Die Zahl sexueller Gewaltstraftaten gegen Kinder und Jugendliche in Deutschland ist erneut deutlich gestiegen. Wie aus dem aktuellen Bundeslagebild des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht, registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 17.126 Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern.
Treibende Kräfte sind vor allem digitale Tatformen, der Einsatz Künstlicher Intelligenz sowie Online-Livestreams. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt fordert angesichts der Zahlen schärfere Instrumente wie die IP-Adressenspeicherung.
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Dobrindt: „Erschreckend hohe“ Fallzahlen – IP-Adressenspeicherung?
Die Polizei zählte 2025 damit 772 mehr Delikte als im Vorjahr, wie das BKA in Berlin mitteilte. Bei Jugendlichen stieg die Zahl von 1191 auf 1239 Fälle. Insgesamt wurden 20.051 Minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs. In mehr als der Hälfte der Fälle bestand laut BKA eine Vorbeziehung zwischen Opfern und Tatverdächtigen. Die Zahl der Tatverdächtigen stieg von 12.368 auf 12.823, überwiegend handelte es sich um allein handelnde Männer.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete die Fallzahlen als „erschreckend hoch“. Kinder müssten besonders in der digitalen Welt besser geschützt werden. Für die Ermittlungsarbeit forderte er wirksame Instrumente wie die Speicherung von IP-Adressen.
KI und Livestreams: Starker Anstieg bei Online-Delikten
Sexuelle Missbrauchshandlungen an Kindern ohne Körperkontakt, sogenannte Hands-Off-Straftaten, stiegen laut BKA um 16,5 Prozent auf 4861 Fälle. Straftaten im Zusammenhang mit jugendpornografischen Inhalten erreichten mit 11.515 Fällen einen neuen Höchstwert, ein Plus von 19,9 Prozent. Straftaten mit kinderpornografischen Inhalten sanken leicht auf 41.677 Fälle. Als einen Grund für den Anstieg bei jugendpornografischen Inhalten nannte Dobrindt die niedrigschwellige Verfügbarkeit von Künstlicher Intelligenz, mit der reale Inhalte verändert oder neue erzeugt werden könnten.
BKA-Präsident Holger Münch verwies auf die zunehmende Bedeutung von Livestreaming, bei dem Täter einen meist im Ausland stattfindenden Missbrauch per Onlinestream verfolgten und Anweisungen gäben. Einen Schwerpunkt bildeten die Philippinen. Für das laufende Jahr bezifferte Münch die Zahl solcher Fälle auf 250. Nach Angaben des BKA übermittelte die US-Organisation NCMEC im Jahr 2025 mehr als 100.000 strafrechtlich relevante Hinweise an die Behörde.
Hohe Dunkelziffer: BKA sieht nur die Spitze des Eisbergs
Die Unabhängige Bundesbeauftragte Kerstin Claus erklärte, das Lagebild bilde das tatsächliche Ausmaß sexueller Gewalt im Netz nicht ansatzweise ab. Sextortion, also die Erpressung mit intimen Aufnahmen, nehme deutlich zu. Cybergrooming, die gezielte Anbahnung sexueller Kontakte im Netz, treffe fast jeden Dritten zwischen 14 und 17 Jahren, sei aber bislang nicht strafbar. Jugendliche müssten vor Cybergrooming geschützt und Sextortion als eigene Sexualstraftat erfasst werden, forderte Claus.
Das BKA weist darauf hin, dass die Statistik nur das polizeiliche Hellfeld abbilde. Von einem erheblichen Dunkelfeld sei auszugehen.
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