BERLIN. Das Bundesinnenministerium hat sich indirekt für einen verstärkten Umzug von Beschäftigten aus den Bonner Ministerien nach Berlin ausgesprochen. Das Berlin-Bonn-Gesetz stehe "einer weiteren Verlagerung ministerieller Kernaufgaben nach Berlin" nicht entgegen, heißt es in einem Bericht des Ministeriums für den Bundestags-Haushaltsausschuss, der der Berliner Zeitung vorliegt. Denkbar wäre es laut dem Gutachten, die politische Tätigkeit mehr und mehr nach Berlin zu verlagern und in Bonn die Verwaltung zu lassen. Dort haben sechs Ministerien ihren ersten Dienstsitz.Detailliert listet der Bericht des Innenministeriums die Dimension der Teilung der Hauptstadtaufgaben auf und liefert den Befürwortern eines Komplettumzugs in die Hauptstadt damit neue Argumente: So arbeiten in Bonn mehr Regierungsbedienstete (9 148 Beschäftigte) als in Berlin (8 726 Personen). Allein im vergangenen Jahr wurden rund 66 000 Dienstreisen mit dem Shuttle-Flug zwischen Berlin und dem Großraum Bonn angetreten. Dabei ging es auch um die Aufsicht verschiedener Behörden. Mindestens weitere 3 000 Dienstreisen erfolgten mit anderen Verkehrsmitteln. Klar macht der Bericht, dass der Flächenverbrauch in den Ministerien durch die Aufteilung auf die Standorte Berlin und Bonn enorm hoch ist - vor allem weil es Mitarbeiter gibt, die sowohl in Bonn als auch in Berlin einen Arbeitsplatz haben, und weil zudem gesonderte Räume für Videokonferenzen vorgehalten werden müssen. Allein beim Innenministerium in Bonn machen diese Flächen einen Anteil von etwa zehn Prozent aus. Welche Kosten durch Reisen und Flächenverbrauch verursacht werden, geht aus dem 103 Seiten umfassenden Papier allerdings nicht hervor. Der Vorsitzende des Bundestags-Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP), schätzt die Ausgaben auf rund 25 Millionen Euro jährlich. Fricke sagte, die Kosten für das Pendeln müssten so schnell wie möglich reduziert werden. Die Arbeitsplätze, die zum Kernbereich der Regierung zählten, müssten nach Berlin verlagert werden, die Verwaltung gehöre nach Bonn. Fricke sprach sich jedoch gegen einen Komplettumzug aus, weil dieser mit geschätzten Kosten von fünf Milliarden Euro zu teuer sei.Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Schmitt sagte dagegen, er halte es für möglich, dass noch in der laufenden Legislaturperiode eine Mehrheit für eine Überarbeitung des Berlin-Bonn-Gesetzes zustande komme. In den westdeutschen Bundesländern bröckele zusehends der Widerstand gegen einen weitere Verlagerung von Ministerien nach Berlin.Kommentar Seite 4, Berlin Seite 18------------------------------"Wir hätten gerne alle Ministerien in Berlin." Senatssprecher Michael Donnermeyer
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