Vier Wochen vor der Bundestagswahl rechnet Sigmar Gabriel in einem Interview mit seiner Partei, der SPD, ab. Der Zeitschrift „Frau im Spiegel“ sagte der ehemalige Wirtschafts- und Außenminister: „Die Sozialdemokratie, in die ich vor fast 50 Jahren eingetreten bin, gibt es nicht mehr.“ 2019 hatte sich Gabriel vollständig aus der Politik zurückgezogen. SPD-Mitglied ist er aber immer noch: „Ich bin ein Sozialdemokrat, nur meine Partei glaubt mir das gelegentlich nicht.“
Von 2009 bis 2017 war Sigmar Gabriel Vorsitzender der SPD. Nach der Bundestagswahl 2017 wurde ihm aber kein neuer Posten zugeteilt. Wieso? Gabriel dazu im Interview: „Es war so, dass ich von Herrn Scholz und Frau Nahles aus der Regierung geschmissen wurde. Damit begann ein politischer Zyklus in der SPD, der jetzt mit dem Scheitern der Kanzlerschaft von Olaf Scholz zu Ende gegangen ist.“ Dann legt der Ex-Außenminister nach und teilt gegen seinen ehemaligen Parteikollegen aus.
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„Mit dem Respekt, den der heutige Bundeskanzler so gern einfordert, hatte das nicht viel zu tun.“ Im Nachhinein betrachtet sei er aber froh, seine politische Karriere beendet zu haben. „Ich war mit Ende 50 nochmal in der Lage, ein ganz neues berufliches Leben zu beginnen“, so Gabriel. Mittlerweile ist der Ex-Außenminister Vorsitzender der Atlantik-Brücke e. V. und war laut eigener Aussage nie auf „Versorgungsjobs“ angewiesen.
Zudem habe die SPD sich in den letzten Jahren stark verändert: „Die SPD von heute hat die Freiheitsidee des Sozialstaats aus dem Auge verloren und eher einen Sozialhilfestaat aufgebaut, bei dem eigene Anstrengung immer weniger belohnt wird.“ Aus diesem Grund geht Gabriel derzeit nicht davon aus, in die Politik zurückzukehren. „Solange sich die SPD nicht traut, sich selbst und ihre Politik zu überprüfen, empfindet sie Menschen wie mich eher als Störenfried und stören möchte ich niemanden.“
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