Bei einem Besuch des Rüstungsproduzenten KNDS im sächsischen Görlitz, wo der Konzern derzeit kräftig in den Ausbau seiner Produktion investiert, übte Kretschmer deutliche Kritik an VW, nahm aber zugleich auch die Bundespolitik in die Pflicht.
Er sei, was Volkswagen angehe, „hin- und hergerissen", sagte Kretschmer. Einerseits sehe er „Fehler in der Vergangenheit" und beklagte, dass sich das Unternehmen aktuell nicht an seine Zusagen halte, Zwickau zum Leitwerk der Elektromobilität zu machen.
Andererseits sei die Schieflage nicht allein den Managern des Konzerns oder der deutschen Automobilindustrie anzulasten: „Deutschland ist nicht wettbewerbsfähig", konstatierte der Ministerpräsident. „Wir sind zu teuer, wir sind zu langsam. Wir wissen das alles und müssen aus diesem Modus raus.“
„Der Osten ist immer noch das fünfte Rad am Wagen“: VW-Werk in Zwickau vor dem Aus
Volkswagen sei der „zentrale Markenkern der Bundesrepublik Deutschland“. Wenn sich der Konzern so herunterfahre, „wie es sich jetzt andeutet, dann ist das ein ganz, ganz schlechtes Zeichen für den Wirtschaftsstandort Deutschland“. Sein Anspruch sei klar: In Zwickau und Mosel, der „Wiege des deutschen Automobilbaus", sollten auch in den nächsten Jahrzehnten Autos gebaut werden – „und zwar nicht irgendwelche Autos, sondern Volkswagen“.
Mercedes als Vorbild, Appell an Berlin
Mut mache ihm der Vorstoß von Mercedes, betonte Kretschmer. Dort habe man signalisiert, bei anständigen Löhnen und Arbeitsbedingungen etwas mehr zu arbeiten, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Wenn Bundesregierung, Wirtschaft und vor allem die Gewerkschaften in diesem Geist anpackten, bestehe „eine große Chance, Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen“.
Noch läuft hier die Produktion: Die Beschäftigten des VW-Werks in Zwickau blicken in eine ungewisse Zukunft.
© Sylvio Dittrich/Imago
An die Bundespolitik gerichtet sagte er: „Es muss doch möglich sein, dass wir jetzt langsam auch in Berlin alle miteinander aufwachen und dafür sorgen, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden.“ Sein Credo: „Ich möchte nicht, dass sich Deutschland runterfährt.“
Eine Übernahme des Zwickauer Werks durch einen Rüstungskonzern schloss Kretschmer aus. Die Anforderungen von Automobilbau, Rüstung sowie Luft- und Raumfahrt seien „so diametral auseinander, dass sich selten Synergien ergeben“.
VW-Stellenabbau könnte sich verdoppeln
Hintergrund der Äußerungen sind alarmierende Berichte über die Sanierungspläne bei Volkswagen. Laut Manager Magazin könnte der Konzern in den kommenden Jahren bis zu 100.000 der derzeit rund 657.000 Stellen streichen – doppelt so viele wie bislang angekündigt.
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Mittelfristig stehen demnach vier Werke vor der Schließung: Hannover, Emden, das Audi-Werk Neckarsulm sowie Zwickau. Der sächsische Standort beschäftigt rund 8.000 Menschen und fertigt seit Juni 2020 ausschließlich Elektrofahrzeuge. Eine Beschäftigungssicherung gilt bei VW bislang bis Ende 2030.
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