Ronald Maul sitzt sonst nicht auf dem Podium. Der Vorstandschef von Hansa Rostock erscheint zu Pressekonferenzen, wenn er eine Personalentscheidung verkünden muss. Am Donnerstag gab es keine. Maul kam, um den Aufstieg aus der Debatte zu nehmen.
Der Aufstieg bleibt das Ziel. Aber die Mannschaft soll ihn vorerst „außer Acht lassen“, ihn ausblenden und an das nächste Spiel denken, am Sonnabend (14 Uhr) gegen Sonnenhof Großaspach.
Im Sommer klang das anders. Unter dem Motto „Angreifen. Klarer Kurs. Klare Mission.“ rief der Klub den Zweitliga-Aufstieg aus. Aufsichtsratschef Sebastian Eggert nannte sogar die Meisterschaft.
Zwölf Spieltage später steht Hansa mit 16 Punkten auf Platz elf, zehn Punkte hinter dem Spitzenduo. In Regensburg führte die Mannschaft zur Pause und gab das Spiel in vier Minuten der zweiten Hälfte aus der Hand. Danach lag der Vorsprung auf Rang 17 bei vier Punkten. Aus den jüngsten vier Spielen holte Hansa einen Zähler.
Hansa Rostock mit einem der höchsten Budgets der 3. Liga
Das Geld erklärt die Erwartung. Für die Profimannschaft stehen laut Ostsee-Zeitung rund 8,5 Millionen Euro bereit, einer der höchsten Etats der Liga.
Im Geschäftsjahr 2025/26 setzte der Klub 44,2 Millionen Euro um und erwirtschaftete rund 2,7 Millionen Euro Gewinn. Im Juli überwies Hansa acht Millionen Euro an die Obotritia Capital, das Unternehmen von Investor Rolf Elgeti, das auf weitere 1,5 Millionen Euro verzichtete. Die Verbindlichkeiten sanken auf weniger als drei Millionen Euro.
Im Winter nahm Hansa auch noch die Rekordablöse der 3. Liga ein: 5,5 Millionen Euro für Stürmer Ryan Naderi, den der Klub an die Glasgow Rangers verkaufte.
Sportchef Amir Shapourzadeh hatte den Etat im Juni eingeordnet. „Zweieinhalb Millionen Euro Unterschied zwischen Spitze und Durchschnitt sind im Fußball nichts“, sagte der Direktor Profifußball.
Trainer André Breitenreiter (l.) und Vorstandschef Ronald Maul beim Training des FC Hansa Rostock.
© Richter/IMAGO
Trainer Breitenreiter: weniger Tore, mehr Gegentore
Mitte September trennte sich Hansa von Trainer Daniel Brinkmann, nach acht Punkten aus fünf Spielen und einem 0:4 bei Viktoria Köln.
André Breitenreiter übernahm und holte aus fünf Spielen vier Punkte. Die Abwehr kassierte sieben Gegentore statt der zwölf aus den ersten fünf Spielen unter Brinkmann. Der Angriff traf viermal statt elfmal. Maul sieht die Mannschaft stabiler.
Die hohen Ziele sorgten im Kader für Unmut. Marco Schuster, 31, nannte die offensive Zielvorgabe „mutig“, sagte der Bild aber zugleich: „Das hat uns nicht geholfen.“
Breitenreiter führt die Ergebnisse auf Schlüsselmomente zurück: Schiedsrichterentscheidungen, individuelle Fehler, Ausrutscher. Mit der Qualität des Kaders habe das nichts zu tun. „Ich glaube total an die Jungs, auch wenn es vielen draußen schwerfällt“, sagte er am Donnerstag.
Transfers? Maul bewertet Kader nach Länderspielpause
Maul widerspricht dem Spieler nicht, verschiebt aber den Maßstab. „Das muss unser Anspruch sein und daran gibt es auch nichts zu rütteln“, sagte er in der Halbzeitpause in Regensburg. Fünf Tage später antwortete er auf die Frage, ob der Kader für den Aufstieg reiche, ausweichend: Der Klub sei von der Mannschaft überzeugt.
Bis zur Länderspielpause muss laut Maul der Kennenlernprozess zwischen Trainer und Team abgeschlossen sein, danach soll der Kader bewertet werden. Ob Hansa im Winter nachlegt, ließ er offen.
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