Wohnungssituation

Wohnungsnot treibt westdeutsche Studenten in den Osten

Weil immer mehr Studenten vom unbezahlbar gewordenen Westen in den Osten ausweichen, werden auch hier die Unterkünfte knapp. Auf einen Platz kommen vier Bewerber.

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Die Nachfrage ist groß, doch die Plätze in den Studentenwohnheimen sind knapp.

Die Nachfrage ist groß, doch die Plätze in den Studentenwohnheimen sind knapp.

© Patrick Pleul

Zum bevorstehenden Wintersemester spitzt sich die Lage auf dem studentischen Wohnungsmarkt drastisch zu. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise gibt es bis zu vier Bewerber für ein Bett in den Universitätsstädten.

Konkret trafen zum Semesterstart bei dem Studierendenwerk Rostock-Wismar rund 1.600 Anfragen ein für 477 frei gewordene Zimmer. Das entspricht einer Quote von knapp 3,4 Bewerbern pro Raum. Alle vorhandenen Plätze sind ausgebucht. Noch dramatischer sieht es in Greifswald aus: Das dortige Studentenwerk registrierte 952 Bewerbungen für magere 142 freie Zimmer. Ähnliche Engpässe melden auch kleinere Standorte des Bundeslandes wie Stralsund (215 Bewerber auf 68 Zimmer) und Neubrandenburg (170 Bewerber auf 100 Zimmer).

Trotz jüngst geschaffener Kapazitäten und geplanter Neubau- und Sanierungsprojekte bis 2029 fordern die Geschäftsführer der Studentenwerke vehement eine finanzielle Aufstockung durch die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns, da der Erhalt des Altbestands akut gefährdet sei. Das Wissenschaftsministerium in Schwerin erhöhte zwar das Budget für die Studentenunterkünfte im Doppelhaushalt, betont jedoch, dass auch die Kommunen mehr bezahlbaren Wohnraum bereitstellen müssen.

Das Phänomen beschränkt sich nicht auf Mecklenburg-Vorpommern. Die traditionell großen sächsischen Universitätsstädte verzeichnen einen massiven Überhang. In Dresden gibt es rund 5500 Wohnheimplätze. Sie sind alle ausgebucht und mehr als 1000 Anfragen wurden abgelehnt. Das Studentenwerk Leipzig meldet für seine 5200 Plätze ebenfalls eine vollständige Auslastung und lange Wartelisten. Viele Studenten müssten notgedrungen auf teurere private WGs oder das Umland ausweichen.

In Magdeburg liegt die durchschnittliche Wartezeit auf ein Zimmer im Studentenwerk mittlerweile bei über einem Jahr. Die Wohnheime arbeiten mit einer Auslastung von rund 97 Prozent. Gleiches melden die Studentenwerke aus Thüringen und Brandenburg.

Nach Daten des Deutschen Studierendenwerks (DSW) kostet ein Wohnheimplatz im Bundesdurchschnitt rund 330 Euro im Monat warm inklusive aller Nebenkosten. Demgegenüber stehen durchschnittliche Kosten von über 500 Euro für ein einfaches WG-Zimmer auf dem freien Markt.

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Westdeutsche Studenten entdecken den Osten

Studenten, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, müssen laut Erhebungen des Statistischen Bundesamtes im Schnitt 54 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen aufwenden. In der Gesamtbevölkerung liegt dieser Wert bei nur 24 Prozent.

Doch der Immobilienmarkt gerät immer mehr unter Druck. Auch weil Normalverdiener zunehmend Probleme haben, bezahlbaren Wohnraum zu finden, konkurrieren Studenten auf dem freien Markt mit deutlich finanzstärkeren Gruppen um kleine Wohnungen. Das führt auch zu Ausweichbewegungen von west- in ostdeutsche Städte. Während westdeutsche Universitäten mit Sättigungseffekten und sinkenden Quoten bei inländischen Studienanfängern kämpfen, verzeichnen ostdeutsche Hochschulen stabile und sogar steigende Zahlen bei den Immatrikulationen.

Ostdeutsche Hochschulen locken in Summe deutlich mehr Erstsemester aus dem Westen an als umgekehrt. An vielen traditionsreichen Standorten wie der Universität Leipzig, der TU Dresden oder den Universitäten in Rostock und Greifswald stammt inzwischen jeder dritte bis teilweise jeder zweite Studienanfänger aus Westdeutschland. An kleineren, hochspezialisierten Standorten wie der TU Ilmenau (Thüringen) liegt die Quote der westdeutschen Erstsemester in einigen Fachbereichen sogar bei bis zu 60 Prozent. (mit dpa)

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