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Vorwort
Seit Jahrhunderten lebt ein kleines slawisches Volk unter, neben und mit den Deutschen. Es unterscheidet sich bis heute von den Deutschen durch eine eigene Sprache, eigene Sitten, Bräuche und Traditionen sowie eine eigene Hymne und Fahne.
Vor allem die Industrialisierung sowie juristische und politische Restriktionen bewirkten, dass die slawische Mehrheitsbevölkerung in ihrem Siedlungsgebiet im Verlaufe der Zeiten zu einer ethnischen Minderheit wurde.
Mit allen deutschen „Obrigkeiten“ gab es mal mehr, mal weniger heftige Differenzen. Dabei passte sich das Verhalten vieler Lausitzer Slawen an die Verhältnisse an, ohne dass sie ihre slawische Identität vollständig aufgaben. Andererseits gab es stets Gruppen und Persönlichkeiten, die sich dafür engagierten, über die eigenen Angelegenheiten, Rechte und Interessen selbst bestimmen zu können.
Wesentliche Momente dieses Ringens aus den letzten knapp 200 Jahren sollen hier nachgezeichnet werden.
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Alois Andritzki (obersorbisch Alojs Andricki)
© Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut in Bautzen
1936 feierten die Nazis mit den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen und Berlin einen großen politischen Erfolg. Die Olympischen Spiele legten einen schönen Schein auf das Dritte Reich. Die „Nürnberger Gesetze“ waren in Kraft. Reichstagsbrand und darauffolgende Einschüchterung der Bevölkerung durch Inhaftierung, Verfolgung, Ausschaltung des Parlaments, Terror und Außerkraftsetzung der bürgerlichen Grundrechte waren von vielen ebenso vergessen wie die Bücherverbrennung unter dem Motto „Wider den undeutschen Geist“. 1936 gab der vom Goebbels-Ministerium finanzierte Gesamtverband Deutscher Antikommunistischer Vereine e.V. das 500-seitige Machwerk „Der Weltbolschewismus: Ein internationales Gemeinschaftswerk über die bolschewistische Wühlarbeit und die Umsturzversuche der Komintern in allen Ländern“ unter der Verantwortung von Adolf Ehrt (1902–1975) heraus.
Je fester die Nazis im Sattel saßen, desto rigoroser bekämpften sie auch die Domowina und führende Persönlichkeiten des sorbischen Volkes. 1936 sollte die „sorbische Frage“ endgültig gelöst, d.h. als gegenstandslos dargestellt werden. Es hatte keine Sorben zu geben, sondern nur wendisch sprechende Deutsche. Im Vorfeld der Olympischen Spiele wurden die zuständigen Stellen verpflichtet, dafür zu sorgen, dass keine Bilder aufgenommen werden, die es insbesondere der polnischen und tschechischen Presse ermöglichen könnten, über die Existenz eines slawischen Volkstums in der Lausitz zu informieren.
Wie bei der aus ihrer Sicht „erfolgreichen“ Sievert-Herman-Farce wählten deutsche Sorbenfeinde erneut einen scheinbar formal-organisatorischen Weg. Am 13. Januar 1936 erhielt der Domowina-Vorstand eine vom Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern genehmigte neue Satzung. Amtshauptmann Sievert wies den Vorsitzenden Pawol Nedo an, diese Satzung zum Beschluss zu erheben. Andernfalls werde man die Domowina auflösen.
Die Nazi-Zwangssatzung definierte die Domowina in Paragraf 1 als „Bund wendischsprechender Deutscher e.V.“, legte in Paragraf 3 fest, der Bund habe „sich der Stammes- und Brauchtumsfragen des wendischen Stammes im Rahmen des deutschen Volkes und Staates anzunehmen“, und bestimmte in Paragraf 4, dass „jeder ehrbare wendischsprechende Deutsche und jede ehrbare wendischsprechende Deutsche“ Mitglied werden kann. „Parallel“ zu diesem Druck auf die Domowina drängten die Nazis sorbische Vereine, sich von der Domowina abzuspalten und sich dem Bund Deutscher Osten (BDO, bis 1937 geführt von Theodor Oberländer) oder anderen faschistischen Organisationen anzuschließen.
Unter, neben und mit uns: Die Lausitzer Slawen, Teil 1: Ein Echo der 1848er-Revolution
Skala und Andricki argumentieren furchtlos
Für den 19. Januar 1936 berief Nedo eine Aktivkonferenz von Domowina-Vertrauensleuten ein. Viele von ihnen waren zunächst ratlos, wie man sich verhalten solle. Sie mussten mit der Teilnahme von Gestapo-Spitzeln rechnen. Jeder wusste, man kam schon für eine unbedachte Formulierung in „Schutzhaft“ oder ins KZ.
Vor allem der Publizist Jan Skala und der katholische Kaplan Alojs Andricki (1914–1943) argumentierten dennoch furchtlos und offen. Skala rief in der Versammlung die Anwesenden zu einem gemeinsamen feierlichen Schwur auf, ihrer Nationalität treu zu bleiben und sich nicht zu ergeben.
Pawoł Krawc-Lemišowski (1901–1980) hat in dem Büchlein „A tola Serbam lipa kće („Und doch blüht den Sorben die Linde“) festgehalten:„Wir wussten, dass diese Versammlung unter der Aufsicht der Gestapo stattfand […] Viele Versammelte brachten ihre ablehnende Haltung zum Ausdruck. Alle waren sehr vorsichtig, wohl wissend, dass Festnahmen und Leiden im Konzentrationslager drohten. […] Mein abgelesener Beitrag wurde trotz verschiedener ‚Honigsätze‘ auf die Gerechtigkeit des Nationalsozialismus und ‚unseren Kanzler Adolf Hitler‘ so verstanden, wie ich das beabsichtigt habe […] Kaum dass ich fertig war, sprang Bruder Skala auf und verurteilte furchtlos die unmöglichen Forderungen der Regierung. Auch er forderte mit begeisternder Stimme alle auf, mutig mit Bruder Nedo zusammenzustehen. Nach Bruder Skala erhob sich ein junger Mensch. Auf einem Stuhl stehend, sprach er begeistert für die Ablehnung der Forderungen der Regierung und forderte uns alle auf, dass wir schwören, Bruder Nedo nicht zu verlassen, was immer auch geschieht. Der junge Mann war unser unvergessener Bruder Andricki, den die Faschisten später im KZ umbrachten. Alle Anwesenden folgten dem Aufruf und einstimmig klang es im Saal: ‚Wir schwören‘. Bruder Nedo bedankte sich tief gerührt für das ausgesprochene Vertrauen.“
Mit diesem Schreiben informierte Pawol Nedo über das Verbot der Domowina.
© Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut
Aufenthaltsverbot der Gestapo mit angedrohter Verhaftung bei Zuwiderhandeln
© Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut
Mit harten Worten wiesen die versammelten Sorben das Ansinnen des Nazi-Staates zurück. Die Vertrauensleute lehnten einstimmig den erniedrigenden Entwurf ab und verabschiedeten eine bittere Protestresolution. Das Vorgehen des Nazis wurde als „unerträglich und unzulässig“ bewertet, weil es darauf ziele, „den Volkstumscharakter der Lausitzer Sorben und ihrer Volkstumsorganisation durch Anordnungen und Befehle zu beseitigen“.
Am 15. März 1936 begründete Dr. Jan Cyž die sorbische Satzung auf einer Domowina-Hauptversammlung und erfuhr deutliche Zustimmung. Die Domowina wurde in Paragraf 1 als „Bund der Lausitzer Sorben e.V.“ definiert, legte in Paragraf 3 fest, „sich der Erhaltung und Förderung des sorbischen Volkstums und seiner Kultur im Rahmen des deutschen Staates anzunehmen“, und bestimmte, dass „jeder ehrbare Lausitzer Sorbe und jede ehrbare Lausitzer Sorbin sowie jede Vereinigung von Lausitzer Sorben Mitglied werden kann“.
Durch so viel sorbisches Selbstbewusstsein waren die Behörden verunsichert. Noch im März 1936 ordnete die Wendenabteilung an, alle Domowina-Bekanntmachungen müssen in deutscher Sprache erscheinen. Der sorbische Text könne kleingedruckt folgen.
Wenige Tage später, am 7. April 1936, fand in der Sächsischen Staatskanzlei erneut eine Besprechung zur Wendenfrage statt. Teilnehmer waren u.a.: „Oreg. Rat Dr. Tietje (Reichs-u. Pr. Min d. Innern), Vort. Leg. Rat Dr. v. Twardowski (Auswärtiges Amt), die Herren Reg. Rat Dr. Krieg und Reg. Rat Gentz vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda bzw. für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, der Bautzener Amtshauptmann Dr. Sievert und Prof. Dr. Oberländer (Bundesleiter des BDO)“.
Nach der vertraulichen Niederschrift unterstrich Tietje, „daß die Wendenfrage eine politische und die Wendenpolitik ausschließlich Sache der Regierung sei“. In der Auslandspresse sei in letzter Zeit eine deutliche Verbindung der polnischen Minderheitenpropaganda mit der wendischen Frage feststellbar. „Das Bindeglied sei unschwer in Person des Jan Skala, Berlin, zu finden, der das ihm reichlich zur Verfügung stehende wendische Material im Rahmen [...] auszuschlachten bestrebt sei.“ Erforderlich sei es jetzt, dass „Angriffe nicht gegen die Domowina oder gegen das Wendentum als solches, sondern ausschließlich gegen Einzelpersonen gerichtet werden“. Gegen Skala oder z.B. den „als ziemlich radikal bekannte(n) wendische(n) Assessor Dr. Ziesche“ (sorbisch: Dr. Cyž) sowie andere „besonders gefährliche Radikalinskis käme evtl. die Verhängung von Aufenthaltsverboten durch die Gestapo in Frage.“
Der BDO-Chef Oberländer forderte, es müsse nunmehr ein eindeutiger Weg mit schnellen Fortschritten gegangen werden, wenn die Domowina die Wenden nicht weiter politisieren solle. Er sprach sich „für ein Verbot der wendischen Sprache – so weitreichend wie möglich – aus“. Unbedingt sei daran festzuhalten, die Sorben als wendischsprachige Deutsche zu klassifizieren. Die Teilnehmer einigten sich darauf, „dass die Regierung so eng wie möglich mit dem BDO zusammenarbeiten sollte“.
Jan Skala
© Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut in Bautzen
Die Domowina trotzt dem Druck der Nazis
Sievert forderte danach bis Mai 1936 Nedo mehrfach auf, die Satzungsfrage von der Tagesordnung künftiger Hauptversammlungen zu nehmen bzw. die sorbische Fassung der Satzung ruhen zu lassen. Die Auseinandersetzung darum, welche Satzung gültig sei, wurde so 1936 quasi zu einer „Schicksalsfrage“ für das sorbische Volk.
Eine außerordentliche Hauptversammlung bestätigte am 25. November 1936 die eigene Satzung. Zur Nazi-Fassung teilte die Versammlung am 27. November dem Amtshauptmann schriftlich mit, „daß der Entwurf in einer Reihe von schwerwiegenden Fragen Unklarheiten enthält“, die Leitung der Domowina sei ermächtigt, die selbstständig ausgearbeitete Satzung „als geltend zu betrachten“.
Die von den Nazis angestrebte „Gleichschaltungs-Ruhe“ unter den Lausitzer Slawen war nicht erreicht. Im Dezember 1936 und im Februar 1937 beschlossen daraufhin Reichsregierung und NSDAP, die Domowina zu zwingen, bis Mitte März 1937 die NS-Satzung von 1936 anzunehmen. Akten der Sächsischen Staatskanzlei belegen, dass am 15. Februar 1937 Vertreter des Innen- und Außenministeriums Instruktionen ausarbeiteten, in denen es u.a. heißt: „Die Domowina wird gezwungen“, die staatliche Satzung anzunehmen; dem Domowina-Vorsitzenden „wird ein Ultimatum gestellt“; bei Nichtannahme „werden alle Veranstaltungen von der Polizei verboten“.
Am 18. Februar 1937 teilte Amtshauptmann Sievert Nedo mit, die weitere Betätigung der Domowina werde nur auf der Grundlage einer Definition der slawischen Sorben als „wendisch sprechende Deutsche“ geduldet. Andernfalls würden alle Veranstaltungen verboten werden.
Der Domowina-Vorstand reagierte mit einem Schreiben vom 23. Februar 1937 und stellte klar, dass „es sich bei der Satzungsfrage nicht nur um die Regelung einer formalen Angelegenheit (handelt)“, sondern Sinn und Zweck der Domowina im Kern berührt werde. Deshalb lehne man die Forderungen der übermittelten Satzung ab […] Daran „vermag auch die Androhung von Folgen, die wir hiermit als völlig grundlos und unberechtigt mit aller Entschiedenheit zurückweisen, nichts zu ändern“.
Vor allem die Bezeichnung der Domowina als Bund „wendisch sprechender Deutscher“, der unklare Begriff von den Sorben als „wendischer Stamm des deutschen Volkes“ sowie die Möglichkeit, dass Nichtangehörige des sorbischen Volkstums Mitglied werden können, weise man zurück, „da die Erfüllung dieser Forderung eine Verantwortungslosigkeit sondergleichen dem sorbischen Volkstum gegenüber bedeuten würde“.
Pawol Nedo
© Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut in Bautzen, Fotograf: Kurt Heine
Gestapo beschlagnahmt Vermögen der Domowina
Diesem Vorgehen und dieser Begründung stimmte die Hauptversammlung am 7. März 1937 zu. Erneut fand die dem faschistischen Druck widerstehende Haltung von Nedo, Skala und Cyž auf demokratische Weise Zustimmung. Die Teilnehmer der Hauptversammlung waren sich zweifelsohne des großen Ernstes ihrer Entscheidung bewusst. Sie ahnten sicher auch, welche Gefahren ihnen und ihren Familien drohten, aber sie liebten ihr sorbisches Volk, seine Kultur, die Lausitz, und sie lehnten zugleich die rassistische, antislawische, menschenrechtsfeindliche Terrorisierung ihres Volkes mit Würde, Mut und Standhaftigkeit ab. Das sorbische Nationalbewusstsein, dessen bedeutende Komponente das Bekenntnis zum Slawentum war, wurde so zur geistigen Grundlage dieser Opposition gegen das faschistische Regime.
Die Domowina gewann so neue Sympathien, weil viele Sorben erkannten: Mit dieser Satzung definierte sich die Domowina als ernst zu nehmende Interessenvertreterin des sorbischen Volkes und widersprach der rassistischen Unterdrückungspolitik. Anerkannt wurde zudem, dass die Satzung sich auf humanistische Prinzipien gründete und bewusst das slawische Wesen der Sorben aufnahm.
Am 18. März 1937 verbot Sievert, Chef der Wendenabteilung und insofern verlängerter Arm des Reichsinnenministeriums, in einer mündlichen Erklärung gegenüber Pawoł Nedo die Domowina, weil ihre Tätigkeit „als gegen die Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung gerichtet angesehen“ wird. Sievert verbot zugleich, diese Erklärung in der sorbischen Presse bekanntzumachen. Damit hatten die Nazis der Germanisierung und der Schaffung ihrer „Volksgemeinschaft“ neuen Auftrieb gegeben und die sorbische Bewegung zerschlagen. Deren bekannteste Vertreter wurden verschärft überwacht und verfolgt.
Im Juni 1937 verbot die Wendenabteilung 13 sorbische Vereinigungen, darunter die Maćica Serbska und den Cyrill-und-Method-Verein. Am 16. August 1937 wurde der sorbische Student Jurij Mercink, zugleich Vorsitzender des Vereins sorbischer Studenten in Prag (Serbowka), an der deutsch-tschechischen Grenze verhaftet, weil er Flugblätter der Domowina bei sich hatte. Er kam ins Polizeigefängnis nach Dresden und später ins KZ.
Am 24. August 1937 erschien die letzte Ausgabe der Serbske Nowiny. Wissenschaftliche und religiöse sorbische Zeitschriften durften nicht mehr erscheinen. Am 25. August 1937 besetzte die Gestapo das Sorbische Haus in Bautzen, verhaftete Cyž, Inhaber der sorbischen Buchdruckerei und Verlagsbuchhandlung, und beschlagnahmte dort lagernde Schriftstücke, Archivalien und das Vermögen der Domowina.
Die Lausitzer Slawen, Teil 2: Deutsche Konspiration gegen sorbische Demokraten
Sie nannten ihn „Dr. Flosse“: Der Mann, der in der DDR das Meer ins Aquarium holte
Ingmar Bergmanns Metapher ist hier gültig
Die Jahre 1936/37 sind im Hinblick auf die terroristische Herrschaft der Nazis und – darin eingeschlossen – für die rassistische Bekämpfung der Sorben Jahre zwischen „noch nicht“ und „doch schon“. Die später von Ingmar Bergman gefundene Metapher vom Schlangenei ist hier gültig. Noch ist das faschistische Reptil nicht vollends geschlüpft, aber durch die dünne, transparente Eischale sieht man schon deutlich: Das Herz schlägt kräftig, die Giftzähne sind voll entwickelt, alle Muskeln sind zum Zupacken gespannt.
Noch war es für so manchen Deutschen eine Zeit wirtschaftlichen Erfolgs, mitunter zwar vom Zuhalten der Augen, der Ohren und des Mundes begleitet. Schon aber können die Sehenden, Hörenden und Denkenden erkennen: Das System Hitlers ist durch Terror und Unterdrückung gekennzeichnet. Dazu waren rassistische Volksverhetzung und Beseitigung moralischer und rechtlicher Standards im Umgang mit andersethnischen Menschen unverzichtbar.
Bedenkt man den sorbischen Widerstand gegen die NS-Zwangssatzung im politischen Umfeld der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre, muss man seinen Akteuren noch heute Hochachtung bezeugen. Stellvertretend für viele Unbekannte seien hier neben Nedo, Cyž, Andricki und Skala noch Mĕrćin Nowak-Njechorński, Marko Smoler, Pawoł Lubjeński, Pawoł Krawc, Herman Bjenada, Jurij Šewčik, Jakub Cyž, Franc Natuš, Jan Haješ, Jan Wjenka und Arnošt Simon genannt. Sie und tausende andere Lausitzer Slawen waren eben nicht „wendischsprechende Deutsche“ sondern selbstbewusste deutsche Staatsbürger sorbischer Nationalität.
Kaplan Delan bringt weise Worte ein
Bis heute jedoch gibt es zu dieser Sicht auch sorbischen Widerspruch. Immer mal wieder begegnete mir in Diskussionen und Lesungen die Auffassung, entscheidender Auslöser des Verbots aller sorbischen öffentlichen Aktivitäten 1937 sei doch die Widerstandshaltung der Domowina gegen die Benennung als „wendischsprechende Deutsche“ gewesen. Ich halte das für zweifach falsch.
Zum einen hieße das, es wäre für die Sorben besser gewesen, sie hätten das Nazi-Ultimatum akzeptiert. Das jedoch wäre die „freiwillige“ Aufgabe und Zerstörung des slawischen Charakters des sorbischen Volkes gewesen. Zum anderen trügen die hier schon genannten und viele ungenannte sorbische Patrioten Mitverantwortung für das Domowina-Verbot. Damit wäre die historische Wahrheit über die Berechtigung ihres Widerstands ins extreme Gegenteil verkehrt und die weitere Ausprägung sorbischen Selbstbewusstseins würde gelähmt.
Der katholische Kaplan Jurij Delan meinte schon 1921: „Erst die Geschichte macht ein Volk dazu, was es ist.“ Seinen Landsleuten rief er zu: „Und dich sorbisches Volk fordern wir auf: Lerne deine Geschichte kennen.“
Peter Kroh, 1944 in Namslau (Schlesien) geboren, Enkel und Biograf des sorbischen Poeten, Journalisten und Minderheitenpolitikers Jan Skala, veröffentlichte 2014 das Buch „Minderheitenrecht ist Menschenrecht. Sorbische Denkanstöße zur politischen Kultur in Deutschland und Europa“.
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