Nach einem Rückgang ist die Gruppe der Geduldeten in Deutschland erneut angewachsen – allein 45.000 Menschen erhielten die Duldung 2026 erstmals, viele ohne Perspektive auf ein Bleiberecht.
Nach Angaben der Bundesregierung hielten sich Ende September 200.601 Menschen mit einer Duldung im Land auf. Zum selben Stichtag galten 256.873 Personen als ausreisepflichtig, teilte das Bundesinnenministerium auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Filiz Polat mit.
Die Entwicklung markiert eine Trendwende. Ende 2022 lebten noch rund 248.000 Menschen mit Duldung hierzulande, danach sank die Zahl bis 2025. Zum Jahreswechsel verfügten 190.974 von 232.067 Ausreisepflichtigen über eine Duldung. Nun wächst die Gruppe wieder.
Was eine Duldung bedeutet
Geduldete sind grundsätzlich ausreisepflichtig, können aber vorerst nicht abgeschoben werden. Gründe sind etwa familiäre Bindungen, fehlende Ausweispapiere oder Krankheit. Die Duldung bleibt dabei immer befristet.
Allein 2026 erhielten rund 45.000 Menschen erstmals eine solche Duldung. Darunter waren zum Stichtag 30. September rund 13.460 Minderjährige.
Für den vorherigen Rückgang sorgte unter anderem das Chancenaufenthaltsrecht der Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Das Gesetz trat am 31. Dezember 2022 in Kraft und lief drei Jahre. Es erfasste Menschen, die sich zum Stichtag 31. Oktober 2022 seit mindestens fünf Jahren geduldet, gestattet oder mit Aufenthaltserlaubnis in Deutschland aufhielten.
Geringere Anerkennungsquote im Asylverfahren
Diese Gruppe konnte mit Angehörigen für 18 Monate eine Aufenthaltserlaubnis auf Probe bekommen. Ein dauerhaftes Bleiberecht erhielt am Ende aber nur, wer den Lebensunterhalt überwiegend selbst sichert, ausreichend Deutsch spricht, nicht straffällig wurde und seine Identität geklärt hat. Nur 402 Menschen hatten eine Ausbildungsduldung eingetragen, weitere 17 eine Beschäftigungsduldung.
Geringere Anerkennungsquoten im Asylverfahren könnten den Anstieg mit erklären. Hinzu kommt eine Ausweitung der sicheren Herkunftsländer: Auf EU-Ebene gelten seit Mitte Juni auch Ägypten, Bangladesch, Indien, Kolumbien, Marokko, Tunesien und die Türkei als sicher.
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Für Asylbewerber aus diesen Staaten bedeutet das ein Beschäftigungsverbot. Damit verengt sich für viele der ohnehin schmale Pfad aus der Duldung in eine reguläre Arbeit zusätzlich.
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