Großes Kino in bewusst kleinem Rahmen: Vom 11. bis 14. November 2026 treffen sich Filmschaffende und Kinofans zu den 20. Filmnächten Ahrenshoop. Im Hotel The Grand werden sechs Wettbewerbsfilme und vier Beiträge im Sonderprogramm gezeigt. Dazu kommen Gespräche mit Regisseuren und Darstellern, Livemusik, erstmals die Branchentage Mecklenburg-Vorpommern und zum Abschluss eine Preisträger-Gala.
Viele der ausgewählten Produktionen sind bereits auf anderen Festivals aufgefallen, stehen aber noch vor ihrem regulären Kinostart. Damit bieten die Filmnächte dem Publikum die Gelegenheit, neue deutsche Filme früh zu entdecken – und anschließend mit den Filmemachern ins Gespräch zu kommen. Genau diese Nähe ist das Markenzeichen des Festivals: Zwischen Leinwand, Hotelfoyer und Strandpromenade gibt es kaum Barrieren zwischen Publikum und Filmbranche.
Schüttler und Lukas in der Jury, Petzold mit Masterclass
Prominent besetzt ist die dreiköpfige Jury. Ihr gehören die Schauspielerin Katharina Schüttler, die Regisseurin und Drehbuchautorin Angelina Maccarone sowie der Schauspieler Florian Lukas an. Schüttler wurde einem großen Fernsehpublikum unter anderem durch den Mehrteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ bekannt. Lukas zählt seit „Good Bye, Lenin!“ zu den vertrauten Gesichtern des deutschen Films und Fernsehens.
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Maccarone hat mit Filmen wie „Fremde Haut“, „Verfolgt“ und „Klandestin“ vielfach ausgezeichnetes Kino vorgelegt. Sie kennt Ahrenshoop bereits: „Klandestin“ lief 2024 im Wettbewerb der Filmnächte. Moderiert werden Eröffnung, Sonderprogramm und Preisverleihung von Filmjournalist Knut Elstermann. Die Gespräche zu den Wettbewerbsfilmen führt Editor und Kurator Dietmar Kraus.
Ein prominenter Gast ist auch Christian Petzold. Der international renommierte Regisseur präsentiert am Sonnabend seinen Film „Roter Himmel“, der teilweise an der Ostseeküste spielt. Anschließend gibt Petzold bei einer Masterclass Einblicke in die Entwicklung seiner Stoffe, seine Drehbücher und seine Arbeit am Drehort. Filmland MV bezeichnet ihn als einen der wichtigsten deutschen Autorenfilmer.
Diese sechs Filme laufen im Wettbewerb
Eröffnet wird der Wettbewerb am Mittwochabend mit „Die miserable Mutter“ von Susanne Heinrich. Die musikalische Komödie erzählt von einer jungen Frau, für die das Leben mit Baby zunehmend zum Gefängnis wird. Regisseurin Heinrich ist zum anschließenden Filmgespräch angekündigt.
Am Donnerstag folgt „Eine Schule für Jane Cumming“ von Sophie Heldman. Das Historiendrama spielt im Edinburgh des Jahres 1810 und erzählt von zwei Lehrerinnen, deren Schule und private Beziehung durch eine folgenschwere Anschuldigung bedroht werden. Der Film feierte seine Weltpremiere im Panorama der Berlinale 2026.
Ebenfalls am Donnerstag läuft „Zoey und Ben“ von Alexander Conrads. Darin muss ein bislang wenig verantwortungsbewusster Schauspieler plötzlich vollständig für seine neunjährige Tochter sorgen, nachdem deren Mutter mit einer Überdosis ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
Der Freitag beginnt im Wettbewerb mit „Gropiusstadt Supernova“ von Ben Voit. Das Berliner Großstadtdrama begleitet drei junge Menschen in einer Silvesternacht, in der Abschiebungsangst, Zukunftspläne und familiäre Konflikte aufeinanderprallen. Der Debütfilm wurde 2026 beim Filmfestival Max-Ophüls-Preis als bester Spielfilm ausgezeichnet.
Der Weststrand von Ahrenshoop bietet sich besonders gut für einen Spaziergang an.
© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine
Danach folgt „Erinnerungen eines Waldes“ von Katharina Rabl. Im Mittelpunkt steht eine junge Wissenschaftlerin, die nach dem Tod ihrer Großmutter in ihr niederösterreichisches Heimatdorf zurückkehrt und sich dort ihrer Familie und verdrängten Erinnerungen stellen muss.
Den Wettbewerbsabschluss bildet „Eurotrash“ von Frauke Finsterwalder nach dem Roman von Christian Kracht. Barbara Sukowa und Alexander Fehling spielen Mutter und Sohn auf einem surrealen Roadtrip durch die Schweiz. Zum Ensemble gehört außerdem Luna Wedler.
Über den Hauptpreis entscheidet die Jury, daneben stimmt das Publikum über seinen Favoriten ab. Welcher Film gewonnen hat, wird bei der Gala am Sonnabend bekannt gegeben.
Annekatrin Hendel und weitere Gäste
Auch das Sonderprogramm ist auf persönliche Begegnungen ausgerichtet. Die Regisseurin Jacqueline Jansen präsentiert „No Way Home“, Henning Beckhoff stellt „Fünf Dinge, die ich nicht verstehe“ vor und die vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilmerin Annekatrin Hendel kommt mit ihrem Inselporträt „Hiddensee“ nach Ahrenshoop.
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Jansen, Beckhoff und Jurymitglied Maccarone sprechen bei den Branchentagen über den Weg vom Kurzfilm zum ersten langen Kinofilm. Hendel und Beckhoff zeichnen zudem live eine Podcastfolge über gescheiterte Projekte und Neuanfänge auf. Die Veranstaltungen richten sich nicht nur an Fachleute, sondern ausdrücklich auch an Studierende und Filminteressierte; der Eintritt ist frei, eine Anmeldung wird empfohlen.
Für die Musik sorgt zur Eröffnung das Projekt Ellangton der deutsch-schwedischen Multiinstrumentalistin Ella Burkhardt. Bei der Preisverleihung tritt Popsängerin Wilhelmine auf.
Kleiner als das Filmkunstfest – besonders nah am Film
Im Vergleich zum Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin sind die Ahrenshooper Filmnächte ein konzentriertes Festivalformat. In Schwerin liefen 2026 insgesamt 118 Filme, darunter 16 Welt- und 18 Deutschlandpremieren. Rund 19.000 Besucher kamen zum Filmkunstfest, das mit mehreren Wettbewerben, sechs Kinosälen und zahlreichen Branchenvertretern zu den größten Publikumsfestivals Ostdeutschlands zählt.
Ahrenshoop will und kann mit dieser Größenordnung nicht konkurrieren. Stattdessen setzen die Filmnächte auf eine handverlesene Auswahl von zehn Filmen, einen einzigen zentralen Spielort und ausführliche Gespräche. Während das Filmkunstfest in Schwerin einen breiten Überblick über den deutschsprachigen Spiel-, Dokumentar-, Kurz- sowie Kinder- und Jugendfilm bietet, funktionieren die Filmnächte eher wie ein Boutique-Festival am Meer.
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Beide Veranstaltungen sind eng miteinander verbunden. Hinter ihnen steht die Filmland MV gGmbH, und Volker Kufahl leitet sowohl das Filmkunstfest als auch die Filmnächte künstlerisch. Die im Mai in Schwerin gestarteten Branchentage werden nun erstmals in Ahrenshoop fortgesetzt. Das kleine Ostseefestival ist damit quasi eine intime Ergänzung des Filmkunstfests: In Schwerin zeigt sich die ganze Breite der Branche, in Ahrenshoop stehen einzelne Filme und die direkte Begegnung im Mittelpunkt.
Mit 20 Ausgaben haben sich die Filmnächte als feste Bühne für neues deutsches Kino in MV etabliert. Ihre Bedeutung liegt weniger in Besucherrekorden als in der Verbindung aus Vorpremiere, konzentrierter Filmauswahl und persönlichem Austausch – an einem Ort, an dem nach dem Abspann noch ein Strandspaziergang möglich ist, wo man vielleicht einem Regisseur oder einer Schauspielerin begegnet.
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