Fast 4,8 Millionen Gäste und knapp 19 Millionen Übernachtungen wurden von Januar bis Juli verzeichnet. Damit hat Mecklenburg-Vorpommern im bisherigen Jahresverlauf 2026 das zweitbeste Tourismusergebnis seit der Wiedervereinigung erzielt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stiegen die Ankünfte um 4,3 Prozent, die Übernachtungen um 1,6 Prozent. Mit Blick auf Gesamtdeutschland entwickelte sich das Land somit weitaus besser.
Doch hinter den starken Zahlen verbirgt sich eine wachsende Schere. Während die Statistik glänzt, melden Hotellerie und Gastronomie sinkende Einnahmen. Der DEHOGA Mecklenburg-Vorpommern – der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband – beziffert den durchschnittlichen Rückgang des Nettoumsatzes für Januar bis September mit 2,5 bis 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Branche steuert nach eigener Einschätzung demnach auf das siebte reale Verlustjahr in Folge zu.
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Mehr Gäste, kürzere Aufenthalte
Der Sommer zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass die Ankünfte deutlich stärker gewachsen sind als die Übernachtungen. Es kamen also mehr Gäste, diese blieben aber auch kürzer. Und das hat betriebswirtschaftliche Konsequenzen.
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MehrKürzere Aufenthalte bedeuten nämlich mehr Wechsel, mehr Reinigungsaufwand, höhere Vertriebskosten, ohne dass die Übernachtungserlöse proportional steigen. Außerdem heißt es aus der Branche, dass immer mehr Urlauber sparsamer konsumieren, weniger Restaurants besuchen, Extras wie touristische Zusatzleistungen zurückhaltender nutzen und sonst auch im Einzelhandel weitaus weniger Geld ausgeben.
Und genau das erklärt, warum trotz steigender Gästezahlen die Umsätze nach unten gehen. Einen wesentlichen Anteil am sinkenden Umsatz haben auch die gestiegenen Personal-, Energie- und Lebensmittelkosten.
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Regionale Gewinner und ein struktureller Nachzügler
Besonders dynamisch entwickelten sich bis Mai die Mecklenburgische Schweiz und die Seenplatte. Hier gab es gegenüber dem Vorjahr ein Übernachtungsplus von 9,2 Prozent. Es ist der stärkste Zuwachs aller Reiseregionen und lässt selbst Rügen und Hiddensee blass aussehen, die nur auf 4,4 Prozent kommen. Die Insel Usedom wächst nach einer schwächeren Saison 2025 um 3,5 Prozent.
Einzige Region mit einem leichten Rückgang ist die Mecklenburgische Ostseeküste. Sie bleibt aber der mit Abstand größte Urlaubermagnet des Landes. Schlusslicht ist das Vorpommern-Festland, das deutlich unter dem Niveau von 2019 rangiert.
Wirtschaftlich angespannt trotz guter Nachfrage
In einer Umfrage der MV Tourismus GmbH unter rund 260 Betrieben bewerteten 42 Prozent ihre wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut, 17 Prozent als schlecht oder sehr schlecht. Bei Umsatz und Ertrag meldete allerdings ein größerer Anteil der Betriebe eine rückläufige Entwicklung, obwohl die durchschnittlichen Angebotspreise laut Umfrage um 7,2 Prozent gestiegen waren.
Mit der Hauptsaison insgesamt zeigten sich knapp 50 Prozent der Betriebe zufrieden oder sehr zufrieden. Das ist ein weitaus besserer Wert als die 38 Prozent aus dem ersten Halbjahr. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Zufriedenheitsquote im Vorjahr noch bei 53 Prozent lag.
Hinzu kommt, dass rund jedes dritte Unternehmen im Sommer 2026 mit Arbeitskräftemangel kämpfen musste. Gleichzeitig erschweren geringe Gewinne Investitionen in Qualität und Digitalisierung. Nach Einschätzung von Branchenvertretern ist das Preis-Leistungs-Verhältnis vielerorts bereits weitgehend ausgereizt. Das Wirtschaftsministerium verweist in diesem Zusammenhang auf die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie als wichtige Entlastungsmaßnahme.
Tourismus- und Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) setzt künftig auf Qualität statt Quantität. Nicht mehr Gäste allein, sondern mehr Wertschöpfung pro Gast muss das Ziel sein.
© Jens Büttner/dpa
Auf Nachfrage der Ostdeutschen Allgemeinen hieß es aus dem Ministerium aber auch, dass in den letzten fünf Jahren 135 Betriebe im Gastgewerbe vor dem Aus standen. Das entspricht über zehn Prozent aller Unternehmensinsolvenzen im Land. Die Zahlen seien hoch, das Ministerium betont allerdings, dass sich daraus keine Sonderstellung des Gastgewerbes ableiten lasse. Denn im Baugewerbe wurden im gleichen Zeitraum 262 Insolvenzen gezählt, im Handel 148 und im verarbeitenden Gewerbe 137.
Der Auslandstourismus spielt in Mecklenburg-Vorpommern strukturell eher eine untergeordnete Rolle. Von den 18,9 Millionen Übernachtungen zwischen Januar und Juli entfielen nur rund 561.000 auf internationale Gäste – knapp drei Prozent. Das Land ist damit in außergewöhnlich hohem Maß vom deutschen Binnenmarkt abhängig.
Zwar stiegen die Ankünfte ausländischer Gäste um 5,5 Prozent, ihre Übernachtungen sanken jedoch gleichzeitig um 3,1 Prozent. Und wie die Inlandstouristen kommen auch internationale Besucher häufiger, bleiben aber immer kürzer.
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Wirtschaftsfaktor mit strategischem Handlungsbedarf
Trotz der angespannten Lage bleibt der Tourismus ein zentraler Pfeiler der Wirtschaft in MV. Die 2026 veröffentlichte Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern 2025“ beziffert die touristische Wertschöpfung auf rund 3,94 Milliarden Euro, die Konsumausgaben der Gäste auf rund acht Milliarden Euro. Rechnerisch hängen rund 128.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt am Tourismus.
Und das Land nähert sich beim Gästeaufkommen allmählich wieder dem Rekordniveau von 2019. Im Gesamtjahr 2025 wurden 33,3 Millionen Übernachtungen im Nordosten gezählt, 2019 lag die Zahl bei 34,1 Millionen. Die Zielmarke ist also genannt. Deshalb setzt das Wirtschaftsministerium, das zugleich für Tourismus verantwortlich ist, künftig auf Qualität statt Quantität, den Ausbau der touristischen Infrastruktur, eine stärkere Ansprache internationaler Gäste und zusätzliche Angebote außerhalb der klassischen Hauptsaison. Nicht mehr Gäste allein, sondern mehr Wertschöpfung pro Gast sei das Ziel.
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