Wahlkampf

Fünf Wochen vor der Wahl: Der CDU rutscht der Osten weg

Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026: Umfrage sieht AfD bei 41 Prozent, CDU bei 24. Alle Zahlen, Termine und möglichen Koalitionen im Überblick.

5 Min
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund beim Wahlkampfauftakt seiner Partei in der Messe Magdeburg.

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund beim Wahlkampfauftakt seiner Partei in der Messe Magdeburg.

© IMAGO/Christian Schroedter

Nordöstlich von Magdeburg liegen 400 Hektar Acker, die längst eine Chipfabrik sein sollten. 30 Milliarden Euro wollte Intel investieren, Tausende Arbeitsplätze waren angekündigt. Im Mai kaufte das Land die Fläche zurück.

Über dieses Feld ist in Sachsen-Anhalt viel geredet worden. Am 6. September wird auch darüber abgestimmt.

Fünf Wochen vor der Landtagswahl zeigen die Umfragen ein Bild, das es in dem Bundesland noch nie gegeben hat: Die AfD kommt auf 41 Prozent, die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze auf 24.

Erhoben hat die Zahlen Infratest dimap für MDR, WDR, Mitteldeutsche Zeitung und Volksstimme, befragt wurden vom 23. bis 28. Juli 1149 Wahlberechtigte.

Umfrage Sachsen-Anhalt: AfD bei 41 Prozent, Linke dritte Kraft

Drittstärkste Kraft wäre derzeit die Linke mit 13 Prozent, ein Punkt mehr als im Mai. Die SPD steht unverändert bei 7 Prozent, die Grünen bei 5.

Das BSW käme auf 4 Prozent und würde den Landtag verpassen. Alle übrigen Parteien zusammen, darunter die mitregierende FDP, liegen bei 6 Prozent.

Eine Insa-Umfrage von Ende Juli kommt zu fast denselben Werten: AfD 41 Prozent, CDU 24, Linke 14. Die SPD landet dort nur bei 5 Prozent, Grüne, FDP und BSW bei je 4.

Zum Vergleich das Ergebnis von 2021: CDU 37,1 Prozent, AfD 20,8, Linke 11,0, SPD 8,4. Die AfD hätte sich damit fast verdoppelt, die CDU ein Drittel ihrer Wähler verloren.

Wirtschaft in Sachsen-Anhalt: Was hinter den Zahlen steht

Sachsen-Anhalt liegt beim Bruttoinlandsprodukt je Einwohner weit unter dem Bundesschnitt, die Bevölkerung schrumpft seit Jahren. Die geplatzte Intel-Ansiedlung war der sichtbarste, aber nicht der einzige Rückschlag.

Das Land will auf dem Areal nun einen „High-Tech-Park“ mit Rechenzentren und KI-Industrie entwickeln. Ein Zeitplan dafür steht noch aus.

Gleichzeitig steht die Chemieregion um Schkopau, Leuna und Bitterfeld unter Druck – hohe Energiepreise, US-Konzerne, die ihre europäischen Standorte durchrechnen. Schulze hat als früherer Wirtschaftsminister genau diese Bilanz zu verantworten.

Als wichtigste Probleme im Land nennen die Befragten Zuwanderung, Bildung und Wirtschaft. Zwei dieser drei Themen liegen in Magdeburg, nicht in Berlin.

Der Chemiepark Leuna gehört zu den größten Industriestandorten Ostdeutschlands. Hohe Energiepreise setzen die Branche unter Druck.

Der Chemiepark Leuna gehört zu den größten Industriestandorten Ostdeutschlands. Hohe Energiepreise setzen die Branche unter Druck.

© IMAGO/Mario Hösel

CDU unter Sven Schulze: Der Amtsbonus zieht nicht

Für die CDU ist die Umfrage die Quittung für ein Manöver, das genau dieses Ergebnis verhindern sollte. Reiner Haseloff trat Ende Januar nach fast 15 Jahren zurück, einen Tag später wählte der Landtag Schulze zum Ministerpräsidenten.

Der 47-Jährige aus Quedlinburg sollte als Amtsinhaber in den Wahlkampf gehen statt nur als Spitzenkandidat. Seither hat die CDU zwei weitere Punkte verloren.

Auch das Sachvertrauen bröckelt. Vor der Wahl 2021 trauten 40 Prozent der Wahlberechtigten der CDU die Lösung der wichtigsten Landesaufgaben zu, heute sind es 16 Prozent. Bei der AfD stieg der Wert von 9 auf 36 Prozent.

Mit der Arbeit der Koalition aus CDU, SPD und FDP sind 29 Prozent zufrieden, 66 Prozent bewerten sie negativ.

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Wer regiert in Magdeburg? Die Koalitionsrechnung wird eng

Bei einem Ergebnis wie in der Umfrage könnte das Dreierbündnis nicht weiterregieren. Rechnerisch bliebe eine Mehrheit gegen die AfD nur, wenn CDU, Linke, SPD und Grüne zusammenkämen.

Genau das schließt die CDU bislang aus, der Unvereinbarkeitsbeschluss der Bundespartei gilt für Linke und AfD gleichermaßen. Diskutiert werden deshalb Minderheitsmodelle nach Thüringer Vorbild.

Die Wahlberechtigten sind gespalten: 43 Prozent wünschen sich eine CDU-geführte Staatskanzlei, 44 Prozent eine Regierung unter Führung der AfD.

Ulrich Siegmund will der erste AfD-Ministerpräsident werden

Spitzenkandidat der AfD ist Ulrich Siegmund, 35 Jahre alt, geboren in Havelberg, seit 2016 Landtagsabgeordneter und seit 2022 Fraktionschef. Den Landesverband stuft der Verfassungsschutz des Landes als gesichert rechtsextrem ein.

Siegmund strebt eine Alleinregierung an. Zu seinen erklärten Zielen gehört die Aufkündigung des Medienstaatsvertrags.

Wahlen im Osten: Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin

Sachsen-Anhalt macht nur den Anfang. Am 20. September wählen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin – drei ostdeutsche Urnengänge binnen 15 Tagen.

In Mecklenburg-Vorpommern lag die AfD im NDR-Trend von Anfang Juli bei 36 Prozent, die SPD von Manuela Schwesig bei 29, die Linke bei 12, die CDU nur noch bei 9 Prozent.

In Berlin ist das Rennen offen. Eine Insa-Umfrage sah die AfD Ende Juli erstmals mit 19 Prozent vorn, CDU und Linke folgten mit je 18 Prozent, die Grünen mit 16, die SPD mit 13.

Auffällig ist die Rückkehr der Linken: dritte Kraft in Magdeburg und Schwerin, im Rennen um Platz eins in Berlin. Die SPD dagegen kommt in Schwerin auf 29 Prozent und in Magdeburg auf 7.

Wie belastbar sind die Umfragen vor der Wahl?

Rund 1,7 Millionen Menschen dürfen in Sachsen-Anhalt abstimmen. 2021 blieb fast jeder Zweite zu Hause – das größte Reservoir im Land sind nach wie vor die Nichtwähler.

Die Sonntagsfrage misst Parteipräferenzen, kein Wahlverhalten. Die Schwankungsbreite liegt bei zwei Prozentpunkten für kleine und drei für große Parteien.

Bei BSW, Grünen und FDP entscheiden damit Zehntel über Einzug oder Aus. Und immer mehr Wähler legen sich erst in den letzten Tagen fest.

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