In der ARD-Sendung „Maischberger“ am Dienstagabend sind die BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht und Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hart aneinandergeraten. Besonders ging es dabei um die Frage: Öffnet das BSW in Sachsen-Anhalt der AfD den Weg an die Regierung?
Schneider nannte die BSW-Gründerin eine „Steigbügelhalterin“, sie hielt ihm „Arroganz“ vor. Der Auftritt von Wagenknecht bei Maischberger wurde zum Schlagabtausch über Spritpreise, Russland und die Zukunft eines ostdeutschen Bundeslandes. Auch der frühere Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) war zu Gast – und richtete deutliche Worte an Kanzler Friedrich Merz.
„Steigbügelhalterin“: Was SPD-Minister Schneider dem BSW vorwirft
Der schärfste Vorwurf des Abends kam von Carsten Schneider. „Sie haben das BSW gegründet und gesagt, Sie wollen die AfD von der Macht fernhalten. Jetzt sind Sie die Steigbügelhalterin, ich bitte Sie“, sagte der Umweltminister.
Als ehemaliger Ostbeauftragter fragte er, warum Wagenknechts Thüringer Parteikollegen das BSW verlassen hätten. Die Antwort lieferte er selbst: „Weil sie keine Lust darauf haben, von Ihnen manipuliert zu werden.“ Und weiter: „Die widert das an, dass Sie mit der AfD kuscheln gehen.“
Wagenknecht kontert bei „Maischberger“
Wagenknecht verwahrte sich gegen den Begriff „Steigbügelhalterin“ und warf Schneider Überheblichkeit vor. „Diese Arroganz – ich kann sienicht mehr ertragen“, sagte sie.
Verantwortlich für den Höhenflug der AfD sei nicht ihre Partei, sondern die schwarz-rote Koalition. Der SPD hielt sie eine „aus dem Ruder gelaufene Migrationspolitik“, hohe Sprit- und Lebensmittelpreise sowie eine verfehlte Gesundheits- und Rentenpolitik vor: „Sie machen den Menschen das Leben unbezahlbar.“
Eine Koalition mit der AfD in Sachsen-Anhalt habe das BSW immer ausgeschlossen, betonte Wagenknecht. Zugleich erklärte sie die Brandmauer für „komplett gescheitert“ und sprach den AfD-Wählern „berechtigte Anliegen“ zu.
Sachsen-Anhalt nach der Wahl: Kurs auf einen AfD-Ministerpräsidenten?
Am sechsten September verlor die CDU bei der Landtagswahl, die AfD ist der klare Wahlsieger. Wagenknecht warb erneut für die Idee eines „unabhängigen“, überparteilichen Ministerpräsidenten, der für einen Neuanfang stehen müsse – ohne einen Namen zu nennen. „Wir haben mit Menschen gesprochen“, sagte sie vage.
Im Magdeburger Landtag sieht sie zudem Mehrheiten für „bestimmte Veränderungen“, etwa „eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“. Solche Mehrheiten aus AfD- und BSW-Stimmen ließen sich nach ihrer Darstellung auch ohne neuen Regierungschef nutzen.
Haseloff über Merz: „Kein ausreichender mentaler Bezug“ zum Osten
Auch Reiner Haseloff nutzte die Sendung für Kritik in Richtung Berlin. Der CDU-Politiker hatte Sachsen-Anhalt 15 Jahre lang regiert und das Amt im Januar 2026 an Sven Schulze übergeben.
Für einen großen Teil der AfD-Stimmen habe Friedrich Merz als Person eine entscheidende Rolle gespielt, so Haseloff. Der Kanzler kenne den Osten zwar, habe aber „noch keinen ausreichenden mentalen Bezug zu den Menschen gefunden und zu ihren Nöten“.
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Bis ein neuer Ministerpräsident gewählt sei, bleibe Schulze im Amt, sagte Haseloff – „und das ist gut so“. Dass ein CDU-Abgeordneter dem AfD-Politiker Ulrich Siegmund seine Stimme gebe, schloss er aus: „Dann kann er aus der CDU austreten.“
Steigende Spritpreise: Der zweite große Streitpunkt
Schon zum Auftakt rangen beide um die gestiegenen Spritpreise. Schneider kündigte an, die Bundesregierung werde „jetzt was tun“ – mit „ordnungspolitischen Eingriffen“ und steuerlichen Entlastungen. Dauerhaft „gegen Weltmarktpreise ansubventionieren“ könne man aber nicht: „Mittelfristig müssen wir raus aus Öl und Gas.“ Wagenknecht forderte niedrigere Steuern und Abgaben auf Sprit und eine Obergrenze von 1,50 Euro pro Liter.
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