Iran-Krieg

Bericht: USA nutzen iranische Schmuggelmethode für Ölexporte aus dem Golf

Einem Medienbericht zufolge organisiert das US-Militär seit Wochen verdeckte Öltransporte vor der Straße von Hormus. Beteiligt sein sollen mehr als 90 Schiffe.

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Schiffe in der Straße von Hormus

Schiffe in der Straße von Hormus

© kyodo/dpa

Die USA setzen nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters auf ein ungewöhnliches System, um trotz der Blockade der Straße von Hormus den Export von Öl aus den Golfstaaten aufrechtzuerhalten. Dabei kommen offenbar Methoden zum Einsatz, die bislang vor allem mit iranischen Sanktionsumgehungen in Verbindung gebracht wurden.

Reuters berichtet unter Berufung auf elf mit der Operation vertraute Personen, dass das US-Militär seit Anfang Mai verdeckte Umladungen von Öl zwischen Schiffen organisiert. Die Transfers finden demnach an zwei Standorten im Golf von Oman statt: vor der Küste des Emirats Fudschaira sowie nahe dem omanischen Hafen Sohar.

Nach Auswertung von Satellitenbildern und Schifffahrtsdaten waren mindestens 92 Schiffe an den Operationen beteiligt. Allein am 11. Juni seien an beiden Standorten gleichzeitig 17 Schiffspaare bei Umladungen beobachtet worden. Reuters zufolge könnten seit Anfang Mai auf diesem Weg mehr als 90 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte transportiert worden sein.

Verdeckte Fahrten mit ausgeschalteten Transpondern

Nach Angaben mehrerer Quellen werden die beteiligten Tanker vor der Passage der Straße von Hormus zu Sammelpunkten geführt. Die Schiffe fahren anschließend zeitversetzt und mit mehreren Kilometern Abstand durch die Meerenge. Dabei sollen Transponder abgeschaltet und die Beleuchtung reduziert werden. Nach der Durchfahrt legen die kleineren Tanker neben deutlich größere Supertanker an. Dort wird die Ladung auf hoher See umgepumpt. Die großen Tanker transportieren das Öl anschließend weiter zu internationalen Abnehmern, während die kleineren Schiffe erneut durch die Meerenge fahren.

Die Operation birgt eine politische Ironie: Die USA nutzen laut Reuters ausgerechnet Methoden, die Washington jahrelang als Teil iranischer Sanktionsumgehungen kritisiert hatte. Dazu gehören verdeckte Umladungen auf hoher See, Fahrten mit abgeschalteten Transpondern und schwer nachvollziehbare Schiffsbewegungen. Reuters zitiert den Präsidenten des Council on Foreign Relations, Michael Froman, mit der Bemerkung, die USA übernähmen damit Techniken, die zuvor von den sogenannten „Schattenflotten“ Chinas, Russlands, Nordkoreas und des Iran verwendet worden seien.

Fortsetzung einer bereits bekannten US-Strategie

Bereits Anfang Juni hatten die New York Times und das Wall Street Journal berichtet, dass das US-Militär Handelsschiffe bei der Passage der Straße von Hormus unterstützt und verdeckte Fahrten koordiniert. Damals war von Schiffen die Rede, die mit abgeschalteten Transpondern durch die Meerenge fahren. Reuters beschreibt nun erstmals die Vorgehensweise der Operation. Dem Bericht zufolge überwacht das US-Militär die Schiffe mit Drohnen, Hubschraubern und weiteren Aufklärungsmitteln. Eine direkte militärische Eskorte soll es jedoch nicht geben.

Der Iran hatte die Straße von Hormus nach Beginn der Kämpfe Ende Februar faktisch unter seine Kontrolle gestellt. Die Meerenge gilt als einer der wichtigsten Engpässe des Welthandels. Vor dem Krieg wurde dort etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert.

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Iran beansprucht Kontrolle über die Meerenge

Nach Angaben von Reuters finden die Umladungen zudem in der Nähe eines von Teheran beanspruchten Kontrollbereichs statt. Der Iran hatte eigens eine neue Behörde geschaffen, die den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus überwachen und regulieren soll.

Parallel versucht Teheran offenbar, seine Rolle in der Meerenge auch wirtschaftlich auszubauen. Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars und die Nachrichtenagentur Bloomberg berichteten zuletzt über Pläne für ein Projekt namens „Hormuz Safe“. Dabei soll Schiffen und Reedereien eine Versicherung für Fahrten durch die Straße von Hormus angeboten werden. Die Prämien sollen demnach in Bitcoin und anderen Kryptowährungen bezahlt werden. Eine öffentlich zugängliche Plattform oder eine unabhängig überprüfbare technische Dokumentation gibt es bislang allerdings nicht.

Schiffe, die iranische Anweisungen ignorieren, laufen nach Einschätzung mehrerer Experten weiterhin Gefahr, Ziel von Drohnen- oder Raketenangriffen der Revolutionsgarden zu werden. In den vergangenen Wochen kam es wiederholt zu Zwischenfällen in der Region. So wurde nach Angaben des britischen Sicherheitsunternehmens Vanguard zuletzt ein Tanker vor der Küste Omans von einem bislang unbekannten Geschoss getroffen.

Reuters berichtet zudem, dass ein von iranischen Streitkräften abgeschossener US-Apache-Hubschrauber am 9. Juni möglicherweise an der Überwachung der Öltransporte beteiligt gewesen sei. Eine Bestätigung dafür gibt es bislang nicht. Das US-Verteidigungsministerium erklärte auf Anfrage der Nachrichtenagentur, Centcom beteilige sich nicht an Offshore-Umladungen von Öl.

Deal soll Straße von Hormus wieder öffnen

Die verdeckten Öltransporte könnten nach Einschätzung von Experten eine Übergangslösung sein. Nach Angaben der US-Regierung soll die Straße von Hormus im Rahmen der geplanten Vereinbarung zwischen Washington und Teheran wieder für den regulären Schiffsverkehr geöffnet werden. Die formelle Unterzeichnung des Abkommens ist für Freitag in Genf vorgesehen.

Ob die nun bekannt gewordene Operation danach fortgesetzt wird, ist unklar. Zudem wächst in Washington die Skepsis gegenüber dem geplanten Deal. CIA-Direktor John Ratcliffe sowie mehrere republikanische Senatoren und Regierungsvertreter äußerten zuletzt Zweifel daran, ob der Iran die angekündigten Verpflichtungen tatsächlich erfüllen wird. Der Nahost-Experte Noam Raydan vom Washington Institute sagte Reuters, das aktuelle System sei keine dauerhafte Lösung, sondern eine außergewöhnliche Maßnahme für außergewöhnliche Zeiten.

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