Genau zwei Wochen nach dem Wirbelsturm im Elbsandsteingebirge schlägt das touristische Herz der Region wieder im gewohnten Takt. Der Kurort Rathen ist wieder gut besucht. Die Forstarbeiter des Sachsenforstes beräumen unentwegt Wanderwege, reparieren Hinweisschilder, Stufen und Geländer.
„Die wichtigsten Wanderwege zur Bastei und den Touristenattraktionen sind wieder begehbar. Am Gesamtwegenetz gemessen, sind drei Viertel aller Wanderwege wieder geöffnet“, sagt Nationalparksprecher Hanspeter Mayr dieser Zeitung.
Los ging es letzte Woche schon mit der Wiedereröffnung des Basteiwegs, der dann auch weiter auf die Basteibrücke führt. Auf dem Wanderweg ist am 31. Juli ein Mann tödlich verunglückt. Er war mit drei Freunden wandern und wurde während des plötzlich aufkommenden Sturms von einem Baum erschlagen. Seine Wanderfreunde kamen mit leichten Verletzungen davon.
Waldarbeiter schnitten viele Wege wieder frei.
© Hanspeter Mayr/Nationalparkverwaltung
Jugend half beim Aufräumen
Heute wurden die sogenannten „Schwedenlöcher“ wieder für Wanderer freigegeben. Der malerische, aber steile Weg von Rathen auf die Bastei war ebenfalls die letzten zwei Wochen wegen Baumbrüchen gesperrt gewesen. Die Schwedenlöcher bekamen ihren Namen im Dreißigjährigen Krieges (1618–1648), als sich Dorfbewohner mit ihrem Hab und Gut in den schwer zugänglichen Felsschluchten und Höhlen vor den schwedischen Truppen versteckten.
Bei den Aufräumarbeiten halfen auch sechs Jugendliche der Integrationsgesellschaft Sachsen. Sie räumten freiwillig die über 700 Stufen des Wanderwegs durch die Schwedenlöcher auf, beseitigten lose Äste und Laub und verfüllten Erosionsrinnen. Eine lokale Baufirma reparierte die vielen Stufen.
Der Wanderweg über die Schwedenlöcher ist wieder frei, das Warn-Banner wurde abmontiert.
© Marko Förster
28 Forstwirte und vier Ranger der Nationalpark- und Forstverwaltung sind derzeit in dem vom Sturm geschädigten Waldgebiet rund um Rathen im Einsatz. Revierförster Frank Wagner erklärt: „Viele Verhaue aus übereinandergeworfenen Bäumen mussten mit Motorsäge und Unterstützung durch Forstschlepper aufgelöst werden, denn Forstmaschinen konnten beispielsweise auf schmalen Wanderwegen wie den Schwedenlöchern nicht eingesetzt werden. Die Steilheit des Geländes und die hohen Temperaturen bleiben herausfordernd. An manchen Stellen zeugen noch Schäden von der Wucht des Sturms.“
Die Aufräumarbeiten dauern weiter an. „Hohe Priorität hatte für uns die schnelle und sichere Wiedereröffnung wichtiger Wanderwege mitten in der Wandersaison“, so Wagner.
Die idyllisch gelegene Rathewalder Mühle ist auf dem Wanderweg wieder erreichbar.
© IMAGO/Joko
Diese Wege sind auch wieder begehbar
- Gansweg, Amselgrund ab dem Abzweig Schwedenlöcher zur Rathewalder Mühle
- Amselgrund zum Polenztal bis Waltersdorfer Mühle
- Der Gamrig, zugänglich aus Richtung Waltersdorf.
- Der Malerweg wird über die Schwedenlöcher umgeleitet.
Damit lassen sich mehrere Rundtouren wieder planen, ohne in das eigentliche Sperrgebiet zu geraten.
Amselsee bleibt problematisch
Ein Ausflugsziel bleibt vorerst geschlossen: der Amselsee. Auch der Amselgrund von Rathen bis zum Abzweig Schwedenlöcher ist weiter gesperrt. Hier hatte der Sturm besonders schwer gewütet und eine 2 Kilometer lange Schneise in den Wald geschnitten.
Der Imbiss und Bootsverleih am Amselsee wurde unter schweren Bäumen begraben. Betreiberin Verena Leister erklärte gegenüber der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung, sie werde den Betrieb in dieser Saison definitiv nicht mehr aufnehmen können.
Laut Nationalparkverwaltung wurde mit der Beräumung des Sees begonnen: „Alle Bäume, die der Kran mit dem 10 Meter langen Greifarm fassen konnte, haben wir versucht, aus dem Wasser zu holen“, so Nationalparksprecher Mayr.
Ab Anfang September sollen das Totholz in schwer zugänglichen Bereichen am See und um die Felsenbühne durch Spezial-Hubschrauber einer österreichischen Firma ausgeflogen werden.
Auch die Felsenbühne Rathen spielt derzeit in Ausweich-Theatern in Dresden und Meißen. Felsenbühne-Gastronom Andreas Koreng kann nur auf Spenden hoffen, die ihn vor der Insolvenz retten.
Forstarbeiter erkunden das Schadensgebiet am Amselsee in Rathen.
© Daniel Förster
Hier ist noch gesperrt
Zusätzlich gesperrt sind die Parkplätze am Ziegenrücken (Füllhölzelweg und Knotenweg), die für die Beräumung gebraucht werden. Auch Pionierweg, Knotenweg und Füllhölzelweg sind für Besucher tabu.
Dort konnten die Waldarbeiter die Wege zwar wieder beräumen, doch sie werden jetzt vor allem zum Abtransport der entwurzelten und abgebrochenen Bäume benötigt.
Wanderern, die die beliebte „Basteirunde“ laufen möchten, werden zwei Ausweichvarianten empfohlen: Bastei – Gansweg – Schwedenlöcher – Amselgrund – Rathewalder Mühle – Rathewalder Fußweg – zurück zur Bastei. Oder über den Basteiweg nach Rathen – entlang der Elbe nach Stadt Wehlen – Schwarzberggrund – Schanzenweg – Steinerner Tisch – und wieder zur Bastei.
Elbpegel macht in Rathen keine Probleme
Während die Elbfähren des RVSOE und die Weiße Flotte ihre Dampfschifffahrten aus Dresden ins Elbsandsteingebirge wegen zu niedrigem Pegel einstellen müssen, kann der Rathener Fährmann melden: genügend Wasser unterm Kiel.
„Denn wir haben eine ganz besondere Fähre mit zwei Schwimmkörpern, die bis zu 35 Zentimeter Elbpegel verkehren kann“, erklärt Rathens Bürgermeister Roman Rolof dieser Zeitung. Zudem braucht sie keinen Motor, sie wird über ein Gierseil mithilfe der Strömung von einem zum anderen Elbufer gezogen.
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Die Anreise vom Bahnhof auf der linkselbischen Seite zum Zentrum von Rathen mit Bastei und Sehenswürdigkeiten (rechtselbisch) ist also problemlos möglich.
Tagestouristen, die mit der S-Bahn in Bad Schandau und Wehlen ankommen, müssen ihre Reise hingegen gut planen. Die Fährstellen in beiden Orten sind wegen des Niedrigwassers bis auf Widerruf außer Betrieb.
Wanderer machten sofort wieder von den neu geöffneten Wegen Gebrauch.
© Marko Förster
Uwe Borrmeister, der Leiter der Nationalpark- und Forstverwaltung Sächsische Schweiz: „Wir sind froh, diese wichtigen Wanderwege im Gebiet des Kurorts Rathen und von Hohnstein mit dem Polenztal, die bei vielen Tausend Menschen so beliebt sind, so schnell nach dem Unwetter wieder freigeben zu können. Gleichzeitig treiben wir in Zusammenarbeit mit den Gemeinden die Aufräumarbeiten im Bereich der Felsenbühne und im gesamten betroffenen Gebiet weiter voran. Deshalb muss für den Wanderbetrieb und die Rathener Einwohner noch für viele Wochen mit Einschränkungen gerechnet werden.“
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