ARD-Sendung

„Über wessen Sicherheit wird eigentlich geredet?“ Bundeswehr-Offizier stellt sich 20 Kritikern

Ein Offizier trifft bei „Hart aber fair 360“ auf 20 Kritiker. Es geht um Wehrdienst und Milliarden für die Aufrüstung.

4 Min
Marcel Bohnert, <a rel="mw:WikiLink" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oberstleutnant">Oberstleutnant</a> des <a rel="mw:WikiLink" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Heer_(Bundeswehr)">Heeres</a> der <a rel="mw:WikiLink" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bundeswehr">Bundeswehr</a>, war bei einem ARD-Format zu Gast.

Marcel Bohnert, Oberstleutnant des Heeres der Bundeswehr, war bei einem ARD-Format zu Gast.

© Rolf Zoellner/imago

Ein Bundeswehroffizier hat sich bei „Hart aber fair 360“ allein der Kritik von 20 Menschen gestellt. In der Mitte saß Oberstleutnant Marcel Bohnert, um ihn herum Schüler, ein Kinderarzt und ein in Afghanistan schwer verwundeter Veteran.

Moderiert wurde die Runde von Louis Klamroth, das Thema: Wehrdienst, Bundeswehr und der Krieg in der Ukraine. Bohnert war zufolge zuletzt Teil der europäischen Ausbildungsmission für ukrainische Soldaten in Deutschland und zuvor im Kosovo, in Afghanistan und im Irak im Einsatz. Er trat als „Staatsbürger in Uniform“ auf – und sollte erklären, warum Deutschland aufrüstet.

Einer gegen 20: So funktioniert „Hart aber fair 360“

In dem Sonderformat trifft eine einzelne Person auf 20 Gäste, die ihr widersprechen. Den Auftakt machte Levi, Schüler aus Augsburg. Er glaube nicht, dass die Interessen des Offiziers und der Bundesregierung seine eigenen seien. Überall werde gespart, „für die Bundeswehr ist alles da“. Er verwies auf Friedrich Merz und dessen Ziel der „stärksten konventionellen Armee Europas“.

Bohnert hielt dagegen, sein Interesse sei es, „dieses Land zu schützen und seine Bürger zu schützen“.

Atomare Abschreckung: „Wer zuerst drückt, ist als zweites tot“

Der Kinderarzt Alex Rosen, Mitglied der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs, kritisierte die nukleare Abschreckung. Ein System, das nur funktioniere, wenn Technik, Kommunikation und Mensch „stets und immer einwandfrei funktionieren“, sei für ihn „ein System des Risikos“.

Bohnert entgegnete, auch er würde sich eine andere Welt wünschen. Deutschland habe keine eigenen Nuklearstreitkräfte und stehe unter dem amerikanischen Schutzschirm.

Da sich die USA „recht erratisch“ verhielten, müsse sich Europa stärker emanzipieren. Es gelte der alte Satz aus dem Kalten Krieg: „Wer zuerst drückt, ist als zweites tot.“

140 Milliarden für Verteidigung, 14 Milliarden für Gesundheit?

Besonders scharf wurde es beim Geld. Andreas Levin rechnete vor, für den Haushalt 2027 seien 110 Milliarden Euro für Verteidigung plus 30 Milliarden Euro Sondervermögen vorgesehen – zusammen 140 Milliarden Euro. Dem stünden nach seiner Darstellung nur 14 Milliarden Euro für die medizinische Versorgung gegenüber.

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Verteidigungsminister Boris Pistorius habe das als „Sicherheitsversprechen an die Menschen“ bezeichnet, so Levin. Seine Frage: „Über wessen Sicherheit wird eigentlich geredet?“

Bohnert blieb bei seiner Linie: Die Bundeswehr wolle in der Nato so „kampfstark“ sein, dass ein möglicher Gegner einen Angriff gut überdenke.

Wehrpflicht: Warum sich die junge Generation übergangen fühlt

Carl Witthauer, 18 Jahre alt, Mitglied im Landesschülerausschuss Berlin und bei den Grünen, sagte, er sei 2008 geboren und habe „dieses Jahr Post von der Bundeswehr bekommen“. Darüber sei er „mittelmäßig schockiert“ gewesen – auch, weil seine Generation nicht einbezogen worden sei. Er komme aus einer maroden Schule.

Jennifer Rosin kritisierte, der Schutz junger Menschen dürfe nicht davon abhängen, „dass der Staat sie braucht“. Früher habe man über ein Verbot von „Ballerspielen“ diskutiert, nun gälten Jugendliche plötzlich als bereit, mit Leib und Leben einzustehen. Bohnert betonte, niemand strebe den Krieg an – weder die Regierung noch Soldaten.

Veteran vermisst „das andere Ende“ der Aufrüstung

Robert Müller, als Soldat in Afghanistan schwer verwundet, lenkte den Blick auf die Folgen. Bei allem Reden über Kriegstüchtigkeit fehle ihm „das andere Ende“.

In der Ukraine stürben täglich Soldaten, sagte er. Er fragte, ob die Bundeswehr auch „nach hinten raus“ vorbereitet sei: mit Therapeuten, Therapieplätzen und Hilfe für Familien, die ihren Versorger verlören. Rheinmetall dagegen erhalte viel Geld und viele Aufträge.

Was das neue Wehrdienstgesetz vorsieht

Den Hintergrund bildet das neue Wehrdienstgesetz, das im Januar in Kraft trat. Kern ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008 – jene Generation, zu der auch Witthauer gehört.

Bund und Bundeswehr setzen zunächst auf Freiwilligkeit. Werden die Zielzahlen verfehlt, kann der Bundestag über eine Wehrpflicht entscheiden; ausgesetzt hatte er sie 2011.

Bis 2035 soll die Truppe auf 255.000 bis 270.000 aktive Soldatinnen und Soldaten wachsen. In diesem Jahr erreichte die Bundeswehr nach Angaben des Verteidigungsministeriums ihr Personalziel von mindestens 186.000.

„Haben Sie Angst vor der AfD?“ – Bohnerts Antwort

Am Ende fragte Tilmann Friedrich, Student und Mitglied der Linken: „Haben Sie Angst vor der AfD?“ Bohnert wich einer parteipolitischen Antwort aus. Als Soldat sei er Teil der Exekutive und dürfe sich politisch nicht äußern. Das Soldatengesetz verpflichte ihn auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung und zur Abgrenzung von Extremismus „von links und rechts“.

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