Wie sagte mein Opa so schön: Wenn der Bäcker redet, haben die Brötchen Sendepause. In der Union hat dieser Leitspruch längst seine Klarheit verloren. Wenn Friedrich Merz als Bundeskanzler und Chef der Bundes-CDU etwas sagt, startet zumeist eine große Kakophonie. Das hat nicht zuletzt etwas mit Merz selbst zu tun, seine Aussagen sind nicht selten von der Schwammigkeit eines „Spongebob Schwammkopf“. Nicht nur von seinem Koalitionspartner SPD lässt sich der Sauerländer oft wie ein Ochse am Nasenring durch die Manege ziehen.
Und auch seine eigene Partei verweigert ihm die Unterstützung. Und wenn Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder ohne Not seine Landtagspräsidentin Ilse Aigner als potenzielle Bundespräsidentin ins Spiel bringt, ist der Kanzler - also der mit dem Vorschlagsrecht innerhalb der Union - wieder mal düpiert. Merz wirkt immer mehr, wie ein armes Würstchen. Und diese Feststellung trifft ausgerechnet einen Mann, der als Oppositionsführer in „Ampel-Zeiten“ seinem durchaus ebenfalls farblosen Vorgänger Olaf Scholz von der SPD eine gewisse „Wurstigkeit" attestierte.
Ost-CDU-Ministerpräsidenten „Seit an Seit“ mit Söder
Und jetzt auch noch das: Seine drei CDU-Ost-Ministerpräsidenten, zwei geschlagen mit Minderheitsregierungen und einer bereits abgewählt, blasen jetzt zum Zwergenaufstand. Michael Kretschmer (Sachsen), Mario Voigt (Thüringen) und Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) verweigerten ihm bereits in der Frage der Rentenreform und der Abschaffung der Rente mit 63 bei 45 Beitragsjahren öffentlich die Gefolgschaft. Nun stellen sie sich auch noch an die Seite Söders. Ihr Ja zum Ilse-Aigner-Vorschlag darf man getrost als ein Nein zu Merz deuten.
Hatte dieser doch selbst vor wenigen Tagen erst einmal nur festgelegt, dass nach 77 Jahren Männerwirtschaft im Amtssitz des Bundespräsidenten nun künftig eine Frau aus der politischen Mitte das Zepter schwingen sollte. Hessens CDU-Fraktionschefin Ines Claus gilt dabei als Merz-Favoritin, wie er wohl intern hat durchblicken lassen. Warum er sich für eine Kandidatin ohne jegliche bundesweite Strahlkraft erwärmen könnte, lässt nur den Schluss zu, dass nur eine noch farblosere Bundespräsidentin ihn als Kanzler ein wenig rosiger erscheinen lassen soll.
Kiesewetter über Merz: Politisches Fingerspitzengefühl bislang nicht gezeigt
Söders Plan mit Aigner: Er denkt schon an die Zeit nach Merz
Warum muss es eigentlich eine Politikerin sein?
Dabei stellt sich eigentlich eine andere Frage: Warum muss es eine Parteipolitikerin sein, die das höchste, wenn auch eher repräsentative, Staatsamt Deutschlands ausüben soll? Es gibt genügend Frauen in unserem Land, die geeignet wären, Deutschland mehr Glanz, die notwendige Aufbruchstimmung und mehr innere Einheit zu geben.
Ich denke da beispielsweise an Allianz-Vorständin Renate Wegner, die als Wirtschaftsexpertin gilt. Oder an die einstige Paralympics-Siegerin Verena Bentele, die heute als Präsidentin des VdK-Verbandes agiert. Oder an Juli Zeh. Die gebürtige Bonnerin lebt seit Jahren in Brandenburg, ist Juristin und eine bekannte Autorin, die ebenfalls einen Blick über den politischen Tellerrand einbringen könnte.
Es gibt somit gute Gründe für eine politikferne Damen-Wahl!
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]