Parkgebühren

98 Prozent voll: Deshalb müssen Autofahrer in Alt-Treptow bald zahlen

Bisher konnten Autofahrer in Treptow-Köpenick kostenlos parken. Nun wird erstmals auch im letzten Bezirk eine Parkraumbewirtschaftung eingeführt. Das sind die Gründe.

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Das sanierte Riesenrad steht schon im Spreepark, der ab dem kommenden Jahr Besucher anlocken soll.

Das sanierte Riesenrad steht schon im Spreepark, der ab dem kommenden Jahr Besucher anlocken soll.

© Maurizio Gambarini/Imago

In Zukunft werden erstmals auch in Treptow-Köpenick Autofahrer fürs Parken zur Kasse gebeten. Bisher war Treptow-Köpenick der einzige Bezirk, in dem es in Berlin keine Parkraumbewirtschaftung gab. Seit zwölf Jahren wird über die Einführung von Parkgebühren gestritten, nun ist es auch im Südosten Berlins so weit.

Vor wenigen Tagen hat das Bezirksamt von Treptow-Köpenick die Einführung der Parkraumbewirtschaftung in Alt-Treptow beschlossen. Damit, so heißt es in einer Mitteilung, würden nun konkrete Vorbereitungen im Bezirk beginnen.

Welche Straßen von der Gebührenpflicht betroffen sein werden und was der Autofahrer zahlen muss, teilte das Bezirksamt noch nicht mit. Klar ist indes, dass in der geplanten Zone über 2000 Parkplätze betroffen sind.

Vorgesehen ist laut Bezirksamt eine Bewirtschaftung von montags bis freitags in der Zeit von 9 bis 20 Uhr. An den Wochenenden könnten Fahrzeuge weiterhin kostenlos abgestellt werden.

Anwohner mit einem Anwohnerparkausweis, der in Berlin 20,40 Euro für zwei Jahre kostet, und Menschen mit einer Ausnahmegenehmigung sind von der regulären Parkgebührenpflicht ausgenommen.

Eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeitern des Straßen- und Grünflächenamtes und des Ordnungsamtes sowie des Bürgeramtes soll nun mit den Vorbereitungen für die Parkzone beginnen. Wann der Autofahrer erstmals zur Kasse gebeten wird, ist noch offen.

In dem bald kostenpflichtigen Parkgebiet wurde die Suche nach einem freien Abstellplatz für das Auto für Anwohner deswegen so nervenaufreibend, weil es zwischen Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln liegt. Dort werden bereits Parkgebühren erhoben.

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2014 entschieden sich Einwohner gegen Parkgebühren

Das lädt Autofahrer dazu ein, in dem noch kostenlosen Treptower Bereich zu parken. Teils tagelang. Anwohner, die ein Auto besitzen, haben das Nachsehen.

„Die Parkraumbewirtschaftung ist ein wichtiger Schritt für Alt-Treptow. Sie hilft dabei, gebietsfremdes Dauerparken zu reduzieren, den Parksuchverkehr zu verringern und den knappen, öffentlichen Raum sinnvoll zu nutzen“, erklärte Claudia Leistner, die Grünen-Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Straßen, Grünflächen, Umwelt und Naturschutz, zu der geplanten Gebührenzone.

Es ist ein langer Weg gewesen bis zur ersten Parkraumbewirtschaftung in dem wald- und seenreichsten Bezirk Berlins. Im August 2014 war ein Bürgerentscheid erfolgreich, der sich dagegen ausgesprochen hatte, Autofahrer in der Altstadt von Köpenick zur Kasse zu bitten. Das Votum der Bewohner galt damals für den gesamten Bezirk.

Doch der Autoverkehr nahm auch in Treptow-Köpenick immer mehr zu – auch durch die Verlängerung der A100. Deswegen hatte das Stadtentwicklungsamt Treptow-Köpenick im vergangenen Jahr für 28.000 Euro eine Studie in Auftrag gegeben.

Geprüft werden sollte, ob die Parkplatzsituation in Alt-Treptow, am Treptower Park und am Plänterwald Gebühren erforderlich machen würde. Zwischen Juli und Dezember 2025 wurden die entsprechenden Gebiete untersucht.

Die Studie des Verkehrsplanungsbüros SPV Spreeplan Verkehr GmbH kam Mitte Dezember vorigen Jahres zu dem Schluss, dass in Alt-Treptow ein dringender Handlungsbedarf besteht. Untersucht wurde damals das Gebiet zwischen Lohmühlenstraße, Kiefholzstraße, Heidelberger Straße und Bouchéstraße.

Dort waren im Zeitraum der Analyse 98 Prozent aller Parkplätze belegt – und zwar dauerhaft. „Viele Parkende kommen von außerhalb“, heißt es im Ergebnis der Studie. Mit einer Parkraumbewirtschaftung könnten Anwohner leichter einen Parkplatz in der Nähe ihrer Wohnung finden, und weniger Abgase und Lärm würden das Quartier belasten.

Kein Handlungsbedarf am Treptower Park

Die Untersuchenden empfahlen eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung für Alt-Treptow an den Werktagen. Sonnabends und sonntags sei die Situation zwar angespannt, aber weniger kritisch als in der Woche, heißt es.

Die Situation am Treptower Park bezeichnen die Analysten als entspannter. Dort seien ausreichend Abstellflächen für Kraftfahrzeuge vorhanden; nur 67 Prozent der ausgewiesenen Parkplätze seien belegt. Dort bestehe kein dringender Handlungsbedarf.

Im Bereich Plänterwald Nord sieht die Situation ähnlich aus: 73 Prozent der Parkplätze waren im Untersuchungszeitraum belegt. Sie würden überwiegend von Anwohnern genutzt. Dadurch entstünden keine Konflikte.

Die Einschätzung für den Bereich Plänterwald könnte sich jedoch ändern, wenn dort der Spreepark wiedereröffnet wird und mehr Besucher anziehen wird. Er soll im kommenden Jahr als Kunst-, Kultur- und Naturpark wieder in Betrieb genommen werden.

In Berlin müssen Autofahrer für einen öffentlichen Parkplatz zwischen zwei und vier Euro pro Stunde zahlen. In zentralen Gegenden wie etwa am Kollwitzplatz zahlen Autofahrer einen Euro pro 15 Minuten. Lediglich sonntags ist das Parken oftmals kostenlos.

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