Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak hat sich am Montagabend zu seinem von Firas Remmo veröffentlichten Chat geäußert und um Entschuldigung gebeten. Koçak bestätigt, mit Remmo geschrieben zu haben. Zugleich erklärt er, zunächst nicht gewusst zu haben, mit wem er es zu tun hatte. Kurz danach sei ihm dies bekannt geworden. Firas Remmo ist ein Sohn von Issa Remmo, der als Oberhaupt der bekannten Berliner Großfamilie Remmo gilt.
„Die Berichte über Chatverläufe zwischen mir und Firas Remmo haben die Öffentlichkeit verunsichert“, schrieb Koçak auf X und Instagram. „Zu Recht: Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen.“ Er verstehe, dass „schon der Anschein solcher Nähe lückenlos ausgeräumt werden muss“.
Koçak erklärt den Kontakt mit dem Clanmitglied damit, dass er regelmäßig Menschen dazu aufrufe, sich an politischen Aktionen zu beteiligen. Im Zuge eines solchen Aufrufs habe sich auch Firas Remmo bei ihm gemeldet. Er kommuniziere jede Woche über soziale Medien mit Hunderten Menschen aus Neukölln und habe mit Remmo geschrieben „wie mit jedem anderen Neuköllner auch“ und dessen Vater „mit Höflichkeit zurückgegrüßt“.
„Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Kenntnis davon, um wen es sich handelt“, schreibt Koçak. Das sei ihm „erst kurz danach bekannt“ geworden. Den Kontakt brach er daraufhin jedoch nicht vollständig ab. „Dass ich ihm danach schrieb, wie ich es üblicherweise mit vielen Leuten tue, wenn ich Reden veröffentliche, war ein Fehler, für den ich um Entschuldigung bitte“, erklärt der Abgeordnete.
Koçak kündigte zugleich an, Konsequenzen aus dem Vorgang zu ziehen. Als Person des öffentlichen Lebens trage er „besondere Verantwortung“. Er werde sich nun die Zeit nehmen, sein Kommunikationsverhalten gemeinsam mit seinem Team aufzuarbeiten, „jeden Zweifel auszuräumen“ und „volle Transparenz herzustellen“.
Issa Remmo bei der Wahlparty: Das besondere Verhältnis der Linkspartei zur Clankriminalität
Koçak grüßte Issa Remmo „mit Respekt“
Firas Remmo hatte am Sonntagabend in seiner Instagram-Story einen Ausschnitt aus dem Nachrichtenaustausch veröffentlicht. Koçak bestätigte der taz am Montagabend die Echtheit des Chats. Ob der veröffentlichte Ausschnitt allerdings den gesamten Austausch zwischen beiden zeigt, lässt sich weiterhin nicht unabhängig überprüfen.
In einer der Nachrichten schreibt Koçak: „Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater.“ Anschließend fragt er Firas Remmo, wann dieser im Büro sei, und kündigt an, vormittags vorbeikommen zu können. Wann genau dieser Teil des Austauschs stattfand, ist auf dem veröffentlichten Ausschnitt nicht zu erkennen.
Darunter ist ein weiterer Austausch auf den 17. Februar, 12.06 Uhr, datiert. Koçak schickte Remmo einen Ausschnitt aus einer Bundestagsrede und schrieb: „Bruder kannst du das bitte verbreiten und deine Leute auch bitten?“ Firas Remmo antwortete dem veröffentlichten Screenshot zufolge: „Gerne Bruder“.
Über den Chat setzte Remmo in seiner Instagram-Story eine eigene Botschaft. „Wir sind ein Teil von etwas Großem“, schrieb er. Man stehe zusammen, halte zusammen und kämpfe gemeinsam für seine Ziele. Weiter hieß es: „Wir sind Sieger. Wir sind Macher. Wir sind ein Team.“ Koçak geht in seiner Stellungnahme auf diese Darstellung Remmos nicht ein.
Koçak schickte Remmo Rede über Clankriminalität
Bei dem Video handelte es sich um einen Ausschnitt aus einer Bundestagsdebatte über Clankriminalität vom 29. Januar 2026. Koçaks Äußerungen lassen sich im offiziellen Plenarprotokoll nachvollziehen.
Der Linken-Politiker sagte dort: „Der Begriff ‚Clankriminalität‘ ist kein klar definierter Straftatbestand. Er ist ein politischer Kampfbegriff mit einer rassistischen Geschichte.“ Als zentrales Problem bezeichnete er, dass der Begriff ganze Familien unter Generalverdacht stelle und Menschen aufgrund ihres Nachnamens kriminalisiere.
Zugleich betonte Koçak ausdrücklich: „Ja, Organisierte Kriminalität existiert in allen Bereichen der Gesellschaft.“ Sie müsse „selbstverständlich“ konsequent bekämpft werden, allerdings „nicht mit Begriffen, die mehr spalten als aufklären“.
Genau auf die Veröffentlichung einer solchen Rede bezieht sich Koçak nun in seiner Entschuldigung. Nach seiner Darstellung war ihm zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt, mit wem er geschrieben hatte: Er sagt, ihm sei „kurz danach“ bekannt geworden, um wen es sich handelte, und bezeichnet ausdrücklich die Nachricht, die er Remmo danach im Zusammenhang mit seinen Reden schickte, als Fehler.
Linke hatte Beziehungen zu Issa Remmo zurückgewiesen
Der Chat wurde bekannt, nachdem Issa Remmo überraschend auf der Wahlparty der Neuköllner Linken erschienen war. Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp erklärte anschließend im ZDF: „Er war nicht eingeladen und wurde wieder rausgeschickt.“ Mit organisierter Kriminalität habe ihre Partei „nichts zu tun“, diese bekämpfe man.
Auch der Neuköllner Bezirksverband ging auf Distanz. Jorinde Schulz aus dem Bezirksvorstand erklärte nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur, Remmo habe nicht auf der Anmeldeliste gestanden. „Es gibt weder politische noch persönliche Beziehungen zu dieser Person.“ Bei der Feier habe es sich um eine öffentliche Veranstaltung gehandelt, zu der auch ungeladene Personen Zutritt hatten.
Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner hatte bereits vor Koçaks Stellungnahme eine interne Klärung angekündigt. „Wir werden das mit Herrn Koçak klären“, sagte sie. Diese Zeitung hatte am Montag bereits über Issa Remmos Besuch bei der Wahlparty und den Umgang der Neuköllner Linken mit dem Thema Clankriminalität berichtet.
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