Birgit Homburger sprüht vor Energie. Wer der Baden-Württembergerin mit dem dunklen Lockenschopf begegnet, erfährt sofort von ihren neuesten Plänen, ihren Standpunkten und parlamentarischen Aktivitäten. Doch am vergangenen Wochenende blieb die redefreudige Abgeordnete aus Konstanz ungewohnt wortkarg. Auf Fragen, ob sie den Vorsitz der FDP-Bundestagsfraktion von Guido Westerwelle, dem künftigen Außenminister, übernehmen werde, antwortete sie nur kurz und knapp: "Mal sehen." Doch die Zeit der Zurückhaltung ist für Homburger, 44, nun vorbei. Gestern wurde sie zur Fraktionsvorsitzenden gewählt, mit 93 Prozent der Stimmen. Das ist ein beachtliches Ergebnis und für die männerdominierte FDP ein Novum. Erstmals steht nun eine Frau an der Spitze der liberalen Bundestagsfraktion.Doch Vorreiterin war die resolute Politikerin, die seit 19 Jahren dem Bundestag angehört, bereits des Öfteren: Schon 1990 führte sie als erste Frau die FDP-Nachwuchsorganisation Junge Liberale an und seit 2004 - ebenfalls als erste Frau - den Landesverband Baden-Württemberg, das Stammland der Liberalen. Damit stieg Homburger zur mächtigsten "Landesfürstin" bei der FDP auf und baute ihre Position noch aus. Bei der Bundestagswahl fuhren die baden-württembergischen Liberalen mit 18,8 Prozent das bundesweit beste Wahlergebnis für die FDP ein. Dieser Erfolg hat ihr nun zu einem Spitzenamt in der Bundespartei verholfen.Homburger gilt als durchsetzungsstark, als jemand, der straff organisiert und die Zügel in der Hand behält. Eigenschaften, die Parteichef Guido Westerwelle bei einer auf 93 Abgeordnete angewachsenen Fraktion zu schätzen weiß. Schließlich muss Homburger dem künftigen Vizekanzler den Rücken freihalten. Gleichwohl zählt Homburger nicht wie ihr baden-württembergischer Kollege Dirk Niebel, der Entwicklungshilfeminister wird, zu den engen Vertrauten Westerwelles. Das wiederum weiß die Fraktion zu schätzen, schließlich legt sie auf Eigenständigkeit durchaus Wert.An Hartnäckigkeit mangelt es der Liberalen jedenfalls nicht. Als umweltpolitische Sprecherin bot sie dem damaligen grünen Minister Jürgen Trittin Paroli. Homburger, deren Familie einen Schreinerei führt und die mit einem Zahnarzt verheiratet ist, kümmerte sich zuletzt um Verteidigungspolitik. Nun hat die quirlige Politikerin ein neues Amt, von dem sie selbst sagt: "Das ist mein Traumjob."------------------------------Foto: Birgit Homburger, neue Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag
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