Wirtschaft

Audi-Chef auf Trumps Wahlkampfbühne: Milliarden für die USA, Jobabbau in Deutschland

Audi-Chef Döllner dankt Trump vor jubelnden Anhängern für dessen Unterstützung. In Deutschland sollen bis zu 7500 Stellen wegfallen, der VW-Aufsichtsrat muss noch zustimmen.

6 Min
US-Präsident Donald Trump begrüßt Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung am 24. Oktober 2026 in Perry im US-Bundesstaat Georgia.

US-Präsident Donald Trump begrüßt Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung am 24. Oktober 2026 in Perry im US-Bundesstaat Georgia.

© Mike Stewart/AP

Während Audi in Deutschland bis zu 7500 Arbeitsplätze abbaut und der Volkswagen-Konzern weitere Zehntausende Stellen streichen will, plant der Ingolstädter Autobauer eine Milliardeninvestition in den Vereinigten Staaten. Rund vier Milliarden US-Dollar sollen in ein neues Werk im Bundesstaat Georgia fließen.

Dort will die VW-Tochter etwa 4500 Arbeitsplätze schaffen und künftig bis zu 200.000 Fahrzeuge jährlich produzieren. US-Präsident Donald Trump verkündete das Vorhaben am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung. Audi-Chef Gernot Döllner stand persönlich neben ihm auf der Bühne.

Doch die Investition ist noch nicht endgültig beschlossen. Der Aufsichtsrat des VW-Konzerns muss dem Vorhaben erst zustimmen. Die IG Metall verlangt zuvor verbindliche Perspektiven für die deutschen Standorte.

Trump präsentierte die neue Fabrik dagegen bereits als wirtschaftspolitischen Erfolg. Die Investition sei die größte ihrer Art in der jüngeren Geschichte der amerikanischen Automobilindustrie, behauptete er vor jubelnden Anhängern.

Audi-Chef Döllner verkündet Milliardenpläne an Trumps Seite

Der gemeinsame Auftritt fand in Perry im Bundesstaat Georgia statt, wo Trump gut eine Woche vor den Kongresswahlen am 3. November für republikanische Kandidaten warb.

„Ich freue mich sehr, heute eine riesige Investition im Automobilbereich im großartigen Bundesstaat Georgia durch ein fantastisches Unternehmen ankündigen zu dürfen“, erklärte der US-Präsident.

Anschließend holte er Audi-Chef Döllner auf die Bühne. Der Manager bestätigte die Pläne für ein neues Werk nahe der Stadt Macon.

„Wir planen, unsere größten und hochwertigsten SUVs hierherzubringen und sie in Macon, Georgia, zu produzieren“, sagte Döllner. „Das ist eine langfristige Investition, weil wir an den amerikanischen Markt glauben.“

Ein Video des gemeinsamen Auftritts verbreitete der US-Kommentator Eric Daugherty auf X. Zu hören sind auch Anhänger des Präsidenten, die „Trump! Trump! Trump!“ rufen. Die Aussagen Döllners werden unabhängig von der Nachrichtenagentur AP bestätigt.

Trump bezifferte die geplante Investition auf 4,2 Milliarden US-Dollar. Audi selbst spricht in seiner offiziellen Mitteilung vom Sonntag von rund vier Milliarden US-Dollar, umgerechnet etwa 3,6 Milliarden Euro.

US-Präsident Donald Trump (links) hört zu, während Audi-Chef Gernot Döllner die Pläne für ein neues US-Werk erläutert.

US-Präsident Donald Trump (links) hört zu, während Audi-Chef Gernot Döllner die Pläne für ein neues US-Werk erläutert.

© Mike Stewart/dpa

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4500 neue Jobs in den USA – Trump verspricht schnellen Baustart

Die Fabrik soll auf dem sogenannten Middle Georgia Megasite entstehen, einem großen Industrieareal südwestlich von Macon.

Audi plant dort eine Jahresproduktion von bis zu 200.000 Fahrzeugen. Im Mittelpunkt stehen große Premium-SUVs, die auf die Bedürfnisse amerikanischer Kunden zugeschnitten werden sollen.

Nach Informationen von Reuters sind unter anderem die Modellreihen Q7, Q8 und Q9 vorgesehen. Eine verbindliche Modellliste hat Audi bislang nicht veröffentlicht.

Beim Zeitplan gehen die Angaben auseinander. Trump kündigte an, der Bau solle bereits im November beginnen. Audi nennt dagegen 2027 als vorgesehenen Baubeginn.

Die Regierung des Bundesstaates Georgia konkretisierte, dass 2027 zunächst die Geländevorbereitung starten und der eigentliche Fabrikbau 2028 folgen soll. Die Serienproduktion wird für 2031 erwartet.

Audi baut in Deutschland bis zu 7500 Arbeitsplätze ab

Die amerikanischen Expansionspläne stehen in deutlichem Gegensatz zum Sparkurs des Unternehmens in Deutschland.

Bereits im März 2025 hatten sich Audi-Vorstand und Gesamtbetriebsrat darauf verständigt, bis Ende 2029 bis zu 7500 Stellen abzubauen. Betroffen sind vor allem indirekte Bereiche wie Verwaltung und Entwicklung.

Das Unternehmen will dadurch langfristig mehr als eine Milliarde Euro jährlich einsparen. Betriebsbedingte Kündigungen sind im Rahmen einer Beschäftigungssicherung bis Ende 2033 ausgeschlossen.

Auch beim Mutterkonzern Volkswagen wächst der Druck. Anfang September 2026 billigte der Aufsichtsrat einen weitreichenden Umbauplan, der den Abbau von rund 50.000 weiteren Stellen weltweit vorsieht. Diese kommen zu bereits laufenden Personalreduzierungen hinzu.

Zugleich prüft der Konzern die Zukunft mehrerer deutscher Produktionsstandorte. Für die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm gibt es ab den Jahren 2031 bis 2034 bislang keine gesicherte Folgeproduktion.

Besonders in Neckarsulm wird deshalb aufmerksam verfolgt, welche Auswirkungen das neue US-Werk auf die langfristige Auslastung haben könnte.

Ein unmittelbarer Abzug deutscher Audi-Produktion ist jedoch nicht angekündigt. Große SUV-Modelle wie Q7 und Q8 werden bisher im slowakischen Bratislava gefertigt.

IG Metall bremst Trump: „Finale Entscheidung steht noch aus“

Die Arbeitnehmervertreter reagieren zurückhaltend auf die Ankündigung aus Georgia.

„Der US-Markt durch ein neues Werk besser zu erschließen, ist richtig und notwendig“, erklärte IG-Metall-Chefin Christiane Benner am Sonntag.

Allerdings müssten verbindliche Perspektiven für die Beschäftigten an allen Standorten festgelegt werden, insbesondere in Deutschland. „Hier ist der Vorstand in der Bringschuld“, erklärte Benner in einer Mitteilung der IG Metall.

Die Gewerkschaft stellte ausdrücklich klar, dass der Bau noch nicht endgültig beschlossen sei. Das abschließende Votum müsse der VW-Aufsichtsrat treffen.

Auch Audi-Gesamtbetriebsratschef Jörg Schlagbauer verwies auf offene Fragen zur Zukunft der deutschen Werke.

Die Arbeitnehmerseite steht einem US-Standort nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Sie fordert aber, dass die internationale Expansion nicht auf Kosten bestehender Produktionsstätten und Arbeitsplätze in Europa geht.

Audi betont seinerseits, Deutschland und Europa blieben das industrielle Rückgrat des Unternehmens.

Trumps Autozölle setzen Audi unter Druck

Hinter den Investitionsplänen stehen erhebliche wirtschaftliche Interessen.

Bislang importiert Audi seine für den amerikanischen Markt bestimmten Fahrzeuge überwiegend aus Europa und Mexiko. Die von Trump verhängten Autozölle haben dieses Geschäftsmodell deutlich verteuert.

Nach Angaben von Reuters belasteten die US-Zölle Audi allein 2025 mit rund 1,2 Milliarden Euro. Hinzu kommen Absatzprobleme in den Vereinigten Staaten und ein schwächeres Geschäft in China.

Mit einer eigenen Fabrik könnte Audi künftig einen Teil dieser Handelsrisiken reduzieren und unabhängiger von Importen werden.

„Wir wollen in den USA dauerhaft wachsen“, erklärte Döllner in der offiziellen Unternehmensmitteilung. Eine eigene Fertigung sei der Schlüssel, um das amerikanische Geschäft nachhaltig zu stärken.

Trump führt die Investitionspläne dagegen auf seine Zollpolitik zurück. Der Präsident fordert ausländische Unternehmen seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus immer wieder auf, ihre Produktion in die Vereinigten Staaten zu verlagern.

Die Ankündigung kommt ihm politisch gelegen. Am 3. November werden das gesamte US-Repräsentantenhaus und ein Teil des Senats neu gewählt. Trumps Republikaner kämpfen um ihre Mehrheiten im Kongress.

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