Konjunktur

IHK Südthüringen: Nahost-Krieg verschärft die Lage – Energiepreise größtes Risiko

Die Südthüringer Wirtschaft rutscht tiefer in die Rezession. Eine aktuelle Konjunkturumfrage zeigt, dass sich die Rezession weiter verfestigt.

OAZ
3 Min
Laut Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen, bringe der Krieg im Nahen Osten etliche Unternehmen zusätzlich in Bedrängnis.

Laut Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen, bringe der Krieg im Nahen Osten etliche Unternehmen zusätzlich in Bedrängnis.

© ari/IMAGO

Die wirtschaftliche Lage in Südthüringen hat sich im Frühsommer 2026 weiter verschlechtert. Nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen belasten vor allem der Krieg im Nahen Osten und stark gestiegene Energiepreise die Unternehmen.

Der Konjunkturklimaindikator der IHK Südthüringen erreicht nach Angaben der Kammer aktuell 63,5 von 200 möglichen Punkten und liegt damit sieben Punkte unter dem Wert zu Jahresbeginn 2026. Werte unter 100 Punkten gelten als Zeichen einer rezessiven Entwicklung. 44 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als schlecht, nur 16 Prozent als gut. Für die kommenden Monate rechnen 51 Prozent mit einer weiteren Verschlechterung.

Seit Beginn des Nahost-Krieges sind die Großhandelspreise für Erdgas in Deutschland laut IHK um 45 Prozent gestiegen. 68 Prozent der Unternehmen sehen die Energiepreise als größtes Risiko, gefolgt von der Inlandsnachfrage und den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit jeweils 61 Prozent.

Dritte Energiekrise des Jahrzehnts

IHK-Hauptgeschäftsführer Ralf Pieterwas erklärte, der Krieg im Nahen Osten führe zur dritten Energiekrise dieses Jahrzehnts und bringe etliche Unternehmen zusätzlich in Bedrängnis. Das Agieren der Bundesregierung sei bislang nicht von strukturellen Entlastungen geprägt gewesen. Kurzfristig könnten nach seinen Worten eine Reduktion der Energiesteuer auf das EU-Mindestmaß sowie eine Aussetzung der CO₂-Bepreisung zur Entlastung beitragen. Hierdurch ließen sich zum einen sofort die Energiepreise senken und zum anderen die Standortbedingungen zur Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit wesentlich verbessern.

„Insgesamt braucht es seitens der EU und der Bundesregierung eine ambitionierte Kurskorrektur. Selbst das deutsche Ziel, bereits bis 2045 klimaneutral zu werden und damit fünf Jahre früher als die Europäische Union, wird inzwischen auch seitens der EU-Kommission kritisch bewertet. Die Bundesregierung belastet die deutsche Wirtschaft dadurch zusätzlich. Viele Unternehmen stellen inzwischen die Wirtschaftsfreundlichkeit der Bundesregierung infrage“, sagte Pieterwas.

Nur noch 47 Prozent der Betriebe bewerten ihre finanzielle Situation als unproblematisch – vor einem Jahr waren es 13 Prozentpunkte mehr. 35 Prozent berichten von einem Rückgang des Eigenkapitals, 25 Prozent von Liquiditätsengpässen. Im Gast- und Verkehrsgewerbe befürchtet jeweils ein Fünftel der Unternehmen den finanziellen Zusammenbruch.

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Verkehrsgewerbe leidet massiv

27 Prozent der Unternehmen wollen ihre Mitarbeiterzahl bis Jahresende reduzieren, nur sieben Prozent rechnen mit einem Beschäftigungsaufbau. Besonders schwach entwickelt sich laut IHK das Verkehrsgewerbe mit einem Konjunkturklimaindikator von 16,6 Punkten – dem niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Die Branche leidet massiv unter den gestiegenen Kraftstoffpreisen.

Die monatlichen Mehrkosten betragen pro Lkw rund 2.500 Euro und pro Taxi etwa 250 Euro. Da die Kostensteigerungen nur zeitverzögert an Kunden weitergegeben werden können, müssen die Unternehmen die Belastungen zunächst selbst tragen. Auch der Handel hat sich mit 38,7 Punkten deutlich verschlechtert. Vergleichsweise stabil zeigt sich hingegen der Maschinenbau, der von Auslandsaufträgen profitiert.

Für die Konjunkturumfrage befragte die IHK vom 13. April bis 10. Mai 2026 insgesamt 908 Unternehmen in Südthüringen. Die Rücklaufquote lag bei 35,5 Prozent.

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