Niendorf

Wal-Drama in der Ostsee: Rettungseinsatz für gestrandeten Buckelwal läuft

Ein Buckelwal ist am Strand bei Niendorf gestrandet. Experten und Helfer arbeiten unter Hochdruck, um das Tier zurück ins Meer zu bringen.

OAZ
4 Min
Dieses Foto zeigt den gesrandeten Buckelwal.

Dieses Foto zeigt den gesrandeten Buckelwal.

© NEWS5

In der Nacht zum Montag ist am Timmendorfer Strand im Ortsteil Niendorf ein Buckelwal gestrandet. Das Tier, das seit Wochen immer wieder in der Lübecker Bucht und Flensburger Förde gesichtet wurde, liegt auf einer Sandbank am Ostseestrand und lebt noch. Passanten entdeckten den Wal gegen 2 Uhr morgens und informierten die Polizei, die umgehend Maßnahmen einleitete.

Einsatzkräfte der Polizei und Wasserschutzpolizei arbeiten mit Hochdruck daran, den Wal zurück ins Wasser zu bringen. „Wir versuchen alles, um das Tier zu retten,“ erklärte Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach. Unterstützung erhalten die Einsatzkräfte von Experten des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) sowie von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd. Beide Organisationen sind bereits auf dem Weg nach Niendorf, um die Einsatzkräfte zu unterstützen.

Die Öffentlichkeit soll sich dem Wal nicht nähern.

Die Öffentlichkeit soll sich dem Wal nicht nähern.

© NEWS5

Um den Stress für das Tier zu minimieren, hat die Polizei den Strandbereich abgesperrt und appelliert an die Öffentlichkeit, sich dem Wal nicht zu nähern. Drohnenflüge und andere Störungen sollen vermieden werden, um das Tier nicht weiter zu belasten. Die Identität des Wals ist nicht sicher bestätigt. Experten vermuten jedoch, dass es sich um dasselbe Tier handelt, das bereits seit Wochen für Schlagzeilen sorgt. Erstmals tauchte der Meeressäuger Anfang März im Hafen von Wismar auf, nachdem es sich in Fischernetzen verfangen hatte. Damals gelang es den Einsatzkräften, den Wal weitgehend von der lebensbedrohlichen Schnürung zu befreien.

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Am vergangenen Freitag sei derselbe Wal vor Travemünde von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd von weiteren Netzresten befreit worden. Die Deutsche Meeresstiftung und Sea Shepherd sind sich einig, dass es sich vermutlich um denselben Wal handelt, der jetzt erneut in Schwierigkeiten geraten ist.

Später erklärte Sven Biertümpfel von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd, man sei sich ziemlich sicher, dass es ein Buckelwal sei, weil man das aus der Nähe betrachten konnte. Vermutlich handele es sich um einen jungen Walbullen, da die männlichen Tiere im Gegensatz zu den Kühen auf „Wanderschaft“ sind.

Zudem sei man sich sicher, dass es sich bei dem Tier um denselben Wal handelt, der seit März im Wismarer Hafen in Mecklenburg-Vorpommern gesehen wurde. „Wir sind uns ganz sicher, dass es sich um denselben Wal handelt, weil Drohnenaufnahmen Teile des Netzes zeigen, in dem er sich vor Wismar verfangen hatte“, sagte der Sprecher.

Rettung gestaltet sich als schwierig

Experten des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) begutachteten das in der Ostsee treibende Tier am Mittag vom Strand aus. Ergebnisse lagen zunächst nicht vor. Die Meeresschutzorganisation wolle bei einer möglichen Rettung unterstützen – zum Beispiel mit Schlauchbooten, sagte Biertümpfel.

„Im Moment kann man wenig tun.“ Der Wal komme aus eigener Kraft nicht mehr los und liege auf einer Sandbank fest. Die Rettung sei auch eine Abwägungssache: „Wenn wir ihn so liegen lassen würden, würde er vermutlich nicht aus eigener Kraft loskommen. Das wäre das Todesurteil für das Tier.“

Werde ihm hingegen geholfen, könne es sein, dass der Meeressäuger dabei so gestresst wird, „dass er sich ein paar 100 Meter weiter wieder an den Strand wirft oder vielleicht so geschwächt ist, dass er dann verendet“, so der Sea-Shepherd-Sprecher.

Bisherige Rettungsversuche scheiterten

Auch viele Stunden nach der Strandung kämpft der Wal weiter um sein Leben und versucht, sich zu bewegen. Dabei stößt er immer wieder ein tiefes Brummen aus. Experten gehen davon aus, dass die Laute bedeuten, dass „er gestresst ist, sich unwohl fühlt und auch warnt, dass man sich nicht nähern soll.“

Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) erklärte: „Die Haut des Buckelwals sieht nicht sehr gut aus, es ist ein Tier, das wohl eine Erkrankung hat.“ Die Expertin geht davon aus, dass der Wal nicht überleben wird. „Der Wal hat im Kopfbereich und im Flügelbereich Bewegungsfreiheit. Er scheint aber mit Brust oder Bauch aufzuliegen“, erklärte Groß weiter. Das Problem sei, dass der Bereich vor dem gestrandeten Wal noch flacher sei. Er müsse irgendwie wieder zurück in die tiefere Fahrrinne gelangen.

Am Abend versuchten Einsatzkräfte der Feuerwehr und Experten, den Wal mithilfe eines Schlauchbootes beim Drehen zu unterstützen. Der Wal drehte sich bei der Aktion auch, hing dann allerdings anschließend fest. Später versuchten die Helfer mehrfach, mit Schiffen Wellen zu erzeugen, die dem Wal Auftrieb verleihen sollten. Doch auch diese beiden Versuche scheiterten.

Gegen 19 Uhr soll es einen neuen, für heute letzten Versuch geben, den Wal zu befreien. Die größte Hoffnung besteht jedoch im Hochwasser gegen Mitternacht. Sollte auch dies nicht helfen, ist die Lage wohl aussichtslos.

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