Amselsee

Wirbel um Spenden: TV-Köchin macht Schadensbilanz auf – neuer Imbiss kostet 195.000 Euro

Als Ende Juli ein Wirbelsturm über die Sächsische Schweiz zog, zerstörte er die Wanderrast am Amselsee. Betreiberin Verena Leister bekam für 200.000 Euro Spenden viel Hass im Netz. Doch die Zahlen stimmten.

5 Min
Die Wanderrast am Amselsee wurde im Sommer unter Bäumen begraben und derart zerstört, dass ein Neubau hermuss.

Die Wanderrast am Amselsee wurde im Sommer unter Bäumen begraben und derart zerstört, dass ein Neubau hermuss.

© Robert Michael/dpa

Großer Andrang heute im Kurort Rathen, dem heimlichen, touristischen Herzen des Elbsandsteingebirges. Mit umfangreichem Programm wurde die diesjährige Wintersaison eingeleitet und die Nachricht überbracht: Seit diesem Wochenende ist auch der beliebte Amselsee in Rathen wieder erreichbar. 

Die Schäden des Wirbelsturms vom 31. Juli, der ein Menschenleben forderte, sind so weit beseitigt. Die beliebte Wanderrast am Amselsee von TV-Köchin Verena Leister bleibt jedoch geschlossen. Wie lange, ist unklar. Die Schäden könnten die finanzielle Belastung der Gemeinde Rathen als Grundstückseigentümer an ihre Grenzen bringen.

„Rund 195.000 Euro kostet allein der Wiederaufbau der Wanderrast“, verrät Leister über Instagram ihren Followern. Eine Buche hatte die Holzhütte mit teurer Gastro-Technik bei Sturm unter sich begraben, „die Bodenplatte ist dabei gerissen“, so Leister.  Auch die Reparatur einer sieben Meter langen und nur einen Meter hohen Sandsteinmauer am See koste 13.000 Euro. „Allein dieser Vergleich verdeutlicht, in welchen Größenordnungen sich heute die Baukosten bewegen“, erklärt Leister auf ihrem Instagram-Profil.

Es ist auch ein versteckter Hinweis auf die „Hater“ vom Sommer, die die Höhe ihrer eingesammelten Hilfsspenden für absolut übertrieben hielten.

Eine Million Euro Schaden nur am Amselsee

Ein Gutachten, das die Gemeinde Rathen in Auftrag gab, beziffert die Gesamtkosten des Wiederaufbaus der Wanderrast und des Bootsverleihs am Amselsee auf über eine Million Euro. Allein die Wiederherstellung der 24 Quadratmeter großen Imbisshütte soll besagte 195.000 Euro kosten, bestätigt Rathens Bürgermeister Roman Rolof auf Anfrage der Ostdeutschen Allgemeinen. „Kosten für öffentliche Baumaßnahmen können leider nicht mit Privatkosten beim Hausbau verglichen werden. Wir haben jede Menge Auflagen, die erfüllt werden müssen.“ Eine besonders schwierige ist: Die Wanderrast befindet sich in der Kernzone des Nationalparks, wo Bauen eigentlich gar nicht gestattet ist – es sei denn, die Gebäude genießen Bestandsschutz.

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Eine Bauvoranfrage für einen Neubau habe die Gemeinde Rathen bereits gestellt. „Wir müssen jetzt abwägen, ob das wirtschaftlich darstellbar ist und zwischen einer Reparatur und dem grundhaften Neubau der Hütte abwägen“, so Rolof weiter. Man wolle den Wiederaufbau aber aus Rücklagen der Gemeinde finanzieren.

Die umgestürzten Bäume mussten per Hubschrauber aus dem felsigen Gebiet rund um Rathen ausgeflogen werden.

Die umgestürzten Bäume mussten per Hubschrauber aus dem felsigen Gebiet rund um Rathen ausgeflogen werden.

© Robert Michael/dpa

Auch der gesamte Amselsee muss abgelassen und von umgefallenen Bäumen befreit werden, erklärt die Nationalparkverwaltung. Schon das allein braucht Zeit, was gegen eine baldige Wiedereröffnung von Leisters Wanderrast spricht. Leister auf Instagram: „Wir rechnen nicht damit, dass wir vor 2028 wieder öffnen können, freuen uns aber, wenn es schneller geht.“

Roman Rolof hält einen Neubau bis Ostern 2027 für machbar. Doch selbst der Rathener Bürgermeister ist auf die Behörden angewiesen: „Wenn eine Umweltverträglichkeitsstudie für einen Neubau gefordert wird, dann dauert das drei Jahre …“ Dies sei gerade in der Prüfung.

200.000 Euro Spenden verpufft

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Kosten für den Wiederaufbau der Wanderrast mit 195.000 Euro so ziemlich genau die Spendenhöhe treffen, für die die TV-Köchin so angefeindet wurde.

Zur Erinnerung: Leister nutzte nach dem Unwetter im Sommer ihre Reichweite in den sozialen Medien und bat um Spenden für den Wiederaufbau ihrer Wanderrast. Innerhalb von weniger als 24 Stunden kamen aus ganz Deutschland über 200.000 Euro über die Plattform Gofundme zusammen. „Auch wenn wir nur die Pächter der Wanderrast sind, war der Spendenzweck klar beschrieben: Das Geld wäre für den Wiederaufbau der Imbiss-Hütte und der Infrastruktur drumherum genutzt worden“, sagt Leisters Partner Philipp Klinger.

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU, li.) besuchte die Wanderrast-Wirtin Verena Leister nach dem Wirbelsturm und bot Hilfe an.

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU, li.) besuchte die Wanderrast-Wirtin Verena Leister nach dem Wirbelsturm und bot Hilfe an.

© Sebastian Kahnert/dpa

Doch das Paar wurde aufgrund der für übertrieben gehaltenen Spendensumme anschließend im Netz und auch persönlich derart angegriffen und mit Neid und Missgunst überzogen, dass Leister die Spenden knapp eine Woche später zurückgab.

Sächsische Schweiz auch im Winter attraktiv

Auch wenn die klassische Wandersaison in der Sächsischen Schweiz jetzt beendet ist, hat das Elbsandsteingebirge auch im Winter etwas zu bieten. Der Tourismusverband und verschiedene Kommunen bieten ein touristisches Programm rund um Kulinarik, Wellness und Winterwanderungen für die traditionell schwächere Wintersaison. Heute gibt der Kurort Rathen mit dem „Felsenglühen“ dafür offiziell den Startschuss.

Auch Verena Leister kann trotz kaputter Wanderrast nicht vom Herd lassen. Sie bietet ihre legendären Pommes mit Trüffelmayonnaise vom Amselsee diesmal am ehemaligen Gasthaus Rosengarten an. Dort findet an den Adventswochenenden ein kleiner Weihnachtsmarkt statt.

Wer den Besuch mit einer Wanderung verbinden möchte: Rund um Rathen gibt es nur noch geringfügige Einschränkungen aufgrund letzter Aufräumarbeiten nach dem Wirbelsturm.

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