Charity

Hope-Gala Dresden: Mario Pattis kocht für den guten Zweck – 23 Gastronomen engagieren sich

Am 10. Oktober steigt die Hope-Gala im Dresdner Schauspielhaus mit viel Prominenz und Gastronomen, die trotz aller Konkurrenz für den guten Zweck an einem Strang ziehen.

8 Min
Die Dresdner Gastronomen Clemens Lutz, Simone Meyer-Götz und Mario Pattis (v.l.) bewirten die Gäste der Hope-Gala kostenlos.

Die Dresdner Gastronomen Clemens Lutz, Simone Meyer-Götz und Mario Pattis (v.l.) bewirten die Gäste der Hope-Gala kostenlos.

© Markus Wächter/OAZ

Nur eine Kochplatte, ein Wasserbad, ein Niedertemperaturgarer und die Zutaten für 300 Portionen Kalbsfilet mit Pfifferlingen und Trüffelschaum. Das sind die Zutaten, aus denen Ostdeutschlands erster Sternekoch, Mario Pattis, den Hauptgang für die Gäste der diesjährigen Hope-Gala im Dresdner Schauspielhaus zaubert.  

Pattis beginnt schon ein paar Tage vorher mit den Vorbereitungen, am Tag selbst muss alles sitzen: „Bei Caterings dieser Art ist Organisation alles. Es gibt keine zehn Handgriffe pro Teller.“

Perfektion ist der Anspruch der 23 Gastronomen und Caterer, die für den guten Zweck am 10. Oktober zusammenkommen und die Konkurrenz in der Branche mal außen vor lassen. Das bestätigen auch Klubbesitzer Clemens Lutz und Currywurst-Unternehmerin Simone Meyer-Götz, die sich beide ebenfalls schon seit Jahren für benachteiligte Kinder in den Armenvierteln Kapstadts engagieren. 

Das Prinzip der ganzen Gala: Jeder kocht, bäckt und sponsert für sich, auf eigene Rechnung – 700 Gäste sollen die Gala plus anschließende Aftershow-Party einfach genießen. Die Veranstaltung ist mittlerweile eine Institution in der sächsischen Landeshauptstadt, neben dem jährlichen Semperopernball das wichtigste Promi-Event des Jahres, wo gefeiert, sich vernetzt und gespendet wird.

Knapp drei Millionen Euro an Gäste- und Firmenspenden konnten bisher an die Organisation Hope Cape Town überwiesen werden, die sich um die Gesundheit, Bildung und eine Perspektive für Kinder in den Townships Südafrikas kümmert.

„Erfolgreiche Unternehmen müssen sich engagieren“

Es ist das Herzensprojekt der Dresdner IT-Unternehmerin Viola Klein, die die Gala vor genau 20 Jahren erstmals mit dem Kapstadter Pfarrer Stefan Hippler ins Leben rief. Die Dresdnerin sagt gegenüber der OAZ: „Mein Credo ist: Erfolgreiche Unternehmen müssen sich engagieren. Wir wollen den Leuten in Südafrika jedoch vor Ort helfen, sich zu organisieren, und ihnen ermöglichen, Verantwortung für ihre Familien übernehmen zu können.“

Dabei weiß Klein seit Jahren ein Dutzend sächsischer Unternehmen hinter sich, wie Ostdeutschlands größte, inhabergeführte Werbeagentur Zebra aus Chemnitz, die TV- und Radio-Moderatorin Andrea Ballschuh oder auch die Unternehmer Roland Hess (Top Magazin) und Christian  Schleicher (Autohaus Dresden). In diesem Jahr unterstützt die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung auch erstmals die Gala.

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Unternehmerin Viola Klein bekam letztes Jahr von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz für ihre wohltätige Arbeit verliehen.

Unternehmerin Viola Klein bekam letztes Jahr von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz für ihre wohltätige Arbeit verliehen.

© IMAGO

Klein ist so etwas wie die Eiserne Lady der sächsischen Wohltätigkeitsszene. Den Boulevard-Titel „Charity-Lady“ mag sie überhaupt nicht: „Das klingt so nach mitgebrachter Ehefrau“, sagt Klein zur OAZ mit einem Augenzwinkern.

Getreu nach dem Motto der britischen Premierministerin Margaret Thatcher, die einst sagte, sie führe ihr Land wie den Eckladen ihrer Eltern, agiert auch Klein: „Die Veranstaltung muss bezahlt sein, wenn sich der Vorhang hebt! Nur so ist es möglich, dass wir die Spenden, letztes Jahr waren es 230.000 Euro, ohne Abzüge ins Projekt senden können.“

Alles wird komplett privat auf die Beine gestellt, keine Nichtregierungsorganisation (NGO), die mit Fördermitteln Gutes tut. Sondern rein privatwirtschaftliches Engagement, das allen Beteiligten Respekt abnötigt.

Denn fragt man die drei Gastronomen, die die OAZ stellvertretend für ihr Engagement bei der Gala hier portraitiert, so heißt die Motivation bei allen Dreien: „Wir machen das für und wegen Viola. Es ist unglaublich, was sie über die Jahre auf die Beine gestellt hat!“

Auch Sir Bob Geldof war 2019 bereits Gast der Hope-Gala. Der britische Sänger wurde für sein Engagement mit dem Hope-Award ausgezeichnet.

Auch Sir Bob Geldof war 2019 bereits Gast der Hope-Gala. Der britische Sänger wurde für sein Engagement mit dem Hope-Award ausgezeichnet.

© Andreas Weihs/imago

Vom Architekten zum Gastronomen

Zur illustren Schar von Catering-Sponsoren, die vom Bäcker über Hotels, Restaurants und eine Kaffeerösterei bis zur Zigarrenmanufaktur reicht, kam Viola Klein größtenteils über Clemens Lutz. 

Der Betreiber des Dresdner Kobalt Club Royal an der Elbe erfand 2009 das Format „Kochsternstunden“, das er 13 Jahre leitete. Die Idee: Während der Touristenflaute zwischen Januar und März mehr Dresdnerinnen und Dresdner in die Restaurants zu locken. Das Angebot: besondere Küche zum kleinen Preis. Immer mehr Restaurants beteiligten sich, Lutz’ Adressbuch füllte sich jedes Jahr mehr und mehr. Das war die Basis fürs Gastro-Sponsoring, als er vor zehn Jahren zur Hope-Gala dazustieß.

Mittlerweile ist der studierte Architekt Kuratoriumsmitglied der Gala und ist damit wie 19 Mitstreiter hauptsächlich für die Sponsorensuche verantwortlich. In die Gastronomie kam der gebürtige Freiburger eigentlich übers Dresdner Nachtleben. „Ich war schon immer ein Party-Typ, mochte viel Besuch bei uns zu Hause, doch das Dresdner Nachtleben hat mich 1995, als ich noch neu in der Stadt war, ein bisschen gelangweilt.“ Also eröffnete er noch während des Architekturstudiums seine eigene Bar und ließ beispielsweise Paul und Fritz Kalkbrenner bei sich auflegen. „Es war Wahnsinn, was damals alles möglich war – im Gegensatz zu heute, wo man in der Gastronomie kaum noch Freiheiten hat und von der Bürokratie gegängelt wird“, erzählt er.

Als er 2001 sein Diplom in der Tasche hatte, „herrschte gerade Architekten-Schwemme und man hätte maximal als Bauzeichner einen Job bekommen“, erinnert sich Lutz. Und ergänzt lachend: „Auf Abwasserdetails und Fliesenspiegel hatte ich aber keine Lust. Deswegen hab ich ein Angebot in der Gastronomie in Düsseldorf angenommen.“ Dort habe er sich alles Wichtige angeeignet, vom „Table Setting“ bis zum Service.

Dem Architektenberuf trauert er nicht mehr nach, führt neben dem edlen Kobalt-Klub eine französische Brasserie auf dem Theaterkahn sowie ein Catering-Unternehmen in Dresden. Dieses Jahr spendet er den Champagner für die Gala-Gäste und viel Freizeit für die Organisation, wie alle Beteiligten.

Wie der erste Michelin-Stern in den Osten kam

Ganz klassisch zur Gastronomie kam hingegen Mario Pattis. Seine Eltern betrieben bereits das Restaurant Zur Erholung im gut betuchten Dresdner Stadtviertel Weißer Hirsch. Pattis lernte Koch, stieg in den elterlichen Betrieb ein und kaufte sich nach der Wende die Kochbücher seiner Vorbilder und Spitzenköche Eckart Witzigmann, Hans-Peter Wodarz, Gerd Wühler und Dieter Müller – zum Selbststudium.

Letzte Handgriffe: Der Trüffel wird über das zartrosa gegarte Kalbsfilet gerieben, das auch zur Hope-Gala serviert wird.

Letzte Handgriffe: Der Trüffel wird über das zartrosa gegarte Kalbsfilet gerieben, das auch zur Hope-Gala serviert wird.

© Markus Wächter/OAZ

„Es war eigentlich der Druck unserer Gäste, der uns angespornt hat. Wir haben nie auf einen Michelin-Stern hingearbeitet“, erinnert sich Pattis. Aber das Lokal war beliebt, unter anderem beim damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (1930–2021) und seiner Frau Ingrid, die auch regelmäßig hohe Gäste mitbrachten. 1994 war dann unbemerkt der Michelin-Tester im Lokal. „Danach bekam ich einen Anruf und war so überrascht, dass ich erstmal herausfinden musste, was das jetzt bedeutet“, lacht Pattis. Denn der Familienbetrieb wurde damals zum ersten Sterne-Restaurant Ostdeutschlands gekürt.

Vier Jahre blieb ihm die Gourmet-Ehre erhalten, dann fiel die Immobilie, in der sich das Restaurant befand, an eine Erbengemeinschaft zurück. Pattis musste wieder neu anfangen. Es folgten ein neues Restaurant mit Romantik-Hotel, dann ab 2014 die Genusslounge – bis dort drei Jahre später nebenan eine Flüchtlingsunterkunft eröffnet wurde.

Wieder umdenken, Neustart. Danach bekochte er die VW-Kunden in Wolfsburg und Dresden. In der Gläsernen Manufaktur Dresden öffnete 2017 das e-Vitrum, vom Konzept her ursprünglich als Gourmet-Stopp für zahlungskräftige Phaeton-Kunden angelegt, die damals noch zur Fahrzeugabholung nach Dresden kamen. Parallel bewirtete er die Spieler auf dem Golfplatz in Possendorf vor den Toren Dresdens.

Die Phaeton-Produktion lief 2016 in Dresden aus, „der e-Golf kam und damit ein anderes Klientel“, sagt Pattis. Das ursprünglich edle Restaurant wurde Stück für Stück zur besseren Snackbar. „Am Ende war es ganz schön frustrierend, nur noch Currywurst und Burger zu servieren“, blickt der Dresdner auf seinen endgültigen Ausstieg 2025 zurück. 

Denn „der Anspruch bei der täglichen Arbeit auf einen Stern war immer da, auch wenn man nicht direkt nach den Sternen greift“, so Pattis. Auch in seinem neusten Unterfangen, dem Pattis Feine Kost & Kantine – einem Feinkostladen mit Kantine und Fine Dining am Abend im benachbarten Restaurant.

Pattis steht wieder täglich am Herd: „Jeder Teller geht letztlich durch meine Hand“, sagt er stolz. Auch am Abend der Gala wird er erst noch seine eigenen Restaurantgäste bekochen, bevor er mit den 300 Portionen Kalbsfilet Richtung Aftershow-Party im Schauspielhaus aufbricht.

Ein Klassiker geht immer

Dort wartet dann auch Simone Meyer-Götz mit verschiedenen Currywurst-Variationen, die sich diesmal um die Künstlerbetreuung bei der Gala kümmert. Viele Prominente wie Entertainer Wolfgang Lippert oder Schauspieler Wolfgang Stumph sind Dauergäste. Dieses Jahr haben sich auch der gebürtige Dresdner und Schauspieler Jan Josef Liefers mit seiner Band Radio Doria und Kathy Kelly, langjährige Frontfrau, Produzentin und musikalischer Kopf der Kelly Family, angesagt. Weitere große Namen werden erst kurz vor der Gala verraten.

Durch den Abend mit Showprogramm und Gästen führen die TV-Moderatoren Ruth Moschner und Benjamin Bieneck. Auch die Künstler treten ohne Gage auf, „bekommen nur die Übernachtung, Anreise und eine Aufwandsentschädigung bezahlt“, so Michaela Gornickel, Organisationschefin der Hope-Gala.

Simone Meyer-Götz verkauft pro Jahr 75.000 Portionen Currywurst. Diesmal werden die Künstler der Hope-Gala von ihr verköstigt.

Simone Meyer-Götz verkauft pro Jahr 75.000 Portionen Currywurst. Diesmal werden die Künstler der Hope-Gala von ihr verköstigt.

© Markus Wächter/OAZ

Auch Simone und ihre Schwester Susanne, in Dresden die Curry Sisters genannt, brutzeln schon seit über zehn Jahren kostenlos für die Hope-Gala-Gäste. „Jeder bringt sich ein, wie er kann. Und wir freuen uns alle, uns einmal im Jahr alle wiederzusehen“, sagt die gebürtige Stuttgarterin, die sich in den Neunzigern in Dresden verliebt hatte und dort ihre Familie gründete.

Nach der besten Currywurst der Republik befragt, überlegt sie kurz: „Klar, es gibt die Klassiker vom Kudamm. Aber ich esse meine eigene geräucherte Currywurst mit Honig-Senf-Sauce eigentlich immer noch am liebsten.“

Restkarten ab 220 Euro pro Person (inklusive Gala, Aftershow-Party sowie Essen und Getränken) gibt es online. „Alle Einnahmen kommen direkt den Kindern in den Townships Südafrikas zugute“, verspricht Veranstalterin Viola Klein.

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