Das erste Training beim FC Energie Cottbus gerade absolviert, dreht Leonardo Bittencourt noch ein paar Extrarunden auf dem kleinen Feld neben dem großen Trainingsplatz an der Parzellenstraße. Ein bisschen wirkt es, als laufe er sich nochmal warm für den Interview-Marathon, der gleich vor ihm liegt. Immerhin warten noch einige Reporter auf dem grün leuchtenden Rasen neben ihm.
„Warm war ich ja schon“, sagt er und wirkt, als machten ihm die vielen Gespräche nicht allzu viel aus. Ein bisschen gefällt es ihm vielleicht, wieder im Rampenlicht zu stehen. Bei Werder Bremen hatte er zuletzt keine tragende Rolle mehr gespielt. Beim Trainingsauftakt in der Lausitz ist die Aufmerksamkeit nun ganz auf ihn gerichtet.
Auch der Papa ist dabei
Sogar sein Vater Franklin Bittencourt ist gekommen und sieht am Seitenrand zu. Er hatte einst selbst fünf Jahre lang bei Energie gespielt, sein Sohn war fünf Jahre alt, als er nach Cottbus kam. „Ich freue mich, dass er wieder zu Hause ist“, sagt der Papa und verspricht, dass er zu jedem Spiel kommen werde.
Franklin Bitencourt (Cottbus) freut sich mit seinem Sohn Leonardo
© imago sportfotodienst
Bittencourt-Sohn durchlief die Jugend von Cottbus und feierte sein Profidebüt in der 2. Bundesliga für Energie, bevor er zu Borussia Dortmund wechselte. 14 Jahre später ist der nun 32-Jährige, der zuletzt bei Werder Bremen spielte, zurück. „Ehrlicherweise ist es nicht so komisch, wie ich gedacht hätte“, erzählt er von seinem Erlebnis bei der Rückkehr. „Man kennt die Wege, man kennt alles“, sagt er.
„Ich fühle mich irgendwie nicht mehr so jung“
Doch etwas ist grundlegend anders als damals. „Der einzige Unterschied ist, dass ich damals als kleiner Junge hierhergekommen bin. Dann haben mich die erfahrenen Jungs an die Hand genommen. Jetzt schaue ich links und rechts und fühle mich irgendwie nicht mehr so jung.“
Der nun erfahrene Bittencourt will der jungen Mannschaft nun das zurückgeben, was er einst selbst als Teenager an Unterstützung erfahren hat. Der erste Eindruck vom neuen Kollektiv ist positiv: „Es sind gute Jungs dabei, viele junge Spieler auch. Diese Mannschaft hat es ausgezeichnet, dass sie eine Einheit war. Wenn wir das wieder schaffen, können wir an die letzten Jahre anknüpfen.“
Fußballromantik nicht so wichtig
Der Akt der Rückkehr stand für ihn nicht im Fokus, als er die Entscheidung für den FCE traf. „Natürlich hat das ein Stück weit Fußballromantik, aber das war mir in erster Linie nicht so wichtig, sage ich ganz ehrlich“, stellt er klar. „Es ging mir nicht darum, dass Deutschland applaudiert.“
Stattdessen seien die sportlichen Gespräche entscheidend gewesen. Er habe tolle Offerten vorliegen gehabt, auch aus dem Ausland. „Aber am Ende hat mir Pele (Claus-Dieter Wollitz, Anm. d. Red.) einfach dieses Gefühl gegeben, wo ich sage: Er hat mich so gecatcht. Das ist eine Aufgabe, auf die ich noch mal Lust habe.“
Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz brauchte nur zehn Minuten, um Bittencourt von der Rückkehr zu überzeugen.
© Frank Hammerschmidt/dpa
Das Gespräch mit Wollitz, erzählt Bittencourt, habe nur zehn Minuten gedauert. Ihm sei klar, dass nun Arbeit bevorstehe. „Aber wenn ich keine Lust mehr auf Arbeiten hätte, dann hätte ich mich entspannt irgendwo mit offenen Schuhen hingestellt und ein bisschen gekickt.“ So bald wird das aber nicht sein. Auf die Frage, wie lange er denn noch spielen wolle, antwortete Bittencourt: „Lange!“
Aufstiegsfeier mit Sangria und Werder-Kollegen auf Ibiza
Wie sehr sein Herz all die Jahre aber doch an Energie hing, zeigt eine Anekdote aus dem Mai. Als Cottbus den Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt machte, feierte Bittencourt den Moment auf einer Mannschaftsreise mit den Profis von Werder Bremen auf Ibiza. „Ich hatte da schon ein Gläschen Sangria in der Hand und habe natürlich mit meinen Jungs aus Bremen angestoßen“, erzählt Bittencourt.
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Er habe die Bremer Kabine in den Monaten zuvor regelrecht mit dem Cottbuser Aufstiegsfieber „infiziert“, berichtet er. „Ich habe zu ihnen gesagt: ‚Ey, ihr müsst Cottbus schauen, wir steigen auf!‘ Deswegen hat sich ganz Werder Bremen mitgefreut.“
„Es geht um Energie Cottbus, nicht um Leo Bittencourt“
Im kommenden Mai hofft er sicher, ähnlich ausgelassen den Klassenerhalt zu feiern. Doch bei aller Euphorie um seine Person stellt der Rückkehrer unmissverständlich klar, dass er sich nicht als der große Star inszenieren will: „Ich bin mir sicher, dass wir als Mannschaft hier auftreten werden, das ist wichtig. Es geht um Energie Cottbus, nicht um Leo Bittencourt.“
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