Die AfD hat in einer bundesweiten Insa-Umfrage erstmals die Marke von 30 Prozent erreicht. Gleichzeitig fällt die Union auf einen historischen Tiefstand innerhalb der Erhebungen des Meinungsforschungsinstituts. CDU und CSU erreichen in der am 3. Oktober veröffentlichten Sonntagsfrage nur noch 18 Prozent.
Im Vergleich zur Vorwoche gewinnt die AfD einen Prozentpunkt hinzu, während die Union einen Punkt verliert. Der Vorsprung der AfD vor den Unionsparteien von Bundeskanzler Friedrich Merz beträgt damit zwölf Prozentpunkte. Für INSA sind dies der bislang höchste gemessene Wert der AfD und der niedrigste Wert von CDU und CSU.
Die Erhebung wurde im Auftrag der Bild am Sonntag zwischen dem 28. September und dem 2. Oktober durchgeführt. Befragt wurden 1.202 Wahlberechtigte telefonisch und online. INSA beziffert die maximale statistische Fehlertoleranz auf plus oder minus 2,9 Prozentpunkte.
SPD und Grüne bei INSA-Umfrage gleichauf
SPD und Grüne erreichen jeweils 14 Prozent. Während der Wert der SPD unverändert bleibt, verlieren die Grünen einen Punkt. Die Linke kommt weiterhin auf zehn Prozent. FDP und BSW würden mit jeweils vier Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Die sonstigen Parteien erreichen zusammen sechs Prozent.
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Unter diesen Voraussetzungen könnten Parteien bei einer Bundestagswahl zum jetzigen Zeitpunkt bereits mit deutlich weniger als 50 Prozent der Stimmen eine Mehrheit der Bundestagsmandate erzielen. Ein politisch realistisches Zweierbündnis zeichnet sich auf Grundlage der Umfrage jedoch nicht ab. Ohne Beteiligung der AfD wäre rechnerisch eine Koalition aus Union, SPD und Grünen möglich. Gemeinsam kämen die drei Parteien auf 46 Prozent.
Große Unzufriedenheit mit Merz und Bundesregierung
Besonders deutlich fällt die Bewertung der politischen Arbeit aus. Jeweils 79 Prozent der Befragten zeigen sich mit Bundeskanzler Friedrich Merz und mit der Bundesregierung insgesamt unzufrieden. Lediglich 15 Prozent bewerten die Arbeit des Kanzlers positiv, bei der Bundesregierung sind es 14 Prozent.
Der grundsätzliche Trend wird auch von anderen jüngsten Erhebungen gestützt. Infratest dimap sah die AfD zuletzt bei 27 und die Union bei 20 Prozent. Forsa ermittelte 26 Prozent für die AfD und 19 Prozent für CDU und CSU. Die genaue Höhe der Werte und des Abstands hängt somit deutlich vom jeweiligen Institut ab.
Auch die Marke von 30 Prozent ist nicht in jeder Hinsicht neu: GMS hatte die AfD bereits im September bei diesem Wert gesehen. YouGov maß die Union zur gleichen Zeit bei 18 Prozent. Neu ist, dass beide Extremwerte nun innerhalb derselben INSA-Erhebung auftreten.
Umfrage ist nur eine Momentaufnahme
Die Veränderungen von jeweils einem Prozentpunkt gegenüber der Vorwoche liegen innerhalb der statistischen Fehlertoleranz. Daraus lässt sich nicht sicher ableiten, dass es tatsächlich innerhalb weniger Tage eine entsprechende Verschiebung gab.
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Wahlumfragen bilden zudem lediglich die politische Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung ab. Nachlassende Parteibindungen, unterschiedliche Erhebungsmethoden und die Gewichtung der Antworten erschweren die Prognose. Die Zahlen sind deshalb weder mit einem Wahlergebnis gleichzusetzen noch belegen sie, dass exakt 30 Prozent der Bevölkerung die AfD wählen würden.
In sozialen Netzwerken und politischen Videokanälen wird die Erhebung bereits mit Begriffen wie „Umfrageschock“, „Katastrophe“ oder „Kipppunkt“ kommentiert. Ein repräsentatives Bild der öffentlichen Reaktionen lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Belastbare Stellungnahmen der Parteispitzen zu den neuen Zahlen stehen zunächst noch aus.
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