Demonstrationen

Berlin ist am Samstag lahmgelegt: Zahlreiche Demonstrationen fluten die Stadt

Berlin steht vor einem Wochenende voller Demonstrationen. Besonders im Fokus: Proteste junger Menschen, die sich an den jüngsten Unruhen in Frankreich orientieren.

Annamarie Heller
Annamarie Heller
5 Min
Frankreich macht vor, Deutschland macht es nach: Am Wochenende verspricht die Jugend, laut zu werden.

Frankreich macht vor, Deutschland macht es nach: Am Wochenende verspricht die Jugend, laut zu werden.

© Marcus Golejewski/dpa

Am 31. Oktober 2026 blickt Berlin auf ein bewegtes Versammlungsgeschehen. Neben politischen Parteitagen und sozialen Anliegen stehen vor allem jugendpolitische Proteste und Großveranstaltungen im Fokus, die angesichts des zeitgleich stattfindenden Reformationstages und Halloween zu einem Großeinsatz der Berliner Polizei führen.

Im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit steht an diesem Wochenende der bundesweite Aktionstag der jüngeren Generation. Unter dem Motto „Gegen die Wehrpflicht – Mehr Geld für Klima, Schulen – Bezahlbares Leben für Alle“ hat das Bündnis „Gen Z regelt“, auch bekannt als „Gen Z steht auf“, von 14 bis 19 Uhr eine stationäre Kundgebung am Platz des 18. März direkt am Brandenburger Tor angemeldet.

Die Aktion ist Teil eines bundesweiten Protests in 23 Städten und wird zwischen 15 und 18 Uhr durch einen Demonstrationszug ergänzt. Am Abend setzt sich das Geschehen ab 17.30 Uhr unter dem Titel „Gen Z hat genug!“ vom Rosenthaler Platz über den Weinbergsweg zur Kastanienallee fort. Wegen internationaler Parallelen, wie den Schülerprotesten in Frankreich, sowie der zeitgleichen Halloweennacht blicken die Sicherheitsbehörden mit erhöhter Aufmerksamkeit auf das Geschehen.

Beim Brandenburger Tor bleibt es nicht ruhig

Ebenfalls am Brandenburger Tor / Pariser Platz positioniert sich von 14 bis 18 Uhr das Bündnis „Unblock Cuba“, das im Zuge der jährlichen UN-Vollversammlung ein Ende des US-Embargos und die Streichung des Landes von der US-Liste der Terrorismus-Unterstützer fordert.

Zeitlich und räumlich eng getaktet findet dort zudem ab 12 Uhr der Bürgergipfel für eine „faire und sichere KI“ der Bürgerbewegung „Fairness Jetzt“ statt, der sich als Gegenveranstaltung zum offiziellen Digital-Gipfel der Bundesregierung versteht.

Auch in den Bezirken formiert sich ab dem Vormittag Protest: Die Partei Die Linke Berlin begleitet ihren 10. Landesparteitag im Dong Xuan Center in Lichtenberg in der Herzbergstraße 128 von 9.30 bis 14 Uhr mit einer Kundgebung gegen das ausgehandelte Sondierungspapier zur Regierungsbildung.

Parallel dazu widmet sich eine Kundgebung von 13 bis 15 Uhr auf dem Alexanderplatz der sozialen Lage und den Forderungen von Alleinerziehenden nach besserer finanzieller Entlastung und verlässlicher Kinderbetreuung.

Im Schöneberger Kiez, in der Winterfeldtstraße, ruft zudem die Initiative „1.000.000 Stimmen für den Frieden“ von 10 bis 14.30 Uhr zu einer Informations- und Unterschriftenaktion auf. Sie fordert den sofortigen Stopp von Waffenlieferungen, den Einsatz für diplomatische Verhandlungen sowie eine grundlegende Neuausrichtung der deutschen Außenpolitik.

Berlin rollt für mehr Sicherheit und soziale Anliegen

Im Verkehrsbereich trifft sich zudem am Südstern von 10 bis 12 Uhr ein Kiez-Protest gegen vorschriftenwidriges Radfahren auf Gehwegen. Ziel ist es, auf den Schutz und die Sicherheit von Fußgängern, insbesondere älteren Menschen, Kindern und mobilitätseingeschränkten Personen, auf den Bürgersteigen aufmerksam zu machen.

Zusätzlich prägen großflächige mobile Kundgebungen und Fahrraddemos das Stadtbild. Am Vormittag startet um 11.30 Uhr der „Pink Ride“ des ADFC-Frauennetzwerks vom Urban-Krankenhaus in Kreuzberg. Die angemeldete Fahrraddemo verbindet über drei Etappen und Zwischenstopps an Screening-Zentren in Prenzlauer Berg und Steglitz wichtige Orte der Brustkrebsvorsorge, um auf Früherkennung und Chancengleichheit im Gesundheitssystem aufmerksam zu machen.

Um 16 Uhr folgt in Friedrichshain die familiäre Fahrrad-Demonstration „Kidical Mass“, bei der verkleidete Familien am Frankfurter Tor für kinderfreundliche und sichere Straßen radeln.

Später verlagern sich Proteste mit zwei groß angelegten Korsos auch auf Motorräder. Um 12 Uhr startet am Olympiastadion die Biker-Aktion „Rücksicht statt Rückspiegel“, die mit Spendenlesungen und – passend zu Halloween – oft kostümierten Teilnehmern Spenden für die Suizidprävention bei Jugendlichen sammelt. In Hohenschönhausen startet ab 12.45 Uhr der Umzug „Laute Motoren für leise Stimmen“. Die Biker setzen sich für Kinderrechte, Suizidprävention und mehr Aufmerksamkeit für Jugendliche ein.

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Einschränkungen im Stadtverkehr: Wo es am Samstag eng wird

Aufgrund der Vielzahl an Kundgebungen, Fahrraddemos und Motorradkorsos müssen Verkehrsteilnehmer und Anwohner am Samstag im gesamten Stadtgebiet mit erheblichen Einschränkungen, Straßensperrungen und Verzögerungen beim ÖPNV rechnen.

Rund um den Pariser Platz und den Platz des 18. März kommt es wegen der zeitgleichen Versammlungen „Gen Z regelt“, „Unblock Cuba“ und „Bürgergipfel KI“ von etwa 11.30 bis 19.30 Uhr zu weiträumigen Absperrungen für den Verkehr. Betroffen sind unter anderem Unter den Linden, die Ebertstraße, die Wilhelmstraße sowie angrenzende Kiezstraßen.

Von 17.30 bis circa 23 Uhr kommt es entlang der Aufzugsroute des Demonstrationszugs „Gen Z hat genug!“ zu sukzessiven Sperrungen rund um den Rosenthaler Platz, den Weinbergsweg und die Kastanienallee.

Durch den „Pink Ride“ gibt es zeitweise Einschränkungen von Kreuzberg, Dieffenbachstraße,  über Mitte, Alexanderstraße, Mollstraße, Schönhauser Allee, die Innenstadt, Friedrichstraße, Potsdamer Straße, bis nach Steglitz, Schloßstraße.

Durch die Halloween-„Kidical Mass“ von 16 bis 17 Uhr gibt es kurze Sperrungen rund um das Frankfurter Tor, Warschauer Straße, Frankfurter Allee und Rüdersdorfer Straße in Friedrichshain.

Polizei wappnet sich für Großeinsatz mit 1500 Kräften

Für die Bewältigung des Demonstrationsgeschehens stellt sich die Berliner Polizei auf einen umfangreichen Großeinsatz ein. Wie die Behörde auf Anfrage mitteilte, bildet den Schwerpunkt die Kundgebung des Bündnisses „Gen Z regelt“ am Brandenburger Tor, für die 10.000 Teilnehmende angemeldet sind.

Zwar greifen nach Erkenntnissen der Behörden einzelne Gruppierungen aus dem linken Spektrum die Proteste in Frankreich auf und verbreiten entsprechende Mobilisierungsaufrufe, belastbare Erkenntnisse über eine gezielte extremistische Steuerung oder Einflussnahme liegen der Polizei derzeit jedoch nicht vor.

Um die mehreren zeitgleich stattfindenden Lagen im Stadtgebiet zu bewältigen, werden rund 1500 Einsatzkräfte im Dienst sein. Das Einsatzkonzept der Polizei setzt dabei vorrangig auf Kommunikation und Deeskalation sowie die frühzeitige Gefahrenerkennung, während das Grundrecht der Versammlungsfreiheit geschützt und Straftaten im öffentlichen Raum konsequent geahndet werden sollen.

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