Fernverkehr

ICE Berlin–Paris kommt zurück – doch im Februar droht erneut das Aus

Ab 13. Dezember soll wieder täglich ein ICE direkt von Berlin nach Paris fahren, Tickets ab 99,99 Euro. 2027 folgt aber bereits die nächste Betriebspause: über drei Monate.

6 Min
Startklar für die Fahrt nach Paris: Ein Intercity Express (ICE) der Deutschen Bahn hält im August 2025 im Berliner Hauptbahnhof. Knapp ein Jahr später kam das vorläufige Aus für die Direktroute.

Startklar für die Fahrt nach Paris: Ein Intercity Express (ICE) der Deutschen Bahn hält im August 2025 im Berliner Hauptbahnhof. Knapp ein Jahr später kam das vorläufige Aus für die Direktroute.

© Rüdiger Wölk/imago

Fast acht Stunden im Zug sitzen: Das hat vielen tausend Menschen offenbar wenig ausgemacht. Die ICE-Direktverbindung zwischen Berlin und Paris war ein Erfolg – bis sie im Sommer überraschend eingestellt wurde. Jetzt steigen die Chancen, dass man bald wieder ohne Umsteigen tagsüber von der deutschen in die französische Hauptstadt reisen kann. Allerdings nicht sehr lange: Schon bald droht wieder das Aus.

„Zusammen mit dem Hersteller des Zugsicherungssystems, Alstom, arbeiten wir gemeinsam mit der französischen Staatsbahn SNCF darauf hin, die ICE-Direktverbindung Berlin – Paris schnellstmöglich wieder aufzunehmen“, sagte eine Bahnsprecherin der Berliner Zeitung. Ziel sei es, dass die Züge spätestens ab dem dritten Advent wieder fahren.

Ein Blick in den Navigator der Deutschen Bahn (DB) zeigt: In der Fahrplanauskunft ist die Verbindung ab 13. Dezember 2026 enthalten. Danach fährt täglich jeweils ein Intercity Express (ICE) von Berlin nach Paris und von Paris nach Berlin. Tickets gibt es ab 99,99 Euro pro Weg.

Der Fahrplan: Neue Fahrzeiten für den ICE Berlin-Paris

Bisher fuhr der Zug am Mittag in Berlin ab, künftig am Morgen. Im neuen Fahrplan startet der ICE 9590 um 6.56 Uhr am Gesundbrunnen.

Nach Stopps im Berliner Hauptbahnhof und am Südkreuz geht es über Halle (Saale), Erfurt, Frankfurt am Main, Mannheim und Karlsruhe (jeweils Hauptbahnhof) nach Frankreich. Nach einem Halt in Strasbourg, laut Fahrplan um 12.48 Uhr, soll der Pariser Ostbahnhof um 14.50 Uhr erreicht werden. Im Nachbarland nutzt der Zug die Hochgeschwindigkeitsstrecke LGV Est, auf der Tempo 320 möglich ist.

In Paris Est soll die Reise ebenfalls täglich um 11.07 Uhr beginnen, etwas später als zuletzt. Seine Endstation Berlin Gesundbrunnen erreicht der ICE 9591 fahrplanmäßig um 19.02 Uhr. Auch in diesem Zug braucht jeder Fahrgast eine Sitzplatzreservierung. 444 Fahrgäste haben Platz.

Die Berlin-Verbindung ist außer Betrieb, doch zwischen Frankfurt am Main und Paris Est sind weiter Züge unterwegs. Ein TGV der französischen Staatsbahn SNCF hält in Frankfurt.

Die Berlin-Verbindung ist außer Betrieb, doch zwischen Frankfurt am Main und Paris Est sind weiter Züge unterwegs. Ein TGV der französischen Staatsbahn SNCF hält in Frankfurt.

© Christopher Tamcke/Imagebroker/imago

Dies und das relativ hohe Preisniveau (für Umsteigeverbindungen sind Tickets bereits ab 79,99 Euro zu haben) zeigt: Auch für die Neuauflage der ICE-Direktverbindung rechnet die Bahn mit einer großen Nachfrage. Der Tageszug Berlin – Paris wurde gut genutzt.

„Anfangs dachten wir, dass vielleicht die Hälfte der Reisenden die gesamte Distanz mit dem Zug zurücklegt“, sagte DB-Fernverkehrsvorstand Michael Peterson im Frühjahr 2026 der Berliner Zeitung. „Tatsächlich fahren im Schnitt 75 Prozent die komplette Strecke. Acht Stunden im Zug – das macht vielen offenbar nichts aus. Der ICE nach Paris ist ein großer Erfolg, die Auslastung beträgt mehr als 80 Prozent“, so der DB-Manager.

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Warum die Direktverbindung überraschend endete

Obwohl es auf deutschem Gebiet immer wieder Verspätungen gab und das gastronomische Angebot nicht besonders stabil war, erfreute sich die ICE-Direktverbindung einer großen Nachfrage. Umso größer war die Enttäuschung, als im Juli 2026 das vorläufige Aus kam. Zwischen Frankfurt am Main und Paris sind weiterhin ICE und TGV unterwegs.

Schon bald wurde klar, dass die Zugsicherungstechnik in der ICE-Baureihe 407 der Grund war. Konkret ging es um die spezielle Version des European Train Control Systems (ETCS), mit dem der Siemens Velaro D unterwegs ist. So europäisch wie es sich anhört ist diese Technik leider nicht: Es gibt nicht nur schätzungsweise rund 80 Varianten innerhalb der Europäischen Union, sondern jeweils auch unterschiedliche Varianten innerhalb der Länder – in Deutschland fünf.

Fachleute berichten, dass die On-Board-Units eines ETCS-Systems des französischen Herstellers Alstom im Fokus standen. Dem Vernehmen nach traten Probleme mit den Zertifikaten auf, der TÜV Rheinland habe formelle Fehler festgestellt, hieß es. Die europäische Bahnagentur ERA eröffnete daraufhin einen offiziellen Fall, obwohl keine Hinweise auf Qualitätsmängel oder sicherheitsrelevante Defizite vorlägen.

Europa 2026: Französische TGV dürfen nicht nach Berlin

Folge: Die einsatzfähige Flotte ist geschrumpft. Dass französische TGV von nach nach Berlin einspringen, ist nicht möglich. Grund ist erneut das „europäische“ System ETCS. „Die Strecke Halle/ Leipzig – Berlin, über die die TGV fahren müssten, ist zwar mit ETCS ausgerüstet. Aber ein Teil davon wird erst noch umgerüstet, sodass die Züge dort auch nationale Systeme brauchen würden“, erklärte ein Experte.

Die grundlegende Zulassung der Zugsicherungstechnik in der ICE-Baureihe 407 sei nicht das Problem, hieß es. Den Darstellungen zufolge wurde das Thema erst virulent, nachdem eine neue Version aufgespielt worden war: Baseline 3 ersetzt Baseline 2. Nach einem solchen Upgrade werden Testfahrten erforderlich, bei denen Sachverständige die Funktionsfähigkeit und Unbedenklichkeit bestätigen.

Angekommen um 9.05 Uhr an Gleis 11. Nach rund 15-stündiger Fahrt ist im März 2026 der erste European Sleeper im Berliner Hauptbahnhof eingetroffen. Der private Nachtzug, der einem niederländisch-belgischen Unternehmen gehört, fährt mehrmals wöchentlich.

Angekommen um 9.05 Uhr an Gleis 11. Nach rund 15-stündiger Fahrt ist im März 2026 der erste European Sleeper im Berliner Hauptbahnhof eingetroffen. Der private Nachtzug, der einem niederländisch-belgischen Unternehmen gehört, fährt mehrmals wöchentlich.

© Peter Neumann/Berliner Zeitung

Dazu ist es nun offenbar gekommen. „Ein Software-Update wurde von der Deutschen Bahn und der französischen Staatsbahn SNCF auf mehreren Fahrten nach Frankreich erfolgreich getestet“, sagte Alstom-Sprecher Andreas Flórez. „Alstom  wird die neue Software bis Mitte November auf alle mit ETCS umgerüsteten Züge aufspielen.“

Bei der Bahn ist man zuversichtlich, dass der ICE Berlin – Paris wieder in Betrieb geht – als zweite Verbindung neben dem privaten Nachtzug European Sleeper, der zwei oder drei Mal pro Woche die Hauptstädte auf einer anderen Route miteinander verbindet.

Bahn und SNCF sprechen über zweite Tagesverbindung

Doch es gibt einen Wermutstropfen. „Der ICE nach Paris wird ab Anfang Februar für viele Wochen ausgesetzt“, sagte Jürgen Murach aus Berlin, Vizepräsident des Vereins Deutscher Eisenbahn-Ingenieure (VDEI). Ein Blick in den Navigator bestätigt das: Vom 6. Februar bis 14. Mai 2027 fällt die Tagesverbindung von Berlin nach Paris aus. „Vermutlich gibt es wieder eine Streckensperrung oder ein Baustellenfahrplan“, so Murach.

Trotzdem halten die DB und die SNCF an ihrem Plan fest, eine zweite ICE-Direktverbindung zwischen der deutschen und französischen Hauptstadt anzubieten. „Wir sind im Austausch“, bestätigte ein Bahnsprecher. Klappt alles, könnte es ab Mitte Dezember 2027 tagsüber zwei Direktzüge zwischen Berlin und Paris geben.

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