ZDF-Sendung

„Sie sprechen nicht direkt miteinander?“ Lanz konfrontiert Thüringer BSW-Chefin mit Wagenknecht

Katja Wolf spricht bei Markus Lanz über den Machtkampf im BSW. Zu Wagenknecht hält sie Distanz. Was heißt das für Thüringen?

4 Min
Katja Wolf, Landesvorsitzende des BSW in Thüringen war am Donnerstag bei „Markus Lanz“ zu Gast.

Katja Wolf, Landesvorsitzende des BSW in Thüringen war am Donnerstag bei „Markus Lanz“ zu Gast.

© Hannes P Albert/dpa

Bei „Markus Lanz“ hat BSW-Politikerin Katja Wolf einen ungewöhnlich offenen Einblick in den Machtkampf ihrer Partei gegeben. Ihr letztes Gespräch unter vier Augen mit Parteigründerin Sahra Wagenknecht liege nach ihrer Erinnerung rund eineinhalb Jahre zurück, sagte die Thüringer Finanzministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin.

Moderator Markus Lanz reagierte sichtlich verblüfft. In der ZDF-Sendung am Donnerstagabend ging es um das spannungsreiche Verhältnis an der BSW-Spitze und den Umgang mit der AfD.

Eineinhalb Jahre kein Vieraugengespräch mit Wagenknecht

Gleich zu Beginn wollte Lanz wissen, wie Wolf ihr Verhältnis zu Wagenknecht beschreiben würde. „Wir würden nicht zusammen in den Urlaub fahren oder jeden Abend miteinander telefonieren“, antwortete sie ausweichend.

Auf die Nachfrage, wann sie zuletzt gesprochen hätten, nannte Wolf einen konkreten Termin: „Am 26. April, wenn ich mich recht entsinne“ – vor dem Parteitag im vergangenen Jahr. „Wow! Also vor anderthalb Jahren, ja?“, entgegnete Lanz. „Sie sprechen nicht direkt miteinander?“

Wolf verwies auf Videokonferenzen zum parteiinternen Austausch, räumte aber ein, direkt sprächen beide nur „selten“. Ob sie ans Telefon gehen würde, wenn Wagenknecht anriefe? „Natürlich!“

„Sie sind der wandelnde Kontrollverlust“: Wie Markus Lanz zuspitzte

Warum sie Wagenknecht dann nicht selbst anrufe, hakte Lanz nach. Wolf begründete das mit ihren Prioritäten: „Ich habe Thüringen im Fokus.“ Wagenknecht sei derzeit Vorsitzende der Grundwertekommission. „Das ist die Gründerin Ihrer Partei!“, hielt Lanz dagegen.

Als Wolf erklärte, Wagenknecht habe bei der Bildung der Thüringer Regierung womöglich Angst vor Kontrollverlust gehabt, konterte Lanz trocken: „Sie sind der wandelnde Kontrollverlust.“

Auch Zeit-Journalistin Anne Hähnig nannte die Distanz ungewöhnlich: „Die Partei heißt noch Bündnis Sahra Wagenknecht.“

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Streit um Mario Voigt als Ausgangspunkt

Im Zentrum des jüngsten Streits steht Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt. Die TU Chemnitz hatte dem CDU-Politiker den Doktortitel aberkannt und im August auch seinen Widerspruch zurückgewiesen.

Der BSW-Bundesvorstand forderte daraufhin Voigts Rücktritt und verlangte von der eigenen Thüringer Fraktion, die Koalition mit CDU und SPD zu beenden. Doch die Fraktion entschied mehrheitlich anders: Sie will weiterregieren.

Wolf verteidigte diesen Kurs. Thüringen habe drei Haushalte verabschiedet, Bürgerräte eingeführt und die Migration neu geordnet. „Diese Regierung arbeitet stabil“, sagte sie.

Per E-Mail informiert: „Die Partei ist wirklich zerrüttet“

Wie schlecht die Kommunikation inzwischen laufe, zeigte ein Detail. Von der Aufforderung des Bundesvorstands, Voigt nicht weiter zu stützen, habe Wolf per E-Mail erfahren. „Das habe ich dem Beschluss des Bundesvorstandes entnommen“, sagte sie. Lanz musste lachen: „Oh Mann.“

Nicht einmal, ob das Gremium beschlussfähig gewesen sei, sei ihr aus der Nachricht klar geworden. Das habe sie getroffen.

Andrea Maurer, ZDF-Korrespondentin und Wagenknecht-Biografin, nannte die Lage „verfahren“. Bingener stimmte zu: „Die Partei ist wirklich zerrüttet.“ Hähnig sprach von einem „strategischen Dilemma“ zwischen einem Anti-AfD- und einem Anti-Mainstream-Kurs.

Brandmauer und AfD: Wo Wolf die rote Linie zieht

Beim Verhältnis zur AfD wurde es komplizierter. Wolf hadert mit dem Begriff „Brandmauer“, den sie für „ideologisch überlagert“ hält. Dass gewählte AfD-Abgeordnete grundsätzlich keine parlamentarischen Rechte erhalten sollten, hält sie für falsch – auch weil die AfD im Thüringer Landtag über eine Sperrminorität verfügt.

Laut den Gästen setzt Wagenknecht im Wahlkampf stärker darauf, AfD-Wähler anzusprechen. Ein Angebot von Thüringens AfD-Chef Björn Höcke, mit Stimmen seiner Partei Ministerpräsidentin zu werden, habe sie abgelehnt.

Ihre Grenze zog Wolf klar: „Für mich ist die Grenze das direkte in die Macht Verhelfen der AfD. Das darf nicht passieren.“ Ob sie das BSW dann verlassen würde? Das halte sie für „undenkbar“.

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