Der geplante Ausbau des Flughafens Leipzig/Halle landet vor Gericht. Der Betreiber will für rund 300 Millionen Euro den Frachtbereich massiv erweitern, um mehr und größere Flugzeuge abfertigen zu können. Dagegen regt sich Widerstand: Die BUND-Landesverbände Sachsen und Sachsen-Anhalt, mehrere Einzelpersonen und auch die Standortgemeinde Schkeuditz klagen gegen die bereits erteilte Genehmigung. Verhandelt wird der Fall am Oberverwaltungsgericht Sachsen in Bautzen.
Die Kläger wollen den Genehmigungsbeschluss aus dem Jahr 2024 aufheben lassen oder zumindest dessen Vollziehbarkeit verhindern. Der BUND hält die Prüfung der Klima-, Lärm-, Gesundheits- und Naturschutzfolgen für unzureichend. Konkret kritisieren die Umweltschützer den anzunehmenden Anstieg der Emissionen im Luftfrachtsektor, zusätzlichen Fluglärm sowie höhere Belastungen durch Ultrafeinstaubpartikel infolge der Abfertigung von mehr Flugzeugen. Auch Schutzgebiete wie der Leipziger Auwald und die Saale-Elster-Aue seien durch den Ausbau bedroht.
Flughafen Leipzig/Halle plant Ausbau
Der Flughafenbetreiber will rund 300 Millionen Euro zu investieren. Der Frachtbereich soll von derzeit 58 Hektar auf nahezu 100 Hektar vergrößert werden. Vorgesehen sind zusätzliche Stellflächen auf einem erweiterten Vorfeld, Infrastruktur für größere Frachtflugzeuge sowie neue Hochbauten für technische Anlagen und Personal. Eine weitere Start- und Landebahn oder die Vergrößerung der bestehenden ist hingegen nicht geplant.
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DHL-Flugzeuge am Flughafen Leipzig/Halle: Der Airport ist eines der größten Frachtdrehkreuze Europas.
© Hendrik Schmidt/dpa
Nach Darstellung der Landesdirektion Sachsen (LDS) soll die Erweiterung Engpässe beseitigen und die Abfertigung an das prognostizierte Sendungsaufkommen bis 2032 anpassen. Betreiber und DHL begründen den zusätzlichen Flächenbedarf mit größeren Frachtflugzeugen und langfristigem Wachstum. Dabei handelt es sich um eine Bedarfsprognose, nicht um gesicherte Zahlen zu künftigen Frachtmengen oder Flugbewegungen. Die Unterlagen für das Planänderungsverfahren wurden bereits im August 2020 bei der Landesdirektion Sachsen eingereicht, 2024 wurden sie genehmigt. Im Vorfeld informierten Flughafen und DHL nach eigener Darstellung die betroffenen Gemeinden und die Öffentlichkeit über das Vorhaben.
Zweitgrößtes Frachtdrehkreuz Deutschlands
DHL betreibt in Leipzig/Halle seit 2008 das größte ihrer drei internationalen Luftfrachtdrehkreuze. Der Standort ist zudem Heimatflughafen von AeroLogic, einem Gemeinschaftsunternehmen von DHL Express und Lufthansa Cargo. Darüber hinaus ist am Flughafen auch der Flugzeugbauer Deutsche Aircraft angesiedelt, ab 2028 soll in Schkeuditz die Serienfertigung des Verkehrsflugzeuges D328eco anlaufen.
Nach eigenen Angaben ist der Flughafen das zweitgrößte Luftfrachtdrehkreuz Deutschlands und die Nummer sechs in Europa. Das Frachtaufkommen hat sich seit 2007 auf 1,4 Millionen Tonnen im Jahr 2025 mehr als verzehnfacht. Die Zahl der Beschäftigten am Standort stieg im selben Zeitraum auf derzeit 17.200 in über 100 Unternehmen. Mehr als 45 Frachtairlines steuern den Flughafen inzwischen an. Wachstumstreiber bleibt laut Flughafen vor allem das DHL-Drehkreuz, auch das DHL-unabhängige Frachtgeschäft entwickle sich zuletzt positiv.
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Ob das Oberverwaltungsgericht Bautzen den Ausbau stoppt, wird sich zeigen. Eine erste gerichtliche Entscheidung wird frühestens Mitte November erwartet. Da es sich um ein komplexes Infrastrukturprojekt handelt, gilt als wahrscheinlich, dass der Fall in nächster Instanz vor das Bundesverwaltungsgericht geht.
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