharowas Darstellung

In Teilen der russischen Berichterstattung wurde aus der von Sacharowa geschilderten Nachfrage inzwischen mehr. Einzelne Medien behaupten, die deutsche Delegation habe verlangt oder darum gebeten, das Putin-Bild abzuhängen.

Dafür gibt Sacharowas bislang veröffentlichter Wortlaut allerdings keinen Beleg. Darin ist lediglich von der Frage die Rede, ob das Porträt während Wadephuls Besuch an seinem Platz bleiben werde. Eine ausdrückliche Aufforderung, das Bild zu entfernen, erwähnt sie nicht.

Sacharowa hatte bereits rund um das Treffen weitere Vorwürfe gegen die deutsche Delegation erhoben. Sie erklärte unter anderem, Deutschland habe die Zahl der anwesenden Journalisten begrenzen und Tonaufnahmen vor Beginn des Gesprächs verhindern wollen. Auch diese Angaben wurden von deutscher Seite bislang nicht öffentlich bestätigt.

Wadephul und Lawrow sprachen gut 20 Minuten

Wadephul und Lawrow trafen sich am 26. September am Rande der UN-Generalversammlung in New York. Es war das erste bilaterale Gespräch der Außenminister Deutschlands und Russlands seit dem russischen Großangriff auf die Ukraine im Februar 2022. Nach gut 20 Minuten war die Begegnung beendet.

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Inhaltlich brachte das Gespräch keine erkennbare Annäherung. Wadephul sprach anschließend von einem intensiven Austausch und erklärte, Russland zeige weiterhin keine Bereitschaft zu konstruktiven Verhandlungen. Lawrow wiederum sagte, er habe von seinem deutschen Kollegen nichts gehört, was die Bundesregierung nicht ohnehin öffentlich erkläre.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts ging es unter anderem um die blockierten Getreideexporte über das Schwarze Meer. Mehrere internationale Partner hätten Deutschland darum gebeten, das Thema gegenüber Moskau anzusprechen. Ein konkretes Ergebnis teilte das Ministerium anschließend nicht mit.

Die Geschichte um das Putin-Porträt liefert nun eine weitere russische Deutung dieser Begegnung. Was die deutschen Protokollmitarbeiter mit ihrer angeblichen Frage bezweckten, ist jedoch ebenso offen wie die Frage, ob Sacharowas Darstellung vollständig ist.

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