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Gedanken einer Gala-Nacht: Zieht Jan-Josef Liefers bald nach Dresden?

Er war einst Kulissenschieber im Dresdner Schauspielhaus und kehrte gestern Abend für die 18. Hope Gala dorthin zurück. Warum Liefers und seine Frau Anna Loos mit Berlin hadern.

5 Min
Die Hope Gala mit 700 Gästen sammelte am Wochenende Spenden für Hilfsprojekte in Südafrika ein.

Die Hope Gala mit 700 Gästen sammelte am Wochenende Spenden für Hilfsprojekte in Südafrika ein.

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

Es war die 18. Auflage der Hope-Gala, die Samstagnacht im Dresdner Schauspielhaus über die Bühne ging. 700 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien kamen zusammen, um Gutes für benachteiligte Kinder in Südafrika zu tun. Unter den Gästen war auch Holger Friedrich, Verleger der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung, mit seiner Frau Silke und dem Verlagsgeschäftsführer Christoph Stiller. Die Ostdeutsche Medienholding war erstmals Partner der Gala.

Friedrich und Hope-Gala-Initiatorin Viola Klein teilen eine gemeinsame Vergangenheit als erfolgreiche IT-Unternehmer mit Kontakten, die bis in die Neunzigerjahre zurückreichen.

Insgesamt 188.422 Euro kamen bis in die frühen Morgenstunden zusammen und erhöhten damit die Gesamtspenden der letzten 20 Jahre auf über 3,1 Millionen Euro.

„Ich bin sehr, sehr dankbar für die großzügige Unterstützung von so vielen Gästen, Partnern und Sponsoren“, sagt Viola Klein, Initiatorin der Hope-Gala. „Allein mit zehn Euro können wir ein Grundschulkind drei Monate lang mit Schreibmaterial versorgen, ob mit Buntstiften oder Schulheften. Für 100 Euro bekommt ein Nachhilfeschüler sechs Monate lang ein warmes Essen nach der Schule.“

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„Wir werden vor allem in Bildungsprojekte investieren, von der Frühförderung bis zur Berufsausbildung“, ergänzt Pfarrer Stefan Hippler, der das Projekt Hope Cape Town vor 25 Jahren gegründet hatte. „Die Spenden der Hope-Gala sind jedes Jahr ein verlässlicher Grundstock zur Finanzierung von Projekten, die jungen Menschen in Südafrika eine Perspektive geben.“

Die größte Einzelspende kam dabei aus dem Publikum von Moderator Benjamin Bieneck (SAT.1-Frühstücksfernsehen). Er führte mit Ruth Moschner durch den Abend und verkündete, dass seine Familie spontan 75.000 Euro für das Projekt spende. Das sind nochmal 25.000 Euro mehr als im Vorjahr.

Den mit 5000 Euro dotierten Hope Award bekam dieses Jahr Dr. Maria Decker stellvertretend für das Projekt SOLWODI. Es hilft Mädchen und Frauen, die sexuelle Gewalt und Prostitution in Kenia erfahren haben.

Liefers: „Dresden ist für mich besonders“

Auch Jan-Josef Liefers hatte die Gala mit seinem kostenlosen Auftritt unterstützt – wie alle Künstlerinnen und Künstler. Gleich fünf Songs sang der Schauspieler mit seiner Band Radio Doria und brachte als Überraschungsgast Ehefrau Anna Loos mit.

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Zuvor nahm der gebürtige Dresdner die 700 Gäste im Saal mit in die Vergangenheit: „Hier im Schauspielhaus hat alles angefangen. Ich war hier Kulissenschieber, habe die Bühne mit aufgebaut. Hier hat alles angefangen, dieser Ort hat für mich eine besondere Bedeutung“, so Liefers.

Anna Loos und Jan Josef Liefers sangen in Dresden unter anderem „Sturmpiloten“.

Anna Loos und Jan Josef Liefers sangen in Dresden unter anderem „Sturmpiloten“.

© Andreas Weihs/imago

An Bedeutung könnte die sächsische Landeshauptstadt für Liefers bald noch mehr gewinnen. Es war kein Versprecher, eher ein zaghaftes Versprechen, als Liefers erzählte, was ihn letztens seine Frau gefragt habe: „Wollen wir nicht nach Dresden ziehen?“ Er betonte, dass das ernst gemeint war. Applaus auf den Rängen. Und Anna Loos ergänzt: „Ich will jetzt nicht sagen, warum mir das bei Berlin einfällt...“ 

Es steht zu vermuten, dass die Aussage auf den Wahlausgang in Berlin gemünzt war. Liefers ist mehr im konservativen Lager verortet.

Auch am Sonntag blieb er in der Stadt, besuchte die Vernissage „Goldener Reigen – Bilder über Licht, Gold und das, was bleibt“ des Künstlers Jens Wittig. Aufgewachsen ist Liefers in den Siebzigerjahren in Dresden-Gruna und anschließend in einem Mehrgeschosser an der Prager Zeile in der Innenstadt.

Nach dem Schulabschluss 1980 begann er eine Tischlerlehre im Staatsschauspiel Dresden und begann 1983 an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin zu studieren.

Hier traf sich der Osten

Eine Zeitreise durch die Größen des DDR-Entertainments konnte man bei der anschließenden Aftershow-Party erleben. Da plauderte Sängerin Ute Freudenberg mit Schauspieler Wolfgang Stumph, umringt von Ritchie Barton, Keyboarder von Silly, und deren Gitarrist Uwe Hassbecker.

Chanteuse Dorit Gäbler war mit ihrem Mann Karl-Heinz Bellmann ebenso unter den Gästen wie Rock-Röhre Petra Zieger, die nächstes Jahr ihr 50. Bühnenjubiläum feiert. Sie war sich mit Dirk Michaelis einig: „Die Leute lieben unsere Songs, sie sind für sie Heimat. Das ist ein Riesengeschenk für mich“, sagt Zieger.

Der frühere Sänger von Karussell sang während der Gala mit den Gästen seinen Dauerbrenner „Als Du fortgingst“ und arrangierte das altbekannte Kinderlied „Kleine, weiße Friedenstaube“ neu.

Das zu DDR-Zeiten sehr verbreitete Kinderlied entstand 1949. Erika Schirmer war damals Kindergärtnerin in Nordhausen und entdeckte das Plakat zum Weltfriedenskongress in Paris mit Picassos Taube „La Colombe“ von Picasso. Sie selbst war Vertriebene aus Schlesien, brachte also ein paar Zeilen zu Papier.

Im Kindergarten sang sie das Lied allen vor und die Kolleginnen waren so begeistert, dass sie dazu Noten haben wollten. Erika Schirmer, mittlerweile stolze 100 Jahre alt, schrieb sie nieder, der Rest ist Geschichte.

Vor der Neu-Arrangierung habe Dirk Michaelis „Frau Schirmer mehrfach besucht. Sie hofft weiter auf Frieden“, sagt Michaelis der Ostdeutschen Allgemeinen.

Sorgen ums Patenkind in Südafrika

Mit der Spendensumme von 188.422 Euro kamen dennoch deutlich weniger Spenden zusammen als noch im Vorjahr (228.870 Euro). Die Gala finanziert sich selbst ohne staatliche Fördergelder und will sich auch „langfristig nachhaltig aufstellen“, so Klein.  Dazu soll sie in eine Stiftung überführt werden.

Trotz der gesammelten Spenden gehen nicht alle Geschichten gut aus: So übernahm Viola Klein die Patenschaft für die kleine Natalia in Kapstadt. „Heute ist Natalia verschwunden, auch ihre Familie ist nicht mehr auffindbar. Was aus ihr geworden ist, wissen wir nicht“, schreibt Klein in ihrem Gala-Magazin. Der Fall zeige aber auch, wie wichtig nach wie vor die Hilfe in Südafrika sei.

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