Zwischen Dresden und Taipeh liegen mehr als 9.000 Kilometer – und doch rücken beide Regionen wirtschaftlich immer enger zusammen.
Im Anschluss an ein Gespräch mit dem taiwanesischen Wirtschaftsminister Kung Ming-hsin hat der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) gegenüber dieser Zeitung eine neue Personalie mit weitreichenden Befugnissen bekanntgegeben.
Mit sofortiger Wirkung gibt es im Sächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SMWA) die Funktion eines „Taiwan Desk Officers“.
Dahinter verbirgt sich ein Ministerialbeamter mit Sonderaufgabe: Er soll als zentrale Schnittstelle zwischen dem Partnerland, künftigen Unternehmensansiedlungen und den Anliegen der sächsischen Kommunen und des Freistaates wirken – etwa in Fragen des komplizierten Planungsrechts, an dem manches Großprojekt schon ins Stocken geriet.
Für Panter ist die Einsetzung des Amtes weit mehr als eine verwaltungstechnische Formalie. Er versteht sie als wichtigen Schritt hin zu einem „Taiwan Hub" für ganz Sachsen. Das erklärte Ziel: Nicht nur der Großraum Dresden, auch die Regionen um Leipzig und Chemnitz sollen vom anhaltenden Halbleiter-Boom profitieren.
„Weniger abhängig von einem Sektor“
Rückendeckung erhält der Minister aus der Landeshauptstadt. „Mit einer solchen Vorgehensweise machen wir uns langfristig als Wirtschaftsstandort weniger abhängig von einem einzigen Sektor, etwa der Autoindustrie", kommentierte Dresdens Wirtschaftsbürgermeister Jan Pratzka, der ebenfalls in Taipeh weilt, die Entscheidung.
Panters Selbstbewusstsein ist dabei kaum zu überhören: „Sachsen ist unter den Top-3-Standorten für Halbleitertechnologie in Europa. Ich möchte, dass man in Taiwan beim Thema Chip-Produktion an die EU, dann an Deutschland und dann an Sachsen denkt.“
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Der Anspruch ist ambitioniert – aber nicht aus der Luft gegriffen. Die Ansiedlung großer Chip-Hersteller im Raum Dresden hat dem Freistaat in den vergangenen Jahren Milliarden-Investitionen und internationale Aufmerksamkeit beschert. Taiwan gilt weltweit als das Herz der Halbleiterindustrie. Wer diese Verbindung institutionell verankert, sichert sich einen strategischen Vorteil.
Ein Mann mit China-Erfahrung an der Spitze
Die neue Aufgabe übernimmt Alexander Ahrens. Der 66-Jährige bringt eine für dieses Amt geradezu maßgeschneiderte Vita mit: studierter Jurist und Sinologe - er studierte 1987-88 in Taiwan - beruflich bereits in Hongkong und Shanghai als Firmenjurist für deutsche Industrieunternehmen tätig. Zudem war er viele Jahre Oberbürgermeister von Bautzen sowie Beauftragter des Freistaates Sachsen bei der EU. Sowohl die asiatische als auch die kommunale und europäische Perspektive vereint Ahrens damit in einer Person – eine seltene Kombination.
Einen sächsischen Nussknacker als Gastgeschenk: Wirtschaftsminister Dirk Panter traf seinen taiwanesischen Amtskollegen Ming-Hsin Kung für ein Gespräch in Taipeh.
© SMWA
Unterstützung erhält er vor Ort: Seit knapp einem Monat begleitet David Michel im German Institute Taipeh die Zusammenarbeit zwischen Taiwan und Sachsen. Michel war zuvor viereinhalb Jahre Referatsleiter in der Sächsischen Staatskanzlei und kennt die Verwaltungsabläufe im Freistaat aus erster Hand.
Rund 80.000 Menschen arbeiten in und um Dresden in der Halbleiterindustrie, über 2.500 Unternehmen bilden ein Mikroelektronik-Custer - ab 2027 produziert hier das erste europäische TSMC-Werk. Zuletzt meldete der Branchenverband, dass die Zahl der Beschäftigten in der Region auf rund 82.500 gestiegen sei – knapp zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Prägende Namen sind Bosch, Globalfoundries und Infineon.
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