Stadtgeschichte

Nach acht Jahren hinter Bauzäunen: Weimars Stadtschloss öffnet wieder

Nach langjähriger Sanierung öffnet der Ostflügel des Schlosses am 2. Oktober wieder. Die Sanierung geht weiter und soll bis 2032 dauern.

5 Min
Acht Jahre Baustelle: Im Oktober 2026 wird der Ostflügel des Weimarer Stadtschlosses eröffnet – mit Besucherzentrum, Veranstaltungssaal und einer Dauerausstellung zur Weimarer Klassik.

Acht Jahre Baustelle: Im Oktober 2026 wird der Ostflügel des Weimarer Stadtschlosses eröffnet – mit Besucherzentrum, Veranstaltungssaal und einer Dauerausstellung zur Weimarer Klassik.

© Paul-Philipp Braun

Acht Jahre lang war das Weimarer Stadtschloss für das Publikum weitgehend tabu. Bauzäune bestimmten den Blick auf die ehemalige Residenz der Herzöge von Sachsen-Weimar und Eisenach. Nun öffnet das Schloss seine Tore wieder: Ab dem 2. Oktober wird zunächst der Ostflügel zugänglich sein. Dort erwartet Besucher neben restaurierten historischen Räumen die neue Dauerausstellung „Weimarer Klassik“. Der Besuch am Eröffnungswochenende vom 2. bis 4. Oktober ist kostenfrei.

Ein Schloss mit bewegter Geschichte

Die Geschichte des Schlosses reicht bis ins Mittelalter zurück. Fast 400 Jahre lebten und wirkten hier die Ernestiner, eine Linie des Hauses Wettin, eines der ältesten urkundlich nachgewiesenen Adelsgeschlechter Deutschlands. Auf dem heutigen Gelände stand bereits im 10. Jahrhundert eine Wasserburg. Nach mehreren Bränden entstand im 16. Jahrhundert ein Renaissanceschloss, später die barocke Wilhelmsburg. Doch auch dieser Bau blieb nicht verschont: Am 6. Mai 1774 zerstörte ein Feuer große Teile der Anlage. Nur die Außenmauern des Ost- und Nordflügels blieben erhalten.

Der Brand wurde zum Ausgangspunkt für einen architektonischen und kulturellen Neubeginn. Herzog Carl August ließ die Ruine ab 1789 wiederaufbauen und berief eine Schlossbaukommission, an der auch Johann Wolfgang von Goethe beteiligt war. Architekten wie Johann August Arens, Heinrich Gentz und Nikolaus Friedrich Thouret prägten das klassizistische Erscheinungsbild, das bis heute das Schloss bestimmt. Die Arbeiten am zentralen Teil dauerten bis 1803, der Ausbau des Schlosses zog sich noch Jahrzehnte hin.

In dieser Zeit wurde das Schloss zu einem wichtigen Schauplatz der Weimarer Klassik. Goethe, Schiller, Herder und Wieland prägten das kulturelle Leben der Residenzstadt. Im 19. Jahrhundert kamen weitere Teile hinzu. Clemens Wenzeslaus Coudray plante den Westflügel, der 1847 mit der Einweihung der Schlosskapelle fertiggestellt wurde. Dort entstanden auch die Dichterzimmer für Wieland, Herder, Schiller und Goethe. Erst 1913/14 wurde die Anlage mit einem vierten Flügel zum heutigen Vierflügelbau geschlossen.

Vom Residenzschloss zum Welterbe

Auch politisch hat das Gebäude mehr erlebt als höfische Feste. Nach dem Ende der Monarchie wurde das Schloss 1919 zeitweise zum politischen Zentrum der jungen Republik. Während die Nationalversammlung im Deutschen Nationaltheater tagte, wurden 135 Räume des ehemaligen Residenzschlosses für Ministerien, Büros und Sitzungen der Reichsregierung genutzt. 1923 wurde das Schlossmuseum als Zentrum der Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar eingerichtet. Seitdem wird das Gebäude überwiegend museal genutzt.

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Heute ist das Stadtschloss Teil des Ensembles „Klassisches Weimar“, das seit 1998 zum Unesco-Welterbe gehört. Insgesamt elf Orte in Weimar sind Teil dieses Welterbes. Dazu zählen neben dem Stadtschloss unter anderem Goethes und Schillers Wohnhäuser, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek und der Park an der Ilm. Das Ensemble steht für die kulturelle Blüte Weimars im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert – jene Zeit, in der die Stadt zu einem Zentrum des europäischen Geisteslebens wurde.

Das Weimarer Stadtschloss öffnet nach acht Jahren Sanierung wieder seine Türen. Zunächst ist der Ostflügel zugänglich.

Das Weimarer Stadtschloss öffnet nach acht Jahren Sanierung wieder seine Türen. Zunächst ist der Ostflügel zugänglich.

© Paul-Philipp Braun

Acht Jahre hinter Bauzäunen

Dann kamen die Bauzäune. Am 2. Juli 2018 wurde das Stadtschloss vollständig für Besucher geschlossen. Grund war eine umfassende denkmalgerechte Sanierung. Das Ziel: Das historische Gebäude sollte nicht nur restauriert, sondern zu einem multifunktionalen Ort für Ausstellungen, Veranstaltungen, Forschung und Vermittlung weiterentwickelt werden. Der Ostflügel und angrenzende Teile des Nordflügels wurden dafür seit 2018 grundlegend saniert.

Warum das länger dauerte als ursprünglich geplant, zeigt der Blick unter die Oberfläche. Bei den Arbeiten wurden unter anderem Schäden durch den Echten Hausschwamm, einen holzzerstörenden Pilz, entdeckt. Betroffene historische Bauteile mussten ausgebaut, behandelt oder vollständig ersetzt werden. Gleichzeitig galt es, möglichst viel originale Substanz zu erhalten. Bei Wand- und Deckenmalereien entschieden sich die Restauratoren teilweise bewusst dafür, verschiedene historische Farbschichten zu bewahren, statt einen vermeintlich ursprünglichen Zustand wiederherzustellen.

Das Schloss als eigener Erzähler

Jetzt ist zumindest ein erster großer Abschnitt geschafft. Über das restaurierte Gentzsche Treppenhaus gelangen Besucher in die Beletage im ersten Obergeschoss. Dort sind historische Wandmalereien, Möbel und Gemälde zu sehen. Herzstück ist die neue Dauerausstellung „Weimarer Klassik“. Sie stellt nicht nur Goethe, Schiller und die anderen bekannten Protagonisten ins Schaufenster, sondern fragt, welche Rolle das Schloss als Residenz und Machtzentrum bei der Entstehung, Förderung und späteren Erinnerung an die Weimarer Klassik spielte – und wie dieses kulturelle Erbe politisch genutzt wurde.

Damit wird das Schloss selbst zum wichtigsten Exponat. Eine weitere Ausstellung zur „Schlossgeschichte“ macht im neu gestalteten Foyer die verschiedenen Schichten des Gebäudes sichtbar – von archäologischen Funden und dem Renaissance-Hofleben bis zu einem Luftschutzbunker und einem Schlossmodell. Der Zugang zu diesem Bereich ist kostenlos.

Ganz fertig ist das Stadtschloss damit allerdings nicht. Die Wiedereröffnung im Oktober ist ein Etappenziel. Der zweite Bauabschnitt soll weitere Ausstellungsflächen, Besucherbereiche sowie Räume für Forschung, kulturelle Bildung und Veranstaltungen schaffen. Die Gesamtmaßnahme soll nach Angaben der Klassik Stiftung Weimar bis 2032 dauern. Finanziert wird das Bauvorhaben gemeinsam vom Bund und dem Freistaat Thüringen.

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