Forsa-Umfrage: Jeder Vierte beklagt bei Berlins Sozialdemokraten fehlende Bürgernähe

SPD nähert sich der 18-Prozent-Marke

Martin Klesmann
3 Min

Der Negativtrend für die SPD setzt sich auch nach dem desaströsen Abschneiden der Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl Ende September fort. Wäre am Sonntag Abgeordnetenhauswahl, käme die SPD in Berlin nur noch auf 20 Prozent der Stimmen und läge damit vier Prozent hinter der CDU, gleichauf mit den Grünen, die ebenfalls auf 20 Prozent kommen würden. Dieser historische Tiefstand für die SPD ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung. Trotz seines stärkeren Engagements auf Bundesebene stürzt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) laut Forsa auch in der Beliebtheitsskala der Berliner Landespolitiker vom Spitzenplatz auf Rang drei ab. Vor Wowereit rangiert dieses Mal nach Innensenator Ehrhart Körting (SPD) erstmals auch ein Senator der Linken: der eher ruhige Wirtschaftssenator Harald Wolf.Kritische ArbeiterBefragt nach den Chancen der SPD glauben 52 Prozent der Berliner nicht daran, dass die SPD bei der Abgeordnetenhauswahl 2011 noch einmal stärkste Partei wird. Besonders häufig sehen ausgerechnet Arbeiter und Beamte (jeweils 69 Prozent) die SPD nicht mehr auf dem Spitzenplatz. Immerhin glauben noch 51 Prozent der Befragten, dass Wowereit für 2011 der richtige SPD-Spitzenkandidat sei, 42 Prozent bezweifeln dies allerdings. Bemerkenswert: Im Westteil der Stadt gibt es gar eine knappe Mehrheit gegen eine erneute Spitzenkandidatur Wowereits. Insgesamt sind selbst 36 Prozent der SPD-Anhänger dagegen.Was aber sind die Gründe für den Niedergang der SPD in Berlin? Für das schlechte Bundestags- und Europawahlergebnis machen 57 Prozent der Befragten vor allem die Bundes-SPD verantwortlich, 13 Prozent die Berliner Landes-SPD. Immerhin 23 Prozent sehen "beide gleichermaßen" in der Verantwortung. Diejenigen, die Fehler bei der Landes-SPD sehen, nennen vor allem die "fehlende Bürgernähe" (24 Prozent), die fehlende "klare Linie" (18 Prozent), die Koalition mit der Linken (15 Prozent) und den "Regierungsstil Wowereits" (14 Prozent). Erstaunlich angesichts der jüngsten Hartz-IV-Debatte: Lediglich zehn Prozent werfen der SPD "fehlendes soziales Profil" vor. Die Bildungspolitik wird kaum moniert. Insgesamt glaubt nur eine Minderheit (23 Prozent), dass der Zustand der Landes-SPD besser sei als der der Bundes-SPD. 52 Prozent der Befragten - und immerhin 46 Prozent der SPD-Anhänger - geben Wowereit eine Mitverantwortung für die Vertrauenskrise.Forsa befragte vom 26. bis 29. Oktober 1 004 Berliner. Wäre am Sonntag Bundestagswahl, kämen die Sozialdemokraten übrigens auf 18 Prozent. Dahin wollte der heutige Außenminister Guido Westerwelle seinerzeit auch seine FDP bringen. Aber von niedrigerem Niveau aus.------------------------------Grafik: SPD-Stimmen bei Bundestagwahlen (B) und Abgeardnetenhauswahlen (A). (West-Berlin1950-1989/ Berlin-Gesamt 1990-2009). Ein so schlechtes Ergebnis wie bei der Bundestagswahl 2009 hat die SPD seit 60 Jahren nicht ein-gefahren. In West-Berlin erhielt die SPD stets mehr Stimmen als heutzutage in Gesamt-Berlin.Grafik: Abgeordnetenhauswahl-Sonntagsfrage. Nach Parteien. (Wie würden SIe wählen, wenn am nächsten Sonntag Abgeordnetenhauswahl wäre?). In Berlin scheint es keine mächtigen Volksparteien mehr zu geben.Grafik: Noch der richtige Spitzenkandidat? Insgesamt, Ost-Teil, West-Teil. (Klaus Wowereit ist noch der richtige SPD-Spitzenkandidat.)Grafik: Innensenator Ehrhart Körting (SPD) ist der beliebteste Landespolitiker (+0,8), CDU-Chef Frank Henkel hat die schwächsten Werte (-0,4). Unten stehen die Daten für den Bekanntheitsgrad jedes Politikers.

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