Trotz einer rund zweijährigen Großbaustelle am Knotenpunkt zwischen der Bundesstraße 95 und der Staatsstraße 232 in Richtung Herold fehlt in Ehrenfriedersdorf nach wie vor eine sichere Querungsmöglichkeit für Fußgänger. Das 3,6-Millionen-Euro-Projekt des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr wurde im August abgeschlossen. Weder Anwohner noch die Stadtverwaltung sind mit dem Ergebnis zufrieden.
Zu den Betroffenen zählt der 86-jährige Friedrich Decker, der direkt an der Kreuzung wohnt. Er muss die zwölf Meter breite Straße regelmäßig gemeinsam mit seiner 49-jährigen, behinderten Tochter überqueren, weil sich die Bushaltestelle auf der gegenüberliegenden Seite befindet. Fußwege sowie eine gesicherte Querung fehlen laut Decker nach wie vor, wie die Freie Presse berichtet.
Dabei war vor zwei Jahren eine Querungshilfe an der Herolder Straße geplant und galt als eines der Schlüsselprojekte im Verkehrskonzept für die Bundesstraße im Stadtgebiet. Nach Abstimmungen zwischen Stadtverwaltung und Landesamt hatte der Stadtrat die Planung bereits für 38.800 Euro vergeben.
Ampellösung aus Kostengründen verworfen
In der finalen Beratung äußerte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr dann allerdings Sicherheitsbedenken, so Bürgermeisterin Silke Franzl. Behördensprecherin Sigrid Rehak nennt Sichtbehinderungen, eine ungünstige Haltestellenlage, fehlende Barrierefreiheit, einen schwierigen Kurvenbereich sowie die Straßenbreite als Gründe. Stattdessen schlug die Behörde eine Ampel vor – eine Lösung, die auch Verwaltung und Anwohner bevorzugten.
Rund 14 Tage später wurde jedoch auch dieser Plan verworfen. Nach Darstellung der Bürgermeisterin verwies das Landesamt auf zu hohe Kosten und fehlendes Geld. Das Landesamt stellt die Angelegenheit anders dar: Für die Stadt wären Kostenanteile für den Gehweg und ein Brückenbauwerk angefallen, weshalb die Stadt den Vorschlag abgelehnt habe, so die Freie Presse.
Stadt verweist auf Finanzkraft
Ähnlich widersprüchlich fallen die Angaben zu den fehlenden Fußwegen aus. Laut Rehak war auf der nördlichen Seite der B 95 ein 2,50 Meter breiter und rund 230 Meter langer Gehweg bis zur Haltestelle Richtung Thum vorgesehen. Dafür wäre eine Stützmauer nötig gewesen. Beide Bauwerke lägen in der Baulast der Stadt Ehrenfriedersdorf – diese habe die Maßnahme nicht umgesetzt.
Franzl räumt ein, dass die Ampellösung für Ehrenfriedersdorf nicht finanzierbar gewesen wäre. Allein der nötige Brückenbau hätte die Kommune mit ihren gut 4300 Einwohnern finanziell überfordert. Sie sieht daher auch Bund und Land in der Pflicht, etwa über einen höheren Förderanteil an den Gesamtkosten. Zudem bleibt die Stadt auf den Planungskosten sitzen. Trotz der zu erwartenden hohen Ausgaben will die Verwaltung an dem Thema dranbleiben.
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