Die Bundesregierung hat neue Zahlen zu Abschiebungen für 2026 vorgelegt. Die Zahl der Rückführungen sinkt, doch bei der Durchsetzung wächst der Druck. In 280 Fällen weigerten sich Piloten im ersten Halbjahr, Ausreisepflichtige in ihren Maschinen zu befördern.
Nur etwa jeder zweite Ausreisepflichtige nahm die staatliche Förderung für eine freiwillige Ausreise in Anspruch. Die Daten stammen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion. Sie betreffen die ersten sechs Monate dieses Jahres.
Abschiebungen 2026: Zahl sinkt um 18,2 Prozent
In der ersten Jahreshälfte 2026 wurden 9663 Menschen abgeschoben. Das sind 18,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Ein Grund liegt laut Bundesregierung in den gesunkenen Asylzahlen: Seit Anfang 2025 stellen deutlich weniger Menschen in Deutschland einen Asylantrag.
Zuständig für die Abschiebungen sind vor allem die Ausländerbehörden der Länder. Die Bundespolizei unterstützt sie dabei.
Wer Deutschland verlässt, kann dafür Geld vom Bund erhalten. Genutzt hat das zuletzt aber nur rund die Hälfte der Betroffenen. Im ersten Halbjahr reisten 17.892 Ausländer aus, die sich eine Grenzübertrittsbescheinigung als Nachweis ausstellen ließen. Doch die staatliche Förderung für die freiwillige Ausreise nahmen nur 9276 von ihnen in Anspruch.
Wer in Deutschland ausreisepflichtig ist
Zur Jahresmitte lebten knapp 259.000 Ausreisepflichtige in Deutschland. 77 Prozent von ihnen besaßen eine Duldung. Eine Duldung wird erteilt, wenn eine Abschiebung vorübergehend nicht möglich ist – etwa weil ein Reisedokument fehlt oder jemand krank oder schwanger ist.
Etwas mehr als 60 Prozent der Ausreisepflichtigen waren Ende Juni abgelehnte Asylbewerber. Ausreisepflichtig werden können aber auch Arbeitsmigranten ohne Beschäftigung, Touristen mit abgelaufenem Visum oder frühere Studierende ohne neuen Aufenthaltstitel.
Warum viele Abschiebungen scheitern
Häufig klappt eine geplante Abschiebung nicht, weil die betroffene Person nicht auffindbar ist. Auch rechtliche oder gesundheitliche Gründe spielen eine Rolle.
734 Abschiebungen scheiterten im ersten Halbjahr, nachdem die Bundespolizei sie übernommen hatte. In 130 Fällen leisteten Betroffene Widerstand, in 56 Fällen gab es medizinische Bedenken.
In 280 Fällen weigerten sie sich im ersten Halbjahr 2026, Ausreisepflichtige in ihren Linienmaschinen zu befördern. Im gesamten Jahr 2025 waren es 514 solcher Fälle. Warum die Piloten sich weigern, erfasst die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht statistisch.
Wie oft körperliche Gewalt angewendet wird
Bei 786 Abschiebungen wurde im ersten Halbjahr 2026 körperliche Gewalt als „Hilfsmittel“ dokumentiert. Dazu zählen typischerweise Fesselungs- und Fixierungsmittel. Besonders häufig kamen diese Maßnahmen laut Bundesregierung bei Abschiebungen nach Algerien, Marokko und Nigeria zum Einsatz.
Was die Abschiebeflüge kosten
Der in Bezug auf das Fluggerät teuerste Abschiebeflug führte im Mai von Leipzig/Halle nach Pakistan. Er kostete rund 518.000 Euro, wurde nach Angaben der Bundesregierung aber von der EU-Grenzschutzagentur Frontex finanziert. An Bord waren demnach 33 Ausreisepflichtige und 75 Bundespolizisten.
Zahl der Abschiebungen aus Berlin im ersten Halbjahr deutlich gesunken
Fünf Polizisten für einen Syrer: Die bizarre Personal-Bilanz der Abschiebeflüge
Zwei Sammelabschiebungen nach Afghanistan im April und Juni verursachten jeweils Flugkosten von mehr als 300.000 Euro – ohne Finanzierung durch Frontex.
Für mehrere von Frontex unterstützte Flüge nach Nigeria fielen jeweils rund 400.000 Euro an; teils wurden dabei auch Ghana, Gambia, Guinea-Bissau oder Senegal angeflogen. Die Sicherheitsbegleitung kostete den Bund insgesamt rund 5,93 Millionen Euro.
In 867 Fällen verhängte die Bundespolizei im ersten Halbjahr ein Zwangsgeld, weil eine Airline einen Ausländer ohne gültigen Pass oder Aufenthaltstitel nach Deutschland gebracht hatte. Die Gesamtsumme lag bei rund 1,46 Millionen Euro. Pro unrechtmäßig beförderter Person werden laut Gesetz zwischen 1000 und 5000 Euro fällig.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]