Die deutsche Automobilindustrie steht nach Einschätzung des VDA vor tiefgreifenden Einschnitten. „Die Werke bei Herstellern und Zulieferern werden wir so nicht alle halten können“, erklärte Verbandspräsidentin Hildegard Müller in einer Stellungnahme. Die Standortkrise treffe die gesamte europäische Industrie, die Folgen seien täglich sichtbar und würden sich zunehmend verschärfen.
Der Verband verweise seit Jahren auf im internationalen Vergleich ungünstige Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa. Handlungsbedarf bestehe vor allem bei Sozialabgaben, Steuern, Energiepreisen, Bürokratie und einer Flexibilisierung des Arbeitsmarkts, so Müller. Nötig seien zudem ein technologieoffener Ansatz sowie eine Öffnung der Standorte auch für ausländische Hersteller, um Arbeitsplätze zu sichern.
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VW-Werk in Zwickau von Schließung bedroht
Die Unternehmen selbst müssten laut Müller ihre Wettbewerbsfähigkeit neu ausrichten. Dazu gehörten Kostendisziplin, Reformen der Geschäftsmodelle und „leider auch notwendige Personalanpassungen“.
Konkret wird die Debatte durch Berichte über mögliche weitere Einschnitte bei Volkswagen. Weltweit könnten bei VW bis zu 100.000 Stellen wegfallen. Zur Disposition stünden demnach auch die VW-Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm.
Ein VW-Sprecher wollte die internen Unterlagen auf Anfrage dieser Redaktion nicht kommentieren. Er bestätigte jedoch, dass sich der Konzern „tiefgreifend verändern“ müsse. Das bisherige Geschäftsmodell – Entwicklung in Deutschland, Produktion in Europa, weltweiter Export – funktioniere so nicht mehr für alle Marken. Neue Zölle, härterer Wettbewerb und rückläufige Märkte führten zu Belastungen in zweistelliger Milliardenhöhe pro Jahr.
IG Metall und VW-Betriebsrat kündigten in einer gemeinsamen Erklärung Widerstand an. Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würde man sie „mit aller Macht verhindern“, heißt es darin. Erst Ende 2024 waren nach harten Verhandlungen alle VW-Werke gesichert worden.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) kündigte an, eine Schließung in Zwickau verhindern zu wollen. Der Standort Zwickau-Mosel sei der produktivste und innovativste in der Fahrzeugproduktion, sagte er. Nach Angaben des Automobilzulieferer-Verbands AMZ Sachsen stünden bei einer Schließung des Werks rund 20.000 Arbeitsplätze in der Region auf dem Spiel. Netzwerkmanager Dirk Vogel erklärte auf Anfrage, ein Ausweichen auf andere VW-Standorte sei kaum möglich, da auch diese unterausgelastet seien.
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