Der Linken-Politiker Jan van Aken hat sich am Dienstagabend bei „Maischberger“ gegen fast alle Vorwürfe gegen die Linke gestemmt. Antisemitismus, Kontakte in die organisierte Kriminalität und die Enteignungspläne: Der frühere Parteichef wehrte sich gegen mehrere Kritikpunkte.
Hintergrund ist der Wahlsieg der Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl. Seither wird intensiv über die Regierungsfähigkeit der Partei und ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp gestritten.
Eigentlich hätte Eralp selbst am Dienstagabend bei „Maischberger“ im Studio sitzen sollen, sie sagte jedoch ab. Van Aken vertrat sie.
Van Aken bei Maischberger: Warum er die Kritik für gesteuert hält
Für van Aken hat die Angriffswelle einen klaren Absender. „Seit zehn Tagen, seit dieser Wahl in Berlin, wird aus allen Rohren gegen die Linke geschossen“, sagte er in der ARD-Sendung.
Dahinter vermutet er wirtschaftliche Interessen. „Die CDU, die Immobilienlobby, die extrem Reichen, die wollen verhindern, dass die Linke regiert“, so der Bundestagsabgeordnete. Diese Kräfte wollten sich weiter „mit unseren Mieten dumm und dämlich verdienen“.
Die Linke will in Berlin erstmals die Regierende Bürgermeisterin stellen und zum ersten Mal ein Bundesland führen. Mit Eralp stünde erstmals eine Frau mit Migrationshintergrund an der Spitze der Stadt. Ihr Ziel sind bezahlbare Mieten – unter anderem durch die Vergesellschaftung großer Immobiliengesellschaften.
Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Linke: van Akens Verteidigung
Den Antisemitismus-Vorwurf wies van Aken entschieden zurück. Seine Partei bekenne sich auf jedem Parteitag zum Existenzrecht Israels und stelle sich zugleich an die Seite der Palästinenser. „Das macht uns nicht zu Antisemiten“, sagte er.
Problematische Stimmen räumte er nur als Randerscheinung ein. Es gebe „ein paar Leute“, die Dinge sagten, die er falsch finde und die in der Partei nichts zu suchen hätten. Eine Mehrheit seien sie nicht.
Van Aken verwies zudem auf einen Brief von rund 150 Jüdinnen und Juden, die sich gegen eine Debatte wehrten, die auf ihrem Rücken ausgetragen werde.
Peter Neumann kontert: „Das Problem gibt es seit Jahren“
Widerspruch kam vom Politikwissenschaftler Peter Neumann, der in Großbritannien lehrt und CDU-Mitglied ist. Für ihn ist das Problem deutlich größer, als van Aken es darstellt.
Vor allem im Bezirksverband Neukölln unterstützten Mitglieder nicht nur die Palästinenser, sondern die Hamas und ihr nahestehende Organisationen. „Das sind Terroristen“, sagte Neumann. Wer so auftrete, stelle sich auf die Seite von Leuten, die gewalttätig seien und Israel vernichten wollten.
Eine Koalition mit der Linken lehnte er ab: „Keine Toleranz für Intoleranz.“ Das Problem bestehe seit Jahren, etwa bei Parteitagsbeschlüssen in Niedersachsen. Eralp müsse handeln und notfalls den Neuköllner Bezirksverband schließen.
Ferat Koçak und die Kontakte zur Remmo-Familie
Namentlich nannte Neumann den Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak, den er aus der Partei ausschließen würde. Koçak war wegen seiner Kommunikation mit einem Mitglied der Remmo-Familie in die Schlagzeilen geraten.
Wer mit der Polizei gegen die organisierte Kriminalität zusammenarbeiten wolle, überlege es sich zweimal, warnte Neumann, wenn er sehe, wie ein hochrangiger Linker mit einem Vertreter dieses Clans vertraut umgehe.
„Was der Verfassungsschutz sagt, ist mir herzlich egal“
Kritik entzündete sich auch an Eralp selbst: Sie war bis 2025 Mitglied der Roten Hilfe. Der Verein finanziert linken Straftätern die Verteidigung, etwa der gewalttätigen „Hammerbande“, und wird vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuft und beobachtet.
Van Aken ließ das kalt. „Was der Verfassungsschutz sagt, ist mir herzlich egal“, erklärte er. Auch Linke hätten ein Recht auf eine vernünftige Verteidigung, und die finanziere die Rote Hilfe. Damit mache man sich nicht die Tat zu eigen.
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Aus der Fassung brachte van Aken schließlich der Literaturkritiker Denis Scheck. Der hatte im Kommentatoren-Panel die Immobilienpläne der Linken als „Rattenfängerei“ bezeichnet und der Partei massiven Antisemitismus vorgeworfen.
An SPD und Grüne, die mit der Linken koalieren wollen, richtete Scheck den Satz: „Wer sich mit Hunden zu Bett legt, der braucht sich nicht wundern, wenn er morgens mit Flöhen aufwacht.“
Van Aken protestierte, politische Gegner als Hunde zu bezeichnen, gehe „unter jeder Gürtellinie“. Scheck entschuldigte sich ironisch: Er hätte die Linke nie mit einem Hund vergleichen dürfen, „sondern gleich von einem Floh reden müssen“. Danach beendete Sandra Maischberger den Wortwechsel.
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