Die Berliner Linke-Politikerin Elif Eralp war Mitglied der Roten Hilfe, die vom Verfassungsschutz dem linksextremistischen Spektrum zugerechnet und beobachtet wird. Nach Angaben ihrer Partei endete die Mitgliedschaft im vergangenen Jahr.
Belegt ist Eralps Zugehörigkeit durch offizielle Unterlagen des Berliner Abgeordnetenhauses. Sowohl in einer Ausgabe des Abgeordnetenhandbuchs aus dem Jahr 2022 als auch in der zweiten Auflage aus dem Juli 2023 wird unter ihren offengelegten Mitgliedschaften ausdrücklich die Rote Hilfe e. V. aufgeführt.
In der dritten Auflage des Handbuchs mit Stand vom 8. Oktober 2025 fehlt die Organisation dagegen. Dort nennt Eralp unter anderem ver.di, Amnesty International, die VVN-BdA, Die Linke und Vielfalt in Kultur. Auch auf ihrem aktuellen Profil beim Abgeordnetenhaus ist die Rote Hilfe nicht mehr aufgeführt.
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Linke: Eralp war „über Jahre passives Mitglied“
Auf Anfrage der FAZ teilte die Berliner Linke mit, Eralp sei während ihres Jurastudiums der Roten Hilfe beigetreten. Sie habe Menschen unterstützen wollen, die sich für linke und soziale Anliegen engagierten, aber nicht über ausreichende finanzielle Mittel für juristischen Beistand verfügten.
Anschließend sei Eralp „über Jahre passives Mitglied“ gewesen. Im Jahr 2025 sei sie schließlich wegen „teilweise anderer politischer Ansichten“ ausgetreten, noch bevor sie als Spitzenkandidatin der Berliner Linken nominiert wurde, erklärte die Partei. Eralp habe ihre Mitgliedschaft über die Angaben des Abgeordnetenhauses transparent gemacht.
Verfassungsschutz beobachtet die Rote Hilfe
Der Berliner Verfassungsschutz ordnet die Rote Hilfe eindeutig dem Linksextremismus zu. Im aktuellen Bericht für 2025 bezeichnet die Behörde die Berliner Ortsgruppe als die „mit Abstand größte linksextremistische Organisation der Stadt“. Ihr Unterstützungspotenzial beziffert sie auf 2650 Personen, nach 2600 im Vorjahr.
Nach Einschätzung des Berliner Verfassungsschutzes unterstützt die Organisation Menschen materiell und politisch, gegen die wegen politisch motivierter Taten ermittelt wird. Entscheidend sei dabei die linke politische Motivation. Die Behörde begründet die Beobachtung mit der Gegnerschaft der Organisation und ihrer Entscheidungsträger zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung.
Dabei trifft der Verfassungsschutz ausdrücklich eine wichtige Unterscheidung: Nicht alle Mitglieder der Roten Hilfe verfolgen dem Bericht zufolge selbst verfassungsfeindliche Ziele. Allein aus einer Mitgliedschaft lässt sich deshalb keine entsprechende persönliche Einstufung Eralps ableiten.
Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz führt die Rote Hilfe im Bereich Linksextremismus. Im Verfassungsschutzbericht 2024 bezeichnet die Bundesbehörde den Verein mit damals rund 14.400 Mitgliedern als die größte und eine der wichtigsten Gruppierungen im deutschen Linksextremismus. Nach Einschätzung des Bundesamtes bietet die Organisation innerhalb der Szene einen „Legitimationsrahmen“ für Straf- und Gewalttaten und unterstützt die Anwendung von Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzung.
Die Rote Hilfe beschreibt sich selbst dagegen als „parteiunabhängige, strömungsübergreifende linke Schutz- und Solidaritätsorganisation“. Laut ihrer Satzung unterstützt sie Menschen, die aufgrund ihrer politischen Betätigung verfolgt, vor Gericht gestellt oder zu Geld- und Gefängnisstrafen verurteilt werden.
Mitgliedschaft wird nach Berliner Wahlsieg politisch relevant
Bekannt wird Eralps frühere Mitgliedschaft wenige Tage nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl. Die Linke wurde nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft. Eralp gewann zudem ihren Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 1 direkt.
Damit steht die frühere Mitgliedschaft der Spitzenkandidatin nun auch im Zusammenhang mit den Gesprächen über die künftige Berliner Regierung. Für eine persönliche Einstufung Eralps als Linksextremistin gibt es aufgrund der Mitgliedschaft allein jedoch keine Grundlage.
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