Endlager

Atommüll-Endlagersuche: Schwerin scheidet aus – diese Gebiete im Osten bleiben im Rennen

In mehreren Regionen Ostdeutschlands prüft die Bundesgesellschaft für Endlagerung weiterhin mögliche Standorte. Besonders viele Flächen liegen in Sachsen-Anhalt.

4 Min
Bis Ende 2027 soll die Entscheidung über ein Atommüll-Endlager fallen.

Bis Ende 2027 soll die Entscheidung über ein Atommüll-Endlager fallen.

© Sebastian Kahnert/dpa

Schwerin ist nach dem aktuellen Arbeitsstand der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) aus der Suche nach einem Standort für hochradioaktiven Atommüll ausgeschieden. Das teilte die BGE der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns offiziell mit. Grundlage der Bewertung waren Bohrungsdaten zur Mächtigkeit des möglichen Wirtsgesteins.

Formal handelt es sich noch nicht um eine endgültige Entscheidung. Schwerin wird im weiteren Auswahlverfahren derzeit aber nicht mehr betrachtet. Die BGE will Ende 2027 einige wenige Standortregionen vorschlagen, die anschließend genauer erkundet werden sollen.

Weniger als fünf Prozent Deutschlands geeignet

Die Endlagersuche wurde damit deutlich eingegrenzt. Nach dem am Dienstag veröffentlichten Arbeitsstand kommen weniger als fünf Prozent des Bundesgebiets weiterhin infrage. 2025 war es noch etwa ein Viertel der Fläche.

Reisehighlights

Mehr

Rheinland-Pfalz, das Saarland, Hessen, Sachsen und Berlin sind vollständig aus dem Verfahren ausgeschieden. Die verbleibenden Gebiete liegen insbesondere in einem Gürtel von West-Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt. Hinzu kommen einzelne Flächen in Brandenburg, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Bayern.

Für die Beurteilung hat die BGE nach eigenen Angaben Millionen geologischer Datensätze über den deutschen Untergrund ausgewertet. Es ist der letzte veröffentlichte Arbeitsstand vor der geplanten Auswahl möglicher Standortregionen Ende 2027.

Diese Gebiete in Ostdeutschland werden weiter geprüft

In Mecklenburg-Vorpommern bleibt nach den bislang veröffentlichten regionalen Angaben nur der Salzstock Werle im Südwesten des Landes nahe der Grenze zu Brandenburg im Blick.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

In Brandenburg werden weiterhin einzelne Salzgebiete betrachtet. Dazu zählen Flächen in den Landkreisen Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Potsdam-Mittelmark, Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Die brandenburgische Lausitz ist dagegen ausgeschieden.

Besonders viele weiter untersuchte Flächen liegen in Sachsen-Anhalt. Dazu gehören Teile des Harzes, ein Gebiet zwischen Halle und Sangerhausen sowie eine Fläche bei Bad Bibra. Auch Salzstrukturen im Salzlandkreis, in der Börde und in der Altmark bleiben im Verfahren. Tongebiete des Landes werden hingegen nicht weiterverfolgt.

In Thüringen wird noch ein Gebiet im Raum Sömmerda betrachtet, das geologisch zum Thüringer Becken gehört. Flächen im Unstrut-Hainich-Kreis, im Ilm-Kreis und im Werra-Fulda-Becken sind ausgeschieden. In Sachsen und Berlin werden keine Gebiete weiter betrachtet.

Warum Deutschland ein Endlager braucht

Deutschland muss rund 1900 Castorbehälter mit hochradioaktivem Abfall dauerhaft sicher unterbringen. Der Müll steht bislang in Zwischenlagern, häufig in Hallen an früheren Atomkraftwerksstandorten. Diese Anlagen sind jedoch nur als zeitlich begrenzte Lösung vorgesehen.

Hochradioaktive Abfälle bleiben über extrem lange Zeiträume gefährlich. Sie erzeugen Wärme und senden ionisierende Strahlung aus. Gesucht wird deshalb ein Standort, der für eine Million Jahre die bestmögliche Sicherheit bietet – ein Zeitraum von rund 30.000 Generationen.

Beim Rückbau des ehemaligen DDR-Atomkraftwerks in Lubmin fällt deutlich mehr radioaktiver Abfall an, als zunächst gedacht. Das Zwischenlager vor Ort ist bald voll.

Beim Rückbau des ehemaligen DDR-Atomkraftwerks in Lubmin fällt deutlich mehr radioaktiver Abfall an, als zunächst gedacht. Das Zwischenlager vor Ort ist bald voll.

© Emmanuele Contini/Ostdeutsche Allgemeine

Als mögliche Wirtsgesteine kommen Steinsalz, Tongestein und kristallines Gestein wie Granit infrage. Entscheidend sind unter anderem ausreichend mächtige und stabile Gesteinsschichten, der Schutz vor eindringendem Wasser sowie das Fehlen problematischer geologischer Störungen.

Auch angesichts zunehmender hybrider Bedrohungen drängt die Zeit: Zwischenlager müssen dauerhaft bewacht und gegen Angriffe oder Sabotage geschützt werden. Ein tiefengeologisches Endlager soll den Atommüll langfristig von Mensch und Umwelt abschirmen.

Atomkraftgegner fordern Transparenz

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sprach von einem wichtigen Schritt auf dem Weg zum ersten großen Etappenziel. Die Veröffentlichung der Zwischenstände ermögliche es, die Auswahl nach wissenschaftlichen Kriterien nachzuvollziehen. BGE-Chefin Iris Graffunder zeigte sich zuversichtlich, einen geeigneten Standort finden zu können.

Kritik kommt von der Anti-Atom-Initiative. Sie bemängelt, dass wichtige geologische Daten nicht vollständig öffentlich zugänglich seien. Nur eine kritische Begleitung könne verhindern, dass erneut ein ungeeigneter Standort ausgewählt werde. Auch Linken-Politikerin Mareike Hermeier fordert vollständige Transparenz und eine verlässliche Beteiligung der Öffentlichkeit.

Die Grünen sprechen von einem wichtigen Meilenstein. SPD-Umweltpolitiker Jakob Blankenburg mahnt zugleich, der Atommüll sei das gemeinsame Erbe einer ganzen Generation. Keine Region könne sich grundsätzlich aus der Verantwortung ziehen.

Für die verbleibenden Gebiete bedeutet der aktuelle Stand noch keine Festlegung. Auch sie können im weiteren Verfahren ausscheiden. Für Schwerin ist die Endlagersuche nach derzeitigem Arbeitsstand dagegen beendet.

Warum Schwerin zunächst geprüft wurde

Bei der Endlagersuche ging es nicht um ein bestimmtes Grundstück oder einen einzelnen Stadtteil, sondern um den tiefen geologischen Untergrund unter Schwerin. Dort wurden großräumige Tongesteinsformationen aus dem Paläozän und Eozän sowie dem Unterjura betrachtet. Solche Gesteine können radioaktive Stoffe über lange Zeit einschließen, da sie in geeigneter Ausprägung kaum Wasser durchlassen.

Das Schweriner Schloss

Das Schweriner Schloss

© Jens Büttner/dpa

Zur Bewertung zog die BGE vorhandene Bohrungsdaten heran. Dazu gehört die historische Tiefbohrung „Gt Schwerin 2/1987“, die mehrere Hundert Meter unter der Oberfläche entsprechende Schichten dokumentiert. Nach dem aktuellen Arbeitsstand reichen deren geeignete Mächtigkeit und Beschaffenheit jedoch nicht aus, um die Sicherheitsanforderungen für ein Endlager zu erfüllen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner