Technik

Kohle auf dem Rückzug: Wenn ein Stahlriese ins Rollen kommt

Heute morgen rollte ein 1000 Tonnen schwerer Eimerkettenbagger über Felder und Straße. Die Mibrag bereitet das Ende der Kohleförderung südlich von Leipzig vor.

4 Min
Dieser 1000 Tonnen schwere Eimerkettenbagger querte heute Morgen bei Leipzig die Bundesstraße.

Dieser 1000 Tonnen schwere Eimerkettenbagger querte heute Morgen bei Leipzig die Bundesstraße.

© IMAGO/Mario Jahn

Die Kohle ist auf dem Rückzug, das war heute Vormittag südlich von Leipzig nicht zu übersehen. Ein rund 1000 Tonnen schwerer Braunkohlebagger vom Tagebau Schleenhain wurde ins Abbaufeld Peres umgesetzt.

Dazu musste er die Bundesstraße 176 im Landkreis Leipzig queren. Der gigantische Koloss schafft 6 Meter pro Minute, was heißt: Wenn er rollt, steht alles andere still. Das Bergbauunternehmen Mibrag zieht damit den letzten Bagger aus dem Tagebau Schleenhain ab.

Neben dem Eimerkettenbagger wurden auch vier Antriebsstationen und ein Bandwagen verlegt. Die Kohleförderung soll dort Ende des Jahres zu Ende gehen. Die restlichen Arbeiten würden von kleineren Baggern erledigt.

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Gummimatten und Erde zum Schutz der Fahrbahn

Für den Transport war die Bundesstraße bereits gesperrt. Um den Straßenbelag zu schützen, wurde die Fahrbahn mit Gummimatten und einer dicken Erdschicht belegt. Im Anschluss an die Überfahrt wird die Straße gereinigt und besenrein wieder übergeben. Die Sperrung soll am Donnerstagmorgen enden.

Der Tagebau Vereinigtes Schleenhain bestand ursprünglich aus den drei Kohlefeldern Groitzscher Dreieck, Schleenhain und Peres. In Zukunft wird nur noch im Abbaufeld Peres Braunkohle gefördert.

Seit 1949 wird im Tagebau Vereinigtes Schleenhain, der aus den drei Abbaufeldern Schleenhain, Peres und dem Weißelsterbecken besteht, Braunkohle gefördert. Bis zu 10 Millionen Tonnen waren es pro Jahr. Die Tagebaue werden nun Stück für Stück vom Netz genommen, 2035 soll südlich von Leipzig komplett Schluss sein mit der Kohleförderung.

Das Schaufelrad eines Kohlebaggers vor dem Kraftwerk Lippendorf südlich von Leipzig am Tagebau Schleenhain (Archivfoto).

Das Schaufelrad eines Kohlebaggers vor dem Kraftwerk Lippendorf südlich von Leipzig am Tagebau Schleenhain (Archivfoto).

© Sebastian Willnow/dpa

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Neuseeland wird größer

Der Tagebau wird saniert und in eine Seenlandschaft umgewandelt. Das touristisch erfolgreiche Neuseenland, das aus über 20 Gewässern besteht, wird ausgebaut.

Zu den künftig geplanten Seen gehört etwa der Pereser See. Nach bisher öffentlich vorgestellten Planungen soll er mit einer Fläche von rund zwölf Quadratkilometern, einem Wasservolumen von etwa 430 Millionen Kubikmetern und bis zu 80 Metern Tiefe das größte Gewässer im Leipziger Neuseenland werden. Die Flutung soll nach Angaben der Mibrag ab etwa 2039 beginnen.

Dabei könnte die Flutung der drei Restlöcher bei Leipzig sowie auch der Tagebau Profen in Sachsen-Anhalt das länger dauern als ursprünglich geplant.

Niedrige Pegelstände in den Flüssen und sinkende Grundwasserstände könnten Auswirkungen auf die bisherigen Pläne haben, sagte Patrick Halka, Leiter der Regionalen Planungsstelle Leipzig, der Deutschen Presse-Agentur. In Facharbeitsgruppen werde derzeit unter anderem untersucht, welche Wassermengen für die Flutung künftig zur Verfügung stehen und welche ökologischen Mindestabflüsse in den Flüssen eingehalten werden müssen.

Alttagebaue werden geflutet, wie das ausgekohlte Abbaufeld Schwerzau im Tagebau Profen (Sachsen-Anhalt).

Alttagebaue werden geflutet, wie das ausgekohlte Abbaufeld Schwerzau im Tagebau Profen (Sachsen-Anhalt).

© Jan Woitas/dpa

Aus Sicht des Bergbausanierungsexperten Martin Kreßner von der TU Bergakademie Freiberg könnte ein geringeres Wasserangebot zu längeren Sanierungszeiträumen, steigendem technischen Aufwand und höheren Kosten führen. Unternehmen müssten sich auf „verlängerte Projektzeiten bis zum Abschluss der Rekultivierungsarbeiten“ einstellen, sagte Kreßner der dpa. Man verabschiede sich heute in der Planung zunehmend von der Idee, die Flutung der Tagebaurestlöcher mit Wasser aus Flüssen zu beschleunigen, so der Experte.

Flutungen teuer aber alternativlos

Steigt der Wasserspiegel langsamer als bislang geplant, könnten deshalb zunehmende technische Maßnahmen zur Stabilisierung der Böschungen nötig werden. „Das wird uns auf jeden Fall kostentechnisch belasten“, so Kreßner. Eine grundsätzliche Alternative zur Flutung sieht er allerdings nicht: Nach dem Ende der künstlichen Entwässerung der Abbaufelder werde das Grundwasser automatisch wieder ansteigen. Es gebe daher „faktisch keine Alternative zur Ausbildung eines Restsees“.

Der für die Tagebaue verantwortliche Bergbaukonzern Mibrag sieht die grundsätzliche Planung nicht infrage gestellt. Für die Prognose der Flutungsdauer würden mehrjährige Niederschlagsreihen verwendet, teilte Sprecher Sebastian Exner mit. Einzelne niederschlagsarme Jahre seien darin berücksichtigt. Ein Teil der geplanten Tagebaurestseen werde bereits jetzt geflutet und parallel zum aktiven Betrieb entstehen. Dafür könne das Wasser genutzt werden, das zur Freihaltung der Lagerstätte ohnehin abgepumpt werden müsse.

Für das letzte Restloch müsse jedoch Wasser aus der Weißen Elster und der Mulde entnommen werden, so Exner.

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