Wahlkampf

„Wir wollen keine Nazis“: Neuköllner AfD-Abgeordneter eröffnet neues Bürgerbüro

AfD-Abgeordneter Robert Eschricht eröffnet das erste dauerhafte Parteibüro in Neukölln. Dagegen protestieren rund 200 Menschen. Eschricht will bleiben.

3 Min
AfD-Abgeordnete Robert Eschricht am Tag der Eröffnung seines Büro in Neukölln - weniger Meter weiter skandieren Demonstranten gegen ihn und die AfD.

AfD-Abgeordnete Robert Eschricht am Tag der Eröffnung seines Büro in Neukölln - weniger Meter weiter skandieren Demonstranten gegen ihn und die AfD.

© Jana Hermann/Berliner Zeitung

Der Berliner AfD-Abgeordnete Robert Eschricht hat am Samstag ein neues Bürgerbüro in der Gropiusstadt in Süd-Neukölln eröffnet. Nach eigenen Angaben handelt es sich um das erste dauerhafte Abgeordnetenbüro der Partei im Bezirk Neukölln. Begleitet wurde die Eröffnung des Büros von einer Gegenkundgebung.

Rund 200 Teilnehmer auf der Demo gegen das Neuköllner AfD-Büro

Rund 200 Teilnehmer auf der Demo gegen das Neuköllner AfD-Büro

© Jana Hermann/Berliner Zeitung

Das Bündnis Neukölln hatte am selben Tag für 13 Uhr zum Protest vor dem Gebäude aufgerufen. Nach Schätzungen der Polizei beteiligten sich rund 150 bis 200 Menschen. Vor Ort waren unter anderem Vertreter von SPD, Grünen und Linken sowie die Omas gegen Rechts. Einige der Anwesenden hielten Reden; alle skandierten Paroli wie etwa „wir wollen keine Nazis“.

Aufmerksam auf das neue AfD-Büro gemacht hatte zuvor der Friseursalon CottonHair, der sich an derselben Adresse befindet und denselben Vermieter, Gropiuswohnen, hat. Die Inhaberin des Salons informierte in den sozialen Netzerken über die geplante Eröffnung und rief zum Protest auf. Das Bündnis Neukölln griff den Aufruf auf und mobilisierte für eine Gegenkundgebung.

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Parteien kritisieren das AfD-Büro

Der Neuköllner SPD-Abgeordnete Marcel Hopp sprach von einem „Novum“ für den Bezirk. Mit dem Büro erhalte die AfD erstmals einen dauerhaften Anlaufpunkt. „Das heißt, die werden sich festsetzen, die Strukturen nutzen“, sagte Hopp. Der Protest müsse deshalb über den Tag hinaus fortgesetzt werden. „Wir müssen zusammenbleiben und wir müssen einen langen Atem haben.“

Auch der CDU-Politiker Christopher Förster war vor Ort – allerdings nicht als Teilnehmer der Kundgebung. Er verfolgte das Geschehen von der gegenüberliegenden Straßenseite. Obwohl Redner wie Hopp ihn zu den anwesenden Unterstützern zählten, sagte Förster der Berliner Zeitung, er sei lediglich als Beobachter gekommen. „Ich schaue mir das an, ich höre zu.“ Abstand zur Kundgebung hielt er nach eigenen Angaben auch deshalb, weil er nicht mit der „Antifa“ oder mit „Antisemiten“ abgelichtet werden wolle.

SPD-Politiker Marcel Hopp spricht gegen das AfD-Büro an

SPD-Politiker Marcel Hopp spricht gegen das AfD-Büro an

© Jana Hermann/Berliner Zeitung

Abgeordneter bleibt entspannt

Eschricht zeigte sich vom Umfang des Protests überrascht. Mit einer Demonstration dieser Größe habe er nicht gerechnet. Auswirkungen auf die Zukunft des Büros erwartet er zunächst nicht. „Wir werden auf jeden Fall standhaft bleiben,“ sagte der AfD-Politiker der Berliner Zeitung. In der Gegend habe seine Partei viele Wähler; Eschricht sprach von „25 Prozent plus X“.

Kritik übte er insbesondere an der SPD. Er sei überrascht, „wie stark die SPD zum Boykott aufruft“ und dass öffentlich benannt werde, wer die Räume an die AfD vermietet habe. Nach Darstellung Eschrichts hält Gropiuswohnen bislang an der Vermietung fest.

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