Gregor Gysi hat bei „Markus Lanz“ scharfe Kritik an seiner früheren Parteikollegin Sahra Wagenknecht geübt und ihr „blanken Opportunismus“ vorgeworfen.
Zugleich warnte der Linken-Politiker am Mittwochabend vor einem wachsenden Einfluss der AfD. Anlass war die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, die Gysi einen „schwarzen Tag“ nannte. Wer das Erstarken der Partei stoppen wolle, dürfe sie nicht nur beschimpfen, sondern müsse sie inhaltlich widerlegen.
„Schwarzer Tag“: Gysis Bilanz nach der Wahl in Sachsen-Anhalt
Für Gysi ist der Wahlausgang zweierlei zugleich: „Ausdruck der Demokratie“ und ein „schwarzer Tag“. Er hoffe, dass dieser Tag klarmache, worin die künftigen Aufgaben lägen.
Sein Bedrohungsbild fasste er drastisch: „Von außen durch Trump, von innen durch die AfD“ würden Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bekämpft. Wer diese drei retten wolle, müsse sie attraktiver machen – und die Verteidiger müssten sich organisieren. Genau daran hapere es derzeit.
„Die AfD nur zu beschimpfen, reicht nicht“
Sein zentraler Appell lautete: „Wenn wir die Entwicklung stoppen wollen, müssen wir die AfD inhaltlich widerlegen. Nicht nur beschimpfen, das reicht nicht aus.“
Gysi brachte dabei mehr direkte Demokratie ins Spiel. Über Volksentscheide müsse nachgedacht werden. Bleibe eine solche Erneuerung aus, werde „die Generation danach dafür die Strafe“ zahlen.
Den Zulauf erklärte Gysi mit dem Frust über die etablierte Politik – und der reiche „von der CSU bis zur Linken“. Die AfD inszeniere sich als Kraft von unten gegen „die da oben“ und gewinne so an Anziehungskraft.
Als Beispiel für enttäuschtes Vertrauen nannte er Friedrich Merz (CDU), der im Wahlkampf die Schuldenbremse betont, wenig später aber anders gehandelt habe. Die Reaktion vieler Wähler laut Gysi: „Siehste, wir sind wieder belogen worden.“
„Blanker Opportunismus“: Gysis Abrechnung mit Wagenknecht
Deutlich wurde Gysi bei der Frage nach dem „Bündnis Sahra Wagenknecht“. Das BSW hatte angekündigt, AfD-Politiker Ulrich Siegmund per Enthaltung möglicherweise zum Ministerpräsidenten zu machen, wie die teleschau die Sendung wiedergab. Offiziell wirbt die Partei zwar für einen „überparteilichen Ministerpräsidenten“, hält Spielräume für eine Kooperation aber offen.
Als Lanz das Wort „Opportunismus“ in den Raum stellte, stimmte Gysi zu: „Ja, es ist blanker Opportunismus und der Wunsch, irgendwie ein Stück Macht zu erhalten.“ Das BSW stehe „kurz vor der direkten Unterstützung“ der AfD.
Blome kontert: „Ein AfD-Wähler ist besser als ein Nichtwähler“
RTL-Politikchef Nikolaus Blome setzte einen anderen Akzent. Die AfD habe Nichtwähler mobilisiert, „wie es ganz lange nicht geschehen ist“ – „das ist eine Leistung für sich“.
Ihr Programm finde er nicht toll, betonte Blome. Wagenknechts Kurs erklärte er weniger mit dem Charakter als mit Strategie: Das BSW habe schlicht mehr inhaltliche Schnittmenge mit der AfD als etwa mit CDU oder Grünen.
Wagenknecht rechnet mit Katja Wolf ab – „Höcke und Siegmund dürften ihr dankbar sein“
„Haben Sie Entzugserscheinungen, oder was?“: Bei Markus Lanz fliegen die Fetzen
Rund 12.000 Wähler verlor die Linke in Sachsen-Anhalt an die AfD. Gysi äußerte sich selbstkritisch: In den Städten komme seine Partei besser an als auf dem Land, wo die AfD „unheimlich“ gewinne. Auch seine Partei habe sich verändert – mit inzwischen mehr West- als Ost-Mitgliedern und mehr Jungen als Alten. Früher sei es genau umgekehrt gewesen.
Gysi mahnte, nicht allein auf die Linke zu blicken: SPD, Grüne, Union und Linke hätten zusammen keine Mehrheit. „Und darüber müssen wir wirklich nachdenken.“
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