In Sachsen werden wieder komplette Flugzeuge gebaut: Am Flughafen Leipzig/Halle hat der Hersteller Deutsche Aircraft seine neue Endmontagelinie für das Regionalflugzeug D328eco eröffnet. Rund 400 Gäste kamen zur offiziellen Einweihung im neuen Werk in Schkeuditz. Damit kehrt nach mehr als sechs Jahrzehnten der Bau ganzer Flugzeuge in den Freistaat zurück.
Die Kapazität des Standorts ist auf bis zu 48 Flugzeuge pro Jahr ausgelegt. Mit dem Produktionshochlauf sollen rund 250 direkte Arbeitsplätze entstehen.
Die neue Flugzeugfabrik in Schkeuditz erstreckt sich über 60.500 Quadratmeter – das entspricht etwa acht Fußballfeldern. Auf dieser Fläche befinden sich die Endmontagelinie, ein Flugbereitschaftshangar, ein Logistikzentrum und ein Verwaltungsgebäude.
Das Unternehmen investierte nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Euro in das Vorhaben. Der Freistaat Sachsen förderte die Investition mit rund 3,2 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Programm GRW. Leipzig ist dabei nicht der einzige Standort: Entwicklung, Flugerprobung und Zertifizierung bleiben im bayerischen Oberpfaffenhofen. Leipzig übernimmt die Endmontage, die Flugbereitschaft und die Auslieferung an Kunden.
Aus der Dornier 328 wird die D328eco
Die D328eco ist eine Weiterentwicklung der Dornier 328, eines zweimotorigen Regionalverkehrsflugzeugs des deutschen Herstellers Dornier Luftfahrt GmbH. Zwischen 1993 und 2005 wurden 217 Maschinen der ursprünglichen Baureihe gefertigt. Der Hersteller wurde zunächst vom US-Konzern Fairchild übernommen und meldete 2002 Insolvenz an. Die Musterzulassung hält heute die Deutsche Aircraft, eine hundertprozentige Tochter des US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtunternehmens Sierra Nevada Corporation.
Die neue D328eco basiert auf der hier abgebildeten Dornier 328, ist aber um 2,10 Meter gestreckt.
© Aviation-Stock/imago
Beim Nachfolgemodell D328eco wurde der Rumpf um rund 2,10 Meter auf eine Gesamtlänge von 23,31 Metern gestreckt. Statt ursprünglich 30 bis 33 Passagieren bietet die D328eco nun Platz für 40 bis 43 Fluggäste. Das Flugzeug erhält zudem neue Triebwerke, moderne Avionik und ein überarbeitetes Fahrwerk. Nach Angaben des Herstellers soll die Maschine mit 100 Prozent nachhaltigem Flugkraftstoff betankt werden können. Die Entwicklung begann 2020, der Erstflug ist für Anfang 2027 vorgesehen. Das Programm hatte sich durch die COVID-19-Pandemie und den russischen Angriff auf die Ukraine wegen gestörter Lieferketten verzögert.
48 Flugzeuge sollen pro Jahr ausgeliefert werden
Nach Angaben des Herstellers liegen 134 unterzeichnete Absichtserklärungen vor, die bereits mit Anzahlungen hinterlegt seien und im Zuge der Flugerprobung in feste Bestellungen umgewandelt werden sollen. Insgesamt spricht das Unternehmen von einer weltweiten Pipeline mit rund 600 potenziellen Einheiten.
Der einzige namentlich bekannte Erstkunde ist die deutsche Charter- und Bedarfsfluggesellschaft Private Wings. Sie hat eine Absichtserklärung über fünf Flugzeuge unterzeichnet.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter würdigte den Standortentscheid: „Es macht uns stolz, dass Leipzig der Standort für die Endmontage kompletter Flugzeuge ist.“ Das sei ein Vertrauensbeweis in den Wirtschaftsstandort Deutschland und ein Zeichen für den Luftfahrtstandort Sachsen, wo bereits in den 1950er-Jahren eine eigene Flugzeugfertigung aufgebaut worden war.
Damals scheiterte die Baade 152, das erste deutsche Passagierstrahlflugzeug, das beim VEB Flugzeugwerke Dresden unter der Leitung von Brunolf Baade entwickelt wurde. Der vierstrahlige Jet stürzte bei seinem zweiten Testflug nahe Dresden ab. 1961 stoppte die DDR-Führung das Projekt nach ausbleibenden Bestellungen aus der Sowjetunion.
Bis zu 48 Flugzeuge pro Jahr sollen in Leipzig gefertigt werden.
© Jan Woitas/dpa
Der ostdeutsche Flugzeugbau ist heute vor allem als Zulieferer und Dienstleister etabliert: Die Elbe Flugzeugwerke (EFW) in Dresden gelten als Weltmarktführer bei der Umrüstung von Airbus-Passagierflugzeugen der Baureihen A320, A321 und A330 zu Frachtmaschinen (Passenger-to-Freighter, P2F) und fertigen Leichtbau-Bodenplatten für alle weltweiten Airbus-Modelle. Seit kurzem warten sie zudem die NH90-Hubschrauber der Bundeswehr. Im Berliner Umland ist MTU Maintenance in Ludwigsfelde nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei der Instandhaltung kleinerer ziviler Turbinen, während Rolls-Royce in Dahlewitz Triebwerke für Business-Jets entwickelt.
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Der erste Testflug der neuen D328eco soll im ersten Quartal 2027 in Leipzig stattfinden, im gleichen Jahr soll die Zulassung erfolgen. Der Hersteller rechnet mit dem Beginn der Serienfertigung für 2028.
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