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Terroranschlag beim CSD

CSD-Terror: Ermittler befürchten weiteren Anschlag - 285 Hinweise bei der Polizei

Nach der tödlichen Fahrt beim Christopher Street Day fahndet die Polizei nach Abdul Ballout. Bundeskanzler Merz: „Lassen uns nicht einschüchtern!“

Mit diesem Foto fahndet die Polizei nach dem 21-jährigen Verdächtigen Abdul Ballout.

Mit diesem Foto fahndet die Polizei nach dem 21-jährigen Verdächtigen Abdul Ballout.

© Polizei Berlin

Nach dem tödlichen Anschlag auf Teilnehmer des Christopher Street Days (CSD) im Berliner Tiergarten wird die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernehmen. Das kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) am Sonntagnachmittag an. Die Verantwortlichen für den Anschlag werde man „mit aller Härte verfolgen und dann auch vor ein Gericht stellen“.

Nach aktuellen Angaben von Polizei und Feuerwehr wurde bei der Tat mindestens ein Mensch getötet und 29 weitere verletzt, so am Sonntag Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Laut Polizei erlitt eine Frau tödliche Verletzungen; weitere Angaben zur Identität macht die Polizei bislang nicht.

Derweil fahndet die Polizei öffentlich nach dem mutmaßlichen Attentäter, dem 21-jährigen Berliner Abdul Ballout. Noch in der Nacht, gegen 1.10 Uhr, stürmte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) eine Wohnung im Stadtteil Schöneberg.

Transporter rast in Menschenmenge

Dort wurde jedoch niemand festgenommen. „Es war niemand da“, sagt Polizeisprecher Florian Nath. Allerdings soll es noch in der Nacht andernorts eine Festnahme gegeben haben. Dabei soll es sich laut rbb-Informationen um einen Mann mit iranischer Staatsbürgerschaft handeln, der mit im Tatfahrzeug gesessen haben soll. Ein Polizeisprecher sagte der Berliner Zeitung, dass es mehrere Festnahmen gegeben habe. „Wir prüfen jetzt, ob diese Personen im Zusammenhang mit der Tat stehen.“

Gegen 22 Uhr war der Transporter im Bereich des Tiergartens in eine Menschenmenge gerast. Anschließend sollen si ch eine oder mehrere Personen aus dem Fahrzeug entfernt haben; darüber hinaus sollen mehrere Menschen durch Stichwaffen verletzt worden sein.

Offenbar hatte Ballout den Wagen auf seinen Namen gemietet, was die Ermittler zu der Erkenntnis kommen lässt, dass der Mann damit rechnete, erkannt zu werden. Vor diesem Hintergrund bewerten die Ermittler die Gefährdungslage weiterhin als hoch, wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU) am Sonntag bei einer Pressekonferenz am Mittag bestätigte.

Mit Schusswaffe im Netz posiert

Die Ermittlungsakte des Mannes zeichnet das Bild eines IS-Anhängers und Intensivtäters, der den Behörden längst bekannt war. 2025 wollte Abdul Ballout nach Syrien ausreisen, wurde aber im Libanon festgenommen und als deutscher Staatsbürger nach Berlin „zurückgeführt“. Ballout soll einen Anschlag geplant haben. Nach Angaben von Bundesinnenminister Dobrindt  verurteilte ihn das Amtsgericht Tiergarten im Mai 2026 zu einem Jahr und zehn Monaten Haft wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre und zehn Monate gefordert und legte Berufung gegen das Urteil ein. Derweil blieb Ballout auf freiem Fuß.

Dobrindt hat die Bluttat als „islamistischen Terroranschlag“ eingestuft. Auf eine derartige Motivation des Tatverdächtigen deute „alles“ hin, sagte Dobrindt am Sonntag in Berlin. Eine Frau sei getötet worden, zudem gebe es „29 Verletzte und Schwerstverletzte“, sagte der Minister. Zudem wurde der Einsatz einer Machete bestätigt, mehrere Augenzeugen berichteten von Angriffen mit Stichwaffen.

Von den 29 Verletzten wurden nach Angaben von Feuerwehrsprecher drei lebensbedrohlich und acht schwer verletzt, hinzu kommen fünf Leichtverletzte. Weitere Personen wurden behandelt, weil sie einen Schock erlitten hatten. Auch von den 160 Feuerwehrleuten, die vor Ort im Einsatz waren, wurden mehrere Angehörige durch ein Einsatznachsorge-Team betreut.

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Als islamistische Gefährder eingestuft

Laut dem Bundesinnenminister ist der Täter schon in der Vergangenheit „auffällig“ geworden. Dobrindt sprach von einem „hohen Maß von Straftaten“ und einer „islamistischen Radikalisierung“ des 21-Jährigen, nach dem weiterhin intensiv gefahndet wird.

Ballout wurde als sogenannter islamistischer Gefährder eingestuft und deshalb während der Berufungszeit von der Berliner Polizei observiert - allerdings nur zeitweise. Für die lückenlose Rund-um-die-Uhr-Überwachung eines einzelnen islamistischen Gefährders sind nach Angaben von Ermittler mindestens 25 bis 30 Beamte notwendig. Die Zahl dieser Gefährder liegt nach Angaben der Innenverwaltung „in einem mittleren bis moderat hohen zweistelligen Bereich“. Genauere Angaben macht die Behörde nicht.

Als Ballout ein Foto mit einer Schusswaffe im Netz postete, rückten die Beamten zur Wohnungsdurchsuchung an und fanden eine Spielzeugwaffe. Sein Telefon wurde überwacht und er hatte die Auflage, sich wöchentlich bei seinem Bewährungshelfer zu melden.

Er soll sich mit Videos aus dem Internet radikalisiert haben

Unsere Reporterin vor Ort konnte mit Hamsa, einem Bekannten von Abdul Ballout, sprechen: „Wir waren zusammen in der Schule. Er hat oft gefehlt, einen Abschluss hat er nicht. Er war immer zu Hause oder unterwegs irgendwo. Und er hatte sich verändert. Er hat auch so Islam-Videos im Internet kommentiert und war bei irgendwelchen Demos. Wir haben nicht mehr mit ihm gesprochen.“

Am Sonntag leitete die Polizei eine Öffentlichkeitsfahndung ein und stellte ein Foto des mutmaßlichen Täters ins Internet.
In einer gemeinsamen Meldung baten die Polizei Berlin und die Generalstaatsanwaltschaft Berlin um Unterstützung bei der Suche nach dem flüchtigen Mann.

Personenbeschreibung

Die Ermittler beschreiben den Gesuchten wie folgt:

- schlanke Statur
- circa 1,90 Meter groß
- schwarze Haare
- bekleidet mit schwarzem Hoodie und weißer Hose.

Ein Fahndungsfoto veröffentlichte die Polizei über ihre Pressemeldung im Internet.

Nach dem Anschlag sperrte die Polizei den Tiergaren großräumig ab. Mit Hubschrauber, Spürhunden und Wärmebildkameras wurde der Park abgesucht. Der Transporter wurde beschlagnahmt. Die Technische Einsatzeinheit der Polizei transportierte ihn am Sonntagnachmittag in die Tiefgarage des Landeskriminalamtes am Tempelhofer Damm. Dort wird er von der Kriminaltechnik unter anderem auf DNA-Spuren am Lenkrad und Textilfasern auf dem Fahrersitz untersucht.

285 Hinweise bis zum Nachmittag

Nach Abdul Ballout deutschlandweit gefahndet. Auch die Polizeibehörden der Nachbarländer wurden hinzugezogen. Die Fahnder schließen nicht aus, dass der Gesuchte weitere Anschläge begehen könnte. Zahlreiche Bundespolizisten durchsuchten am Vormittag mehrere Fernzüge der Deutschen Bahn, die in Berlin losgefahren waren. Zudem sichten Bundespolizisten und Ermittler des Bundeskriminalamtes die zahlreichen Aufnahmen von Videokameras in der Hoffnung, auf einer von ihnen, den Gesuchten zu entdecken.

Eine öffentliche Fahndung mit dem Foto eines Verdächtigen bringt für Ermittler stets das Problem mit sich, dass sich zahlreiche Menschen melden, die den Gesuchten gesehen haben wollen. Nach dem jüngsten Terroranschlag in Berlin ist das Problem besonders groß.

Bis zirka 16 Uhr gingen am Sonntag bei der Berliner Polizei 285 Hinweise ein, denen jetzt nachgegangen wird. Ein solcher Hinweis war zum Beispiel, dass jemand den flüchtigen Attentäter in der S-Bahn-Station Anhalter Bahnhof gesehen haben wollte. Daraufhin riegelte die Spezialeinheit GSG9 der Bundespolizei den Bahnhof ab und durchsuchte die Anlage - ohne Ergebnis.

Polizei hat Hinweisportal eingerichtet

Die Behörden warnen ausdrücklich davor, den flüchtigen Mann anzusprechen oder direkten Kontakt zu suchen: Er sei „möglicherweise bewaffnet und gefährlich“. Wer die Person antrifft, soll unverzüglich den Notruf 110 wählen.

Die Ermittler fragen zudem: Wer hat Beobachtungen gemacht, die mit der Tat in Verbindung stehen könnten? Und wer kann Angaben zum möglichen aktuellen Aufenthaltsort machen?

Hinweise nimmt die Polizei über ihr Hinweisportal im Internet (be.hinweisportal.de), das Hinweistelefon unter 030 54024111 sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Bundeskanzler Merz: „Wir lassen uns nicht einschüchtern“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nahm am Sonntagnachmittag an einem Trauergottesdienst für die Opfer des tödlichen Anschlags auf den Berliner Christopher Street Day teil. Die Gedenkveranstaltung fand in der St. Marienkirche am Alexanderplatz statt. „Meine Gedanken sind in dieser schweren Stunde bei den Familien und vor allem bei den Verletzten. Ich hoffe, dass sie schnell wieder genesen“, sagte Merz unter anderem.

„Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Christopher Street Days hier in Berlin, aber auch in ganz Deutschland, möchte ich zurufen: Lassen Sie sich nicht einschüchtern! Lassen wir uns nicht einschüchtern! Diese Taten haben nur einen Zweck: Sie sollen unsere Gesellschaft spalten. Sie sollen uns das Wichtigste nehmen, was wir haben – unsere Offenheit und unsere Freiheit.“

Gemeinsam mit Angehörigen und Betroffenen wollte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz der getöteten Frau gedenken und für die Verletzten beten.

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