Am vergangenen Dienstag teilte der Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt mit, dass in etlichen Wahllokalen Nachzählungen zur Landtagswahl nötig seien. Kurze Zeit später stimmten auch die Börde, Dessau-Roßlau, der Altmarkkreis Salzwedel, Stendal und der Landkreis Wittenberg in den Nachzählmarathon mit ein. Bei Letzterem hatten offensichtlich zwei Briefwahlbezirke in Gräfenhainichen exakt gleich gewählt – im Internet lagen die Nerven blank.
Die Landtagswahl spülte in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus unzählige Emotionen an die Oberfläche. Als im Nachgang zwei Briefwahlbezirke in Gräfenhainichen identische Wahlergebnisse präsentierten, sahen sich die Skeptiker bestätigt: Hier läuft irgendetwas schief. Doch eine erneute Prüfung durch den betroffenen Landkreis Wittenberg klärte den Sachverhalt nun auf.
Exakt gleiche Stimmen in zwei Briefwahlbezirken
„In der zunächst veröffentlichten Ergebnisdarstellung war für beide Briefwahlbezirke versehentlich dasselbe Ergebnis eingetragen worden“, teilte Kreiswahlleiter und gleichzeitig Landrat Christian Tylsch mit. Die tatsächlich ausgezählten Stimmen seien jedoch korrekt in den jeweiligen Wahlniederschriften dokumentiert und auch vom Wahlvorstand richtig an die Wahlbeauftragte der Stadt Gräfenhainichen übermittelt worden. Grund für die Ungereimtheit sei ein Übertragungsfehler gewesen, der einen Tag nach der Wahl durch das Kreiswahlbüro festgestellt wurde.
„Eine solche Eingabe kann nach Abschluss der vorläufigen Ergebnisübermittlung nicht einfach nachträglich in der Wahlsoftware verändert werden“, so Tylsch weiter. Damit solle sichergestellt werden, dass bereits übermittelte Wahlergebnisse nicht ohne nachvollziehbares und gesetzlich vorgesehenes Verfahren geändert werden könnten. „Die Korrektur erfolgt deshalb im Rahmen der offiziellen Prüfung durch den Kreiswahlausschuss. Grundlage sind dabei die originalen Wahlniederschriften der Wahlvorstände.“ Der Kreiswahlausschuss beschließe anschließend über das bereinigte und endgültige Wahlergebnis.
Nachzählung bei weiteren 15 Wahlkreisen
Nach diesem Beschluss werde auch die Ergebnisdarstellung auf der Internetseite entsprechend korrigiert und das bisherige vorläufige Ergebnis durch das endgültige Wahlergebnis ersetzt. Vor Beschluss des Wahlausschusses sei das nicht möglich. Darüber hinaus kam es im Landkreis Wittenberg noch zu weiteren Vorfällen, die eine Nachzählung nötig machten. So hatte am Wahlabend ein Beobachter bemängelt, dass der Abstand zwischen ihm und dem Wahlvorstand zu groß sei. Der Einwand wurde zwar aufgenommen, für eine Neuauszählung sah der Landkreis jedoch keinen Anlass. Anders als im Wahlkreis 25 – Jessen.
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Von insgesamt 81 Wahlbezirken sei dort in 15 die „vorgeschriebene Summenbildung bei den zu bildenden Zählstapeln nicht ordnungsgemäß in den Niederschriften dokumentiert“ worden. Aus diesem Grund wurde in diesen Wahlbezirken eine Neuauszählung veranlasst. Ein endgültiges Ergebnis werde erst nach Tagung des Kreiswahlausschusses festgestellt.
Dessau-Roßlau und die Börde zählen nach
Sich dem Nachzählen angeschlossen haben sich auch Dessau-Roßlau und der Landkreis Börde. In der Börde seien die eingereichten Wahlniederschriften im Wahlkreis 9 nicht ordnungsgemäß ausgefüllt gewesen. Aus diesem Grund hatte der Kreiswahlleiter Marcus Waselewski eine erneute Auszählung veranlasst. Wie nun die Pressesprecherin Anne-Luise Schröder der OAZ mitteilt, sind diese jetzt abgeschlossen. Eine auffällige Abweichung zum Wahlergebnis habe es demnach nicht gegeben. Bekannt gemacht werde das jedoch erst nach dem Landeswahlausschuss, der am 22. September tage.
In Dessau-Roßlau ist der Briefwahlbezirk 992 im Wahlkreis 27 betroffen. Das teilte die Kreiswahlleiterin Jennifer Hankel mit. Grund dafür seien laut Pressestelle einige wenige Stimmenzettel. „Die Nachzählung ist nun abgeschlossen“, teilt Pressemitarbeiterin Betina Hötzel dieser Zeitung mit. „Das Erststimmenergebnis hat sich nicht verändert, das der Zweitstimme minimal.“ Demnach sei es letztendlich um fünf Stimmenzettel gegangen, die fälschlicherweise nicht gewertet worden waren. 500 Stimmen mussten hier neu ausgezählt werden, das Ergebnis blieb weitestgehend gleich.
Burgenland- und Altmarkkreis schließen Prüfung ab
Im Burgenlandkreis sowie im Altmarkkreis-Salzwedel sind die Überprüfungen mittlerweile abgeschlossen. Im Letzteren wurden insgesamt sieben Wahlbezirke im Wahlkreis 2 – Gardelegen-Klötze öffentlich nachgezählt. Grund hierfür war, dass in sieben Wahllokalen der Gemeinde Oebisfelde-Weferlingen die Tabellen zur Ergebnisfeststellung nicht plausibel ausgefüllt wurden, indem Zwischensummen nicht angegeben wurden, sondern nur die Gesamtsummen. Im Rahmen der Nachzählung seien jedoch keine gravierenden Mängel festgestellt worden.
Auch der Burgenlandkreis teilte jüngst mit, dass die vierte und letzte Nachzählung mittlerweile beendet wurde. Insgesamt seien mehr als 12.000 Stimmzettel in 35 Wahllokalen nachgezählt worden. Auch hier seien keine „gravierenden Mängel“ festgestellt worden. „Über geringfügige Abweichungen der Wahlergebnisse entscheidet am kommenden Montag, dem 14. September 2026, der Kreiswahlausschuss“, teilt der Landkreis mit.
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Gründe für die Nachzählungen seien unter anderem, dass die Schlüssigkeit der Niederschriften der Wahlvorstände nicht hergestellt werden konnte. Aus diesem Grund habe der Kreiswahlleiter Maik Wittke die Nachzählungen angeordnet. Auch in Stendal, konkret im Wahlbezirk Sandau, ist das bisherige Wahlergebnis bestätigt worden. Eine Änderung brachte die Prüfung laut Landkreis nicht hervor.
Wie geht es nach der Nachzählung weiter?
So werden nun alle Ergebnisse an den jeweiligen Kreiswahlausschuss weitergeleitet, der das endgültige Ergebnis prüft. Sobald alle Protokolle korrigiert und verifiziert sind, beschließt der Ausschuss das amtliche Endergebnis für den Wahlkreis.
Der Kreiswahlausschuss leitet das festgestellte Ergebnis sofort an die Landeswahlleiterin weiter und macht es öffentlich bekannt. Die gewählten Direktkandidaten werden unverzüglich benachrichtigt und müssen innerhalb einer gesetzlichen Frist erklären, ob sie das Mandat annehmen. Gleichzeitig fasst der Landeswahlausschuss alle Wahlkreisergebnisse zusammen, um das endgültige Gesamtergebnis und die finale Sitzverteilung des Landtags festzustellen.
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